Buchgedanken...

  • Oh, "Prince of Thorns" ... einer dieser Schinken, von denen ich blitzschnell Abstand genommen habe. Die Leuts, die's gut finden, loben wie blutjung, gewaltätig und bädääääs die Hauptfigur ist, und die, die's nicht mögen, kritisieren genau das (wie in McClanes Rezi geschehen). Und für mich klingt ein Roman, der aus der Ich-Perspektive eines psychopathischen, omnipotenten Kindes erzählt wird, das sich durch eine graue Grimdark-Welt metzelt, nun mal schlicht nach Vollschrott ...
    Es gibt 'nen coolen Blog, wo das Buch mal unter die Lupe genommen wurde:


    http://alltheworldsbooks.blogs…-partially-being.html?m=1

    “If you make people think they're thinking, they 'll love you; but if you really make them think, they'll hate you.” - Harlan Ellison

    3 Mal editiert, zuletzt von Melchior ()

  • Ah, Jorg von Ancrath, der bislang jüngste psychopathische Mörder und Vergewaltiger, dem die Ehre zuteil wurde, Hauptfigur einer ganzen Trilogie zu sein ...


    Ich bin mal gespannt, was du über die Fortsetzungen sagst, McClane, solltest du sie irgendwann mal lesen. Wobei mich die Lobeshymnen, die auf die Trilogie gesungen werden, ehrlich gesagt fast noch mehr irritieren als die Trilogie (bzw. ihre Hauptfigur) an sich. Klar, handwerklich - erzählerisch und stilistisch - kann man Mark Lawrence nichts vorwerfen, im Gegenteil, auf der rein handwerklichen Ebene macht er das, was er macht, teilweise schon verdammt gut. (Mal abgesehen davon, dass es mMn schon eine Menge an suspension of disbelief braucht, um einen Elfjährigen als Anführer einer Bande von Gesetzlosen zu schlucken. ;))


    Was den Inhalt angeht, macht mir die ganze Trilogie allerdings Bauchschmerzen, und auf die Frage, "was will uns der Autor mit der Broken Empire Trilogy" sagen, habe ich bis heute keine auch nur ansatzweise zufriedenstellende Antwort gefunden.


    Disclaimer: Natürlich setze ich den Autor bzw. dessen Ansichten nicht mit dem Ich-Erzähler bzw. dessen Ansichten gleich. Aber Lawrence hat sich nunmal entschieden, einen Psychopathen zur Hauptfigur seiner Geschichte zu machen, und da er das sicher nicht nur um der Originalität willen gemacht hat - denn sooo originell ist das auch wieder nicht (Stichwort Patrick Bateman, oder, um im Genre zu bleiben Gerald Tarrant) -, wird er wohl etwas damit bezwecken, nur was? :nixweiss:

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • @ herb:


    Ich halte Mark Lawrence für einen ebenso fähigen wie cleveren Autor, der es sehr gut versteht, sich zu präsentieren und zu vermarkten. Von daher bin ich mir nicht sicher, ob die Broken Empire Trilogy nicht bewusst zumindest teilweise als Provokation gedacht war. Das Terrain war ja da, Autoren wie Abercrombie, Bakker oder Morgan hatten den Weg bereitet. Und dann setzt man eben nochmal einen drauf. Natürlich kann das nach hinten losgehen, aber eine Kontroverse sorgt halt auch für Publicity - und "any publicity is good publicity". *


    Hat ja auch funktioniert. ;)


    * - Lawrence hat z.B. in seinem Blog geschrieben, dass seine Verkaufszahlen nach der nicht gerade positiven Rezension von Prince of Thorns auf tor.com (es geht um die hier, die - das muss man dann leider auch sagen - halt eine typische Liz-Bourke-Rezi mit all ihren Stärken und Schwächen ist) deutlich gesteigen sind. Ich bin bei derart monokausalen Verknüpfungen ja immer ein bisschen skeptisch, aber wenn Lawrence das sagt, kann das natürlich stimmen (oder ist Teil seiner Strategie). :nixweiss:


    Aber wie gesagt, mehr als das Werk selbst irritieren mich die teils wirklich hymnischen Rezensionen in der Blogosphere oder auch bei Amazon.

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Aber Lawrence hat sich nunmal entschieden, einen Psychopathen zur Hauptfigur seiner Geschichte zu machen, und da er das sicher nicht nur um der Originalität willen gemacht hat - denn sooo originell ist das auch wieder nicht (Stichwort Patrick Bateman, oder, um im Genre zu bleiben Gerald Tarrant) -, wird er wohl etwas damit bezwecken, nur was? :nixweiss:


    Vielleicht wollte er einen erfolgsträchtigen Mini-Dexter? Wobei der mehr moralische Bedenken haben dürfte. Und Gerald Tarrant deutlich mehr Charme ;). Vor einer Weile habe ich mal im Laden in Band 1 reingelesen und fand ihn einfach nur unglaubwürdig und ausgesprochen scheußlich allein um der Scheußlichkeit willen. Es ist mir ein Rätsel, wie einem das gefallen kann (beim Lesen wie beim Schreiben).

  • Aber wie gesagt, mehr als das Werk selbst irritieren mich die teils wirklich hymnischen Rezensionen in der Blogosphere oder auch bei Amazon.


    Bei der Blogosphäre bin ich mittlerweile sehr skeptisch geworden. Irgendwie weiss man nie wirklich, wer da wem verpflichtet ist. Und wenn da absolute Lobeshymnen gesungen werden, dann klingeln bei mir die Alarmglocken.
    Das ist fast schon wie in der Computerspielszene...

  • Den Gedanken zur Intention hatte ich auch zwischenzeitlich, als ich darüber noch Überlegungen angestellt hatte und bin auch auf den Schluss "schocken des Schockens willen" gekommen. Es ist in der Tat einfach nur reines Vor-den-Kopf-Stoßen mit Gewalt und überall noch eine Schippe drauf. Provokation definitiv und es scheint ja geklappt zu haben - was allerdings, wie jetzt auch schon öfter angesprochen, etwas ins Grübeln bringt über die ganzen superpositiven Rezensionen und "die nächste Stimme der Fantasy" und welche Auszeichnungen und Medaillen sonst noch so in der Blogwelt herumwuseln.


    Ich muss sagen Abercrombies Stil fand ich damals noch ziemlich gut. Er hatte ein gewisses Maß noch eingehalten, bei dem ich sagen kann "ok, das ist noch vertretbar" - wenn man jetzt mal von der Abnutzung absieht, die sich bei Abercrombie nach ein paar Bänden schon eingeschlichen hat. Was Lawrence dann drauß macht...das ist wie einen Vergleich zwischen Sieben und Saw Teil X...einer düster, gewalttätig, aber mit identifizierbaren Charakteren, die auch Spaß machen zu verfolgen, der andere einfach nur torture porn / Gewaltverherrlichung mit dann doch sehr eindimensionalen Abziehfiguren. Gut Abercrombie ist vielleicht qualitativ für sein Genre nicht mit "Sieben" vergleichbar, aber ich denke mein Punkt ist verständlich^^


    Wie man auch des öfteren liest hat sich Lawrence etwas gezügelt in den anderen Trilogien, dann stellt sich mir die Frage, ob er sich trotz großem Erfolg nach der negativen Rezension einfach zum Teil neu erfinden wollte, oder der Erfolg dann doch nicht so bombastisch war...viele loben die Reihe definitiv, aber für mich ist das definitiv nix.


    Der Claim "any publicity is good publicity" stimmt...bedingt. Aus Marketingsicht kann ich das natürlich nicht generalisieren :D - Schockwerbung von Benetton bspw. hat sich damals auch herbe ins eigene Fleisch geschnitten, aber es kommt immer auf den jeweiligen Fall und seine Auswirkungen an. Natürlich kann die Publicity und die Reviews voller Abscheu dazu beigetragen haben, dass viele Band 1 gekauft haben, wie sich dann aber die Sales zu den Folgebänden verhalten haben ist eine andere Sache. Der Verlauf (sicherlich "Fall") von Band 1 zu Band 2 würde mich durchaus interessieren. Dass der Lawrence immer noch problemlos neue Trilogien an den Mann bringt zeigt jedoch, dass er anscheinend irgendwas richtig macht und die Leserschaft immer noch groß genug ist, die sich an sowas erfreut (Alan Campbells Deepgate Codex, der ja auch sehr düster ist hat sich da nicht wirklich bewehrt und seine zweite Trilogie Gravedigger Chronicles wurde nach Band 2 sogar eingestampft) - aber auch die Völkerromane haben eine lange Halbwertszeit (gehabt) bis sie dann immer mehr aus den Regalen verschwunden sind - wer weiß wann Grimdark, grim & gritty/grittier dem folgt.


    Band 2 schau ich mir auf jeden Fall nach "The Passage" an...ob dann noch Band 3 folgt...ich vermute mal, ja, aber eher der Komplettierung wegen und weil diese bei 350 Seiten pro Buch nicht all zu lange dauert.

    "See ya in anotha life brotha!"
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    I can see your soul in the edges of your eyes. It's corrosive. Like acid.

  • The Black Company: Dunkle Zeichen - Glen Cook


    Die Black Company versteckt sich mit Darling auf der Ebene der Angst vor der Lady. Währenddessen bekommt Croaker von einem anonymen Brieffreund Nachrichten, die die Geschichte des Hexers Bomanz erzählen und jemand namens Corbie beobachtet im Barrowland den Grabhügel des Dominators.


    In der ersten Hälfte des Buchs passiert gerade bei Croaker nicht viel, dafür ist Bomanz´s Geschichte recht interessant, Corbie´s dagegen nicht ganz so sehr, da dauert es auch lange, bis etwas passiert, außerdem war es dafür doch arg Vorhersehbar, dass

    Die Auflösung, wer er denn ist, war auch nicht gerade überraschend,

    .


    In der zweiten Hälfte legt das Buch dann zu und es kommt auch räumlich mehr Bewegung in die Geschichte. Der Showdown fällt dann aber etwas seicht aus.


    Insgesammt sind die drei Bücher sehr unterschiedlich, das erste ist ein Feldzug, das zweite spiehlt größtenteils in einer Stadt und zum dritten fällt mir gerade keine passende Kurzbeschreibung ein. Aber es hat mir dann doch einen Ticken weniger gefallen als der zweite Teil.


    Da der Mantikor Verlag anscheinend nicht weiterübersetzt, es wurde zumindest nichts angekündigt und ihr Kundenservice hatte es nicht nötig, auf meine Nachfrage zu antworten, muss ich dann wohl auf´s Original umsteigen, allerdings nicht sofort, da gibt es ein paar andere Bücher, die ich zuerst lesen möchte.


    Außerdem habe ich vor ein paar Monaten dieses Lied gefunden, dass mich irgendwie an die Lady erinnert: https://www.youtube.com/watch?v=fs8RUFS18g0

  • Ich habe am Wochenende Matt Ruffs "Mirage" ausgelesen und mich köstlich amüsiert.
    Geschichten mit so völlig verschobenen Blickpunkten sind für mich immer wieder erfrischend.


    Aus lauter Begeisterung habe ich nun gleich zu G.A.S. gegriffen und genauso viel Spaß... :D

  • The Court of Broken Knives - Anna Smith-Spark


    In der Stadt Sorlost hat ein Politiker beschlossen, das dekadente und langsam verkommende Imperium neu aufzubauen und den Armen und Verhungernden zu helfen. Deshalb wirbt er eine Söldnerkompanie an, die für ihn den Imperator und ein paar andere Mächtige aus dem Weg räumen soll. Diese Söldner müssen währenddessen feststellen, dass ihr neuster Rekrut ein paar dunkle Geheimnisse hat.


    Das war ein etwas schwieriges Buch. Es hat mir schon gefallen, ich bin mir aber nicht wirklich sicher wieso. Ich habe im Vorfeld viel über das Buch gehört, positives wie negatives, und vieles davon war falsch bzw. übertrieben.
    Gerade der Schreibstiel der Autorin wird immer hervorgehoben, die einen lieben, die anderen hassen ihn. Er ist definitiv sehr ungewöhnlich und eigen, für mich hat er aber funktioniert. Die Handlung ist sehr Character-driven, allerdings ist keiner der 4 Hauptcharaktere sympatisch, ok, Orhan (der Politiker) vielleicht ein bisschen, aber die anderen, nein. Das Buch fließt ganz gut vor sich hin, nur in der zweiten Hälfte gibt es ein paar Reisen, die etwas zu lang geraten sind. Einige brutale Szenen kommen vor, es ist aber kein endloses Blutbad, wie mancherorts behauptet wird, die ruhigen Szenen, in denen niemand stirbt, überwiegen deutlich. Allerdings zieht sich eine gewisse Todesbesessenheit durch das gesamte Buch und es dreht gegen Ende ein Stück gegen Wahnsinn ab.


    Ich möchte doch wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber mit der leichten Befürchtung, dass es in eine Richtung gehen könnte, die mir nicht gefällt.

  • The Court of Broken Knives - Anna Smith-Spark


    ...

    Das könnte ich fast alles mehr oder weniger genauso unterschreiben. Stilistisch ist TCoBK mMn mit Abstand das Beste, was auf der Grim-&-Gritty-Schiene in den letzten Jahren erschienen ist, wobei ich es beeindruckend finde, dass Anna Smith-Spark den ... hm ... ja, doch, ziemlich literarischen Stil sehr konsequent durchhält. Verbunden mit der unterschwelligen Düsternis und Aussichtslosigkeit, die den ganzen Roman durchzieht, sorgt das für ein sehr eigenwilliges Leseerlebnis. Was die Figuren angeht, habe ich auch so meine Probleme - trotzdem ist TCoBK einer der wenigen Romane aus diesem Segment, bei dem ich mir wahrscheinlich die Fortsetzung zulegen werde. (Allerdings muss ich dann irgendwann dazu aufgelegt sein, das Ding auch zu lesen, denn so richtig Spaß macht das nicht ... ;))

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Also bisher hatt es mich eigentlich kaum bis garnicht gestöhrt, ob ein Buch Grim-Dark, Grim-n-Gritty oder wie auch immer ist, da es noch keins geschafft hat, meine Schmertzgrenze zu überschreiten was Blutvergießen, Ekel und Düsternis angeht (ok, Erikson bisher einmal fast), und hab dann ehr auf andere Dinge geachtet. Außerdem bin ich der Meinung, dass es nicht unbedingt einen oder mehrere sympatische Charaktere braucht, um ein Buch für mich interessant zu machen. Außerdem hab ich schon mehrere, einigermaßen verschiedene Definitionen davon gelesen, was Grim-Dark denn jetzt ausmacht, und auch Listen von Grim Dark-Autoren auf denen Namen wie Erikson, Cook, Abraham, Durham, Stover, Howard, Moorcock, Wagner und co. auftauchen.
    Aber das Buch war wirklich eine etwas andere Erfahrung und wenn es darauf hinauslaufen sollte, dass

    brauch ich das auch nicht unbedingt.

  • Ich habe gestern Justin Cronins "The Passage" beendet und muss ja zugeben, dass ich mich zuvor nicht all zu sehr informiert habe und befürchtete, dass ich nach "Prince of Thorns" mit dem zweiten unausstehlichen Kind als Protagonist konfrontiert werden könnte. Glücklicherweise war das nicht der Fall - The Passage, trotz der ein oder anderen Länge, die bei 960 Seiten nicht unbedingt zu vermeiden ist) hat mich ziemlich positiv überrascht. Und die junge Amy, von der auf dem Buchrücken gesprochen wird, ist zwar essentiell für das Buch, hat aber so gut wie keine Passagen (no pun intended) aus eigener Sicht und ist auch über weite Strecken des Buches nicht wirklich präsent.


    Worum geht es in The Passage? Kein Plot, den man bislang noch nie gesehen hat. Forscher versuchen einen Virus, gefunden im Südamerikanischen Dschungel, der Menschen in Vampirähnliche Mutanten verwandelt und anscheinend langes Leben schenkt, für eigene Zwecke zu verwenden. Da auch das Militär eingeschalten wird ist abzusehen, was die mit dem Virus machen wollen und die Lage eskaliert recht bald.


    Cronin lässt sich sehr viel Zeit mit dem Worldbuilding und dem Kreieren seiner Charaktere, was unter anderem dazu führt, dass es einige 100 Seiten braucht, bis die eigentliche Katastrophe passiert, vorher lernt man viele Figuren auf unterschiedlichen Seiten des Vorhangs kennen, baut Bindungen zu einsamen Special Agents auf und fühlt sogar ein wenig mit dem ein oder anderen Schwerverbrecher mit, der vielleicht doch nicht ganz so schuldig ist wie alle ihn darstellen. The Passage ist kein sehr langsames Buch, auch wenn sich einige Kleinigkeiten auch mal wiederholen oder andere Stellen sehr monolog, dialog und Warte-lastig sind, aber dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass das Tempo stimmt und die Geschichte einen natürlichen Verlauf nimmt. Dennoch kann ich die Stimmen verstehen, denen die Erzählgeschwindigkeit zu gering ist und es hier und da an Originalität fehlt. Mir nicht - klar man hätte das Buch durchaus kürzen können (die Nachfolgeer sind auch etwas kürzer) aber ich war zu keiner Zeit gelangweilt. Und der ein oder andere Twist hat selbst mich überrascht und eines wird früh klar: niemand ist wirklich sicher...


    Ganz ohne Makel ist das Buch allerdings nicht. Hier und da fügt sich das ein oder andere einfach viel zu einfach, was die Geschichte zum Teil etwas zu schnell in die richtige Richtung schiebt und ja, den ein oder anderen Zwischenstopp hätte man auch definitiv strerichen können, ohne dass die Geschichte an essentiellem Inhalt verliert. Ich weiß auch, dass ich das ein oder andere mal an The Walking Dead erinnert wurde - hätte ich die Serie nicht gekannt (ich mag sie absolut nicht), hätten die Stellen vielleicht einen weniger negativen Einfluss auf das Leseerlebnis gehabt. Und ja, eines meiner pet-peeves ist auch im Buch vorhanden, das ich jetzt aus Spoilergründen nicht verraten will, aber auch für den Verlauf der Story hätte es diesen Aspekt sogar gar nicht wirklich geben müssen, was für mich dann natürlich ziemlich schade ist.


    Das Ende ist offen, klar, es folgen noch zwei Bände, aber es bedeutet einen netten Abschluss eines lange einleitenden Buches, das auf eine gute Fortführung der Story hoffen lässt. Ich bin definitiv gespannt, wie es weiter geht.


    8,0/10


    Jetzt wieder zurück zu Mark Lawrence und King of Thorns. Da ist die Vorfreude etwas geringer. Mal schauen, ob ich mir Band 3 hiernach überhaupt noch antun will...

    "See ya in anotha life brotha!"
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    I can see your soul in the edges of your eyes. It's corrosive. Like acid.

  • Danke für den Tipp. Das Buch ist bisher an mir vorbeigegangen. Die Leseprobe zeigt einen sehr direkten, unmittelbaren Stil, wird nicht einfach, den adäquat zu übersetzen.

    Soll das Buch denn übersetzt werden? Bin zwar kein Übersetzer und längst nich der Beste in Englisch, aber ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie das furktionieren soll.

  • Keine Ahnung, ob da was geplant ist. Aber im literarischen Bereich trifft durchaus öfters auf solche Schreibstile. Das kann kann schon übersetzen, aber eben nicht so schnell runter wie vieles andere. Die FAZ hatte letztes Jahr einen Übersetzungswettbewerb mit einer Passage aus einem bisher unübersetzten Roman von Don DeLillo, der ging stilistisch in eine ähnliche Richtung.

  • Late to the party, but


    Ich habe gestern Clarkesworld 125 beendet, da Simone Heller glaube ich, hier vor einem Jahr aufgrund ihrer Geschichte selbst darauf aufmerksam gemacht hat. Mir war das Magazin bis dahin unbekannt, weswegen ich den Hinweis nutze, um es kennenzulernen. Mir hat die Geschichte "How Bees Fly" sehr gefallen! :) Ich fand es sehr schön beschrieben, wie schwer es ist, sich von seiner eigenen Sichtweise zu distanzieren und eine Neubewertung vorzunehmen. Die restlichen Geschichten haben mir ebenfalls sehr gefallen, da die völlig unterschiedlichen Ansätze einer möglichen Zukunft bzw. unterschiedlichen Erzählstile (bspw. K.J. Parkers "The Dragonslayer of Merebarton" mit seiner Ironie) sehr zugesagt haben.


    Ich werde mir in Zukunft sicher weitere Bände der Clarkesworld kaufen. Die Printversion für ein paar Euro ist das Geld immer wert! Falls also jemand noch eine weitere gute Ausgabe von Clarkesworld empfehlen möchte: Immer gerne :)

  • Mark Lawrence - King of Thorns


    Ein Buch, bei dem ich nicht nur einmal den Kopf geschüttelt habe, mich jedoch mehrfach daran erinnerte, dass Teil 1 übertriebener und schwächer war. Ich habe ja nicht sehr viel von diesem Buch erwarten, allerdings habe ich auch nicht sehr viel bekommen. Von dem her war ich auch nicht enttäuscht, allerdings sind meine Fragezeichen zu den unzähligen positiven Kritiken im Interwebs nur größer geworden. Besonders das Wort "komplex" liest man immer mal wieder, wobei ich etwas erschüttert bin, wenn 2 Timelines, ein paar Ausläufer in einzelne Geschehnisse der Vergangenheit und die ein oder andere über knapp 400 Seiten unbeantwortete Frage mittlerweile schon als komplex gilt. (Sarcasm on) Zum Glück ist einer der 2 Haupt-POVs lediglich in Tagebuchform zwischen den Kapiteln geschrieben, ansonsten wäre King of Thorns wohl nicht mehr erklärbar gewesen (Sarcasm off).


    Aber mal mehr ins Detail. King of Thorns spielt ein paar Monate nach Prince of Thorns (Flashbacks, die mMn gefühlt den Großteil des Buches einnehmen) bzw. 4 Jahre später, als Jorg sich seine Machtposition gesichert hat und umgeben von attackierenden Feinden ist. Seinerseits natürlich seelenruhig, während alle anderen etwas die Beherrschung verlieren ist er nicht wirklich sympathischer geworden, z.T. vielleicht sogar noch arroganter. Ein Positives muss man dem 2. Band allerdings lassen: er dreht die Frequenz von unnötigen Gewaltszenen, Hinrichtungen oder Vergewaltigungen und sexuellen Exzessen extrem runter, was vielleicht darauf schließen lässt, dass Jorg zumindest etwas reifer und erwachsener geworden ist.


    Wie schon erwähnt, spielt der Band in 2 verschiedenen Zeiten, von denen in der Gegenwart mMn über den Großteil nicht viel passiert als rumlaufen, Reden schwingen und warten, während in der Vergangenheit noch mehr rumgelaufen wird, allerdings hier die Welt etwas mehr erkundet wird und auch ein wenig mehr Infos über die Vergangenheit ans Licht kommen - für mich immer noch das interessanteste an der Broken Kingdom Trilogie, wenn auch der erste Oha-Effekt in Band 1 da ganz oben steht und so langsam die Wirkung des Ganzen nachlässt (oder den Bogen überspannt, aber dazu später mehr).


    Keine Ahnung warum das bewegtere Geschehen in Flashbacks spielt und nicht das ganze Buch einfach direkt an Band 1 angeknüpft wurde - zur Not macht man halt einen Zeitsprung ab der Hälfte und führt das Buch so weiter, aber das war für Lawrence wohl zu plump. Für mich auf jeden Fall unnötig.


    Es heißt, die kleinen Nuancen sind es hier, die am Ende gekonnt zusammenlaufen. In meinen Augen läuft da nicht all zu viel zusammen, außer das, was eigentlich schon von früh an absehbar ist, also hier fehlte mir der "Ach, deswegen hat er das vorhin angesprochen"-Effekt...irgendwie hatte das Buch keinen der Effekte auf mich, die alle anderen so hochloben. Hmm...


    Kommen wir zum nächsten Teil: POV 2 -> Jorgs Stiefschwester, die ihn nach den Geschehnissen in Band 1 hasst, er sie aber anhimmelt und obwohl er es vermeiden sollte, immer in Gedanken und Träumen zu ihr wandert. Für mich ein POV, den man sich eigenltich vollends hätte sparen können. Es wird natürlich die ein oder andere Intrige dadurch aufgedeckt, die am Rande mal Erwähnung fand oder nur periphär Einfluss auf das Geschehen hat und der POV versucht zu zeigen was auf der anderen Seite der Karte vor sich geht, aber am Ende verläuft alles irgendwie im Sand, die Auswirkung auf das eigentliche Geschehen sind gleich 0 und am Ende schafft es Lawrence für mich den Inbegriff des antiklimatischen Aufeinandertreffens zweier Personen direkt von dem Nutzen einer völlig unnötigen Deus Ex Machina folgen zu lassen. Das Schlimme ist, ersteres hätte man kommen sehen können, wenn man Lawrence einen solchen billigen Trick zugetraut hätte - mMn ist das keine Lösung gewesen, die sich als besonders gewieft, noch sonderlich überraschend herausgestellt hat; zweiteres hat man kommen sehen und ich für meinen Teil habe keine großen Augen bekommen und mir ist auch nicht die Kinnlade, wie dem ein oder anderen runtergeklappt, sondern eher ein Schulterzucken, das besagt "naja, jede andere Lösung in der Situation wäre auch nicht viel besser gewesen, außer man lässt Jorg sterben und die Reihe enden".


    Naja, was soll ich sagen. Ist Band 2 besser oder schlechter als Band 1? Hmm...da sinnlose Gewaltexzesse für mich ein riesen Negativpunkt darstellen wäre der Band in dem Sinn besser (minimal). Da aber der Aufbau, der Verlauf und das Ende der Handlsungsstränge sehr künstlich konstruiert und überzogen aufgeklärt wurden, spricht für eine schlechtere Note. Wahrscheinlich ballanciert sich alles wieder auf der gleichen Note aus, wie bei Band 1 und eigentlich liest sich das Buch mit überschaubaren Kapitellängen zum Großteil recht flott, wpbei sich in der Mitte schon so ein kleiner Hänger breitmacht. Das Ende hätte man so in der Form auch 100 Seiten früher haben können, ohne essentielle Schritte zu überspringen. Zumindest eine Sache kann ich sagen: die Anzahl hassenswerter Charaktere hält sich in Grenzen. Da hatte ich zumindest nicht auf jeder Seite die Hoffnung der Tod greift um sich. Allerdings gibt es auch keine so wirklichen Charaktere (mehr) die ich ganz nett finde.


    4,5/10 aufgrund diverser, kleiner netter Momente, interessantem Background, der allerdings an Bedeutung für das Lesevergnügen verliert und dem doch recht angenehmen Lesetempo.


    Zurück zu Justin Cronin und "The Twelve"...

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