Buchgedanken...

  • Hab vor kurzem "Der Narrenturm" von Andrzej Sapkowski ausgelesen.
    Kennt das hier wer?


    Die Charaktere sind recht interessant, ein junger Gelehrter, der sich irgendwie einem gewissen Ehrenkodex verpflichtet fühlt und eine sehr naive Sicht der Welt hat, aber trotzdem eine Affäre mit der Frau eines Ritters hat und dann (ich will ja nicht zuviel verraten) in die Wirren der Hussitenkriege hineinstolpert und nicht mehr heraus findet. Außerdem wird er von der Inquisition gesucht, weil er Magie anwendet.
    Die spätmittelalterliche Welt fand ich eigentlich sehr glaubhaft und lebendig : z.B. ein dahinsterbendes Rittertum, das sich entweder an althergebrachtes, wie Ehre etc. klammert oder versucht neue Wege einzuschlagen.

  • @ Fremdling


    Ich hab das Buch (und seinen Nachfolger) seit einer Weile auf dem SUB zu liegen; gekauft habe ich sie mir, weil mir Sapkowskis bisher erschienene Fantasy - Romane gefallen haben.
    Andererseits dürfte es dir nicht schwer fallen, hier im Forum Fans des Autors zu finden. ;)


    MFG
    Keiler

    Was gibt es Schöneres, als sich gemütlich mit einem Buch aufs Sofa zu legen, wenn man eigentlich noch Arbeit zu erledigen hätte.

  • Aaah! Sapkowski!
    Was für eine Frage - natürlich ist er bekannt. :D


    Seinen Narrenturm habe ich sehr genossen und die Gottesstreiter liegen ganz oben auf dem SUB.
    Wobei ich bei aller Begeisterung für diese sehr farbenfrohe, saftige und ausufernde Schreibweise trotzdem sagen muss, dass ich GERALT noch besser fand. (noch 3 Monate und wenige Tage!!! ;) )

  • Zitat

    Original von Keiler
    Ich hab das Buch (und seinen Nachfolger) seit einer Weile auf dem SUB zu liegen...
    MFG
    Keiler


    Ja... der Herr hat meine Neugier auch geweckt... allerdings hab' ich noch... einiges auf dem RUB liegen... (SUB reicht bei mir nicht mehr...) und bei meiner schneckengleichen Lesegeschwindigkeit... kann's noch dauern bis ich mich in Sapkowskis Welt vertiefen kann. :( Aber - ich freu' mich schon drauf :]


    Gruß vom
    Katerchen

    Und in manchen Schlössern traut man sich kaum die Stiege hinauf, in der Angst zu stolpern, gegen die Wand zu taumeln und, von 60 Rehtrophäen durchbohrt, sein Leben auszuhauchen. Eduard von Habsburg-Lothringen in Wo Grafen schlafen



  • ... Gedanken weiterspinn...
    Ich bin gerade am Nachgrübeln, wo ich den Zaubergärtner gedanklich unterbringen soll... Das Buch liest sich ein bisschen, wie ein Gleichnis auf gewisse, nennen wir es mal sehr allgemein "Weltanschauungen".
    Ein König, der alles (hier natürlich Magische) unter seiner Kontrolle haben will. Alles, was nicht kontrolliert werden kann - entweder weil es zu mächtig oder zu kompliziert, oder zu sonstwas ist - muß quasi gehirngewaschen, vernichtet oder vertrieben werden... klingt irgendwie bekannt, oder?
    Wobei dieser König eigentlich gar nicht so unsympatisch ist, (die Sätze oben hören sich jetzt schlimmer an, als sich das ganze liest) er wird irgendwie sehr menschlich geschildert... :nixweiss: 
    Naja, mir wird schon was passendes einfallen...


    Gruß vom
    Katerchen

    Und in manchen Schlössern traut man sich kaum die Stiege hinauf, in der Angst zu stolpern, gegen die Wand zu taumeln und, von 60 Rehtrophäen durchbohrt, sein Leben auszuhauchen. Eduard von Habsburg-Lothringen in Wo Grafen schlafen



  • So, ich hab jetzt endlich Rumo fertig.


    Mal wieder ein typischer Moers-Roman. Einige Freunde meinte, er wäre das Highlight innerhalb der Zamonien-Reihe, aber so gut war er nun auch wieder nicht.
    Wie immer hab ich erst mal fast das halbe Buch gebraucht um mich in den Moers-Schreibstil reinzufinden, aber dann konnte ich es fast nicht mehr auf die Seite legen. Die letzten 100 Seiten hab ich dann gestern am Stück verschlungen.


    4 von 5 unvorhandenen Winzlingen

  • Bin gerade mit Ich und die anderen fertig geworden. Und ich muss sagen ich bin nicht sicher wie ich zu dem Buch stehe. :nixweiss:


    Einerseits ist das ein ehrlich sehr gut geschriebenes Buch. Man hat wirklich das Gefühl, da läuft eine ganze Parade an einem vorbei und es fehlt auch nie an lustigen Momenten. Besonders gefällt mir auch, dass die Multiplizität der Charaktere irgendwie sympathisch dargestellt wird. Mir hat es am Ende tatsächlich vor dem Begriff "Reintegration" gegraut, weil mir jeder einzelne der Persönlichkeiten ans Herz gewachsen ist.
    Ich habe natürlich keine Ahnung, ob MP Betroffene sich wirklich wie Andy Gage verhalten, aber die Idee des Buches gefällt mir.
    Von der Sicht aus betrachtet jedenfalls ein sehr gutes Buch, dass ich nur weiter empfehlen kann.


    Der andere Punkt ist eben die Gründe für die MP. Thematiken dieser Art sind nicht unbedingt geeignet für mich und vor allem das "Eifersuchtsgeschenkt" und ein paar andere Dinge die Penny Drivers Mutter angehen, aber auch Andy Gages Mutter, haben mich zeitweise aus der Bahn geworfen.
    Während ich ein eher lustiges Buch erwartet habe, bekam ich ein lustiges Buch mit sehr ernstem Hintergrund. Ich finde das Buch wirklich gut, aber irgendwie kann ich nicht sagen was es ist, aber es stört mich etwas daran. Vielleicht weil es einfach nur ein wenig zuviel von dem menschlichen Abschaum zeigt den es da draußen wirklich gibt und dem ich in geringerem Ausmaß schon begegnet bin.


    Ich weiß es nicht... daher eine unschlüssige punktlose Wertung.


    Edit: Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich Epilog-Texte nicht mag? Ich finde der Epilog fast aller Bücher die ich bisher las, hätte man besser sein lassen. Irgendwie zerstören die in einem immer die letzten Illusionen des "sie lebten glücklich bis an ihr Ende" Dings. Und ich bin da nicht für Kreationen offen.. ich WILL meine Illusion eines Happy Ends haben. :schmoll:

  • Habe gerade „Der Blutritter“ (Keyes) beendet. Ich habe die drei schon auf deutsch erschienenen Bände auf eine Rutsch gelesen, was ja schon darauf hindeutet, dass es mir soooo schlecht wohl nicht gefallen hat. Klar, manche Verfolgungen ziehen sich manchmal doch etwas hin und ob die Handlungsweisen der einzelnen Figuren (v.a. die „Bösewichte“, die doch eigentlich einen langfristigen Plan haben sollten) tatsächlich immer so stringent und logisch sind, wird man erst nach dem letzten Teil sagen können, ich habe da noch den einen oder anderen Zweifel.
    Aber: Insgesamt mag ich die Story und auch einige der Figuren sind mir ans Herz gewachsen (Highlight für mich. Stephens „Beobachtungen....“).




    Eine Sache irritiert mich dann aber doch noch etwas:


    da gibt sich Keyes auf der einen Seite einige Mühe neue Monster zu erschaffen und in manchen Sprachresten scheint dann aber unsere Mythologie durch (Werwolf, Walküren,etc.). :gruebel: Es gibt zwar ganz am Anfang von Band 1 einen Satz der andeutet, wie das zusammenhängt (Reiseziel von V. Dare), aber dieser Punkt wird dann überhaupt nicht mehr weiterverfolgt, was die Befürchtung aufwirft, dass ich diese Passage in den falschen Hals bekommen habe. Ich wünschte mir, dass das im letzen Band dann doch noch irgendwie geklärt wird.

  • @moyashi:
    Unsere unterschiedlichen Haltungen zu ›Illusion des Happy Ends‹ und ›Echtwelt-Widrigkeiten in Fiktionen‹ mal aussen vor gelassen: Mein Kompliment für Deine Kurzrezi von Matt Ruffs »Ich und die anderen«. Man merkt, wie uneins Du mit Dir selbst bist und das wiederzugeben ist immer sauschwer. Hut ab!


    Ich denke ja, dass der Eindruck zu solchen Bücher wie eben »ich und die anderen« sich in der Erinnungen nochmal ganz schön wandeln kann. Falls das bei Dir der Fall sein sollte, erinnere ich Dich jetzt schon mal daran, diese Meinung mit etwas Zeitabstand hier kundzutun! Sprich: ich bin neugierig, ob und wie Deine Unschlüssigkeit Urteilsmäßig ›zu Potte kommt‹.


    Grüße
    Alex / molo

  • @Moya
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Dich falsch verstanden habe, aber ich hoffe es.
    Du meinst mit "menschlichem Abschaum" jetzt nicht Leute, die eine MP haben, oder? Vielleicht wäre mir der Satz klarer, wenn ich das Buch gelesen hätte, aber so wie er jetzt da steht, ist er etwas missverständlich... :gruebel:


    Winston S.
    Ja, Stephens Beobachtungen waren für mich auch immer wieder Highlights...
    :D

  • Yepp, hätte ich auch vermutet, ohne das Buch gelesen zu haben.


    Grüße
    Gerd (der noch nicht genau weiß, ob er ein zweites Buch braucht, in dem es um MP geht)

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • @ Elora: Himmel nein! Ich meine natürlich die Personen, die Schuld sind an der MP des betroffenen Menschen. Sollte ich da besser ein Edit einfügen? :nixweiss:


    @ molo: Danke für das Kompliment, aber das ist eigentlich unverdient. Da dies aber ein Buch ist über welches ich definitiv noch eine Weile nachdenken werde ehe ich es geistig verarbeitet habe, werde ich auf deine Anfrage bei Gelegenheit zurück kommen. (Ich hoffe ich vergesse es nicht).
    :)


    @ Threep: Für ein schlechtes Gewissen gibt es gar keinen Grund. Das Buch war ja wirklich gut und ich bin froh, dass ich es gelesen habe. Es hat halt nur einen Nachgeschmack von Traurigkeit (könnte man sagen) hinterlassen. Aber das war trotz meiner derzeitigen Verwirrung darüber, eine sehr sehr dankenswertes Geschenk von dir, denn es bringt mich dazu tiefsinnige Gedanken zu spinnen und das kann manchmal sehr erkenntnisreich und befreiend sein.
    Schwer für mich zu erklären, aber traurig sein, heißt nicht immer schlechtes. Ich denke ich empfinde für dieses Buch eine Art fröhliche Traurigkeit. Ich bin froh, dass es mich so nachdenklich gemacht hat.

  • Zitat

    Original von Winston S.
    Eine Sache irritiert mich dann aber doch noch etwas:


    da gibt sich Keyes auf der einen Seite einige Mühe neue Monster zu erschaffen und in manchen Sprachresten scheint dann aber unsere Mythologie durch (Werwolf, Walküren,etc.). :gruebel: Es gibt zwar ganz am Anfang von Band 1 einen Satz der andeutet, wie das zusammenhängt (Reiseziel von V. Dare), aber dieser Punkt wird dann überhaupt nicht mehr weiterverfolgt, was die Befürchtung aufwirft, dass ich diese Passage in den falschen Hals bekommen habe. Ich wünschte mir, dass das im letzen Band dann doch noch irgendwie geklärt wird.


    Guck mal hier!

  • Zitat

    Original von gero
    Yepp, hätte ich auch vermutet, ohne das Buch gelesen zu haben.


    Grüße
    Gerd (der noch nicht genau weiß, ob er ein zweites Buch braucht, in dem es um MP geht)


    MP? Multiple Persönlichkeiten? Oder was meint ihr?
    Falls ja, Gerd, spielst Du auf "Die Leben des Billy Milligan" an? Fand ich genial, die Geschichte.

  • @moyashi & alle:
    So man will, kann man wie ich denke, Lektüren in zwei Grüppchen teilen.
    a) solche, die halt angeneh sind, und die man mag, weil sie entspannen, entlasten, unterhalten, guttun, die Seele baumeln lassen usw;
    b) solche, die zumutet, aufregt, anspannt, zum denken anregt, mit problemen konfrontiert.


    Ich gestehe immer wieder gern, dass ich ein Leser bin der zweiteres (b) mehr respektiert, auch wenn ich ersteres (b) auch sehr zu schästzen und genießen weiß.


    »Ich und die anderen« hat mir Alpträume bereitet, aber auch Trost gespendet. Dieses Buch hat mich zugleich äußetsz amüsiert und angenehm unterhalten, als auch heftig herausgefordert und verstört. — Ich interessiere mich als ›Freidenkener‹ und ›ungezwungener Philosophierer‹ selbstredent brennend für diese schwierigen Fragen nach der Art und Weise unserer, der menschlichen, Verfassung, und wie man diese beschreiben kann.


    Wiegesagt, moyashi, als leidenschaftlicher Matt Ruff-Fan wär ich sehr interessiert an Deiner genaueren Meinung zu diesem Buch, dass wohl eines nicht tut, wenn man es gelesen hat: kalt lassen.


    Ich finde ja, das Ruff hier dem Genre der ›Psycho-Fantasy‹ zuarbeitet; Fantasy, die eben von unseren Vorstellungen zur menschlichen Innenwelt ausgeht. Finde ich genauso legetim und naheliegend, wie von archaischen oder feudalen Verhältnissen auszugehen, oder von Erstbegegnungseindrpücken auf exotische Terrains.


    Grüße
    Alex / molo, voller wein und käse & dehalb erst morgen die tippfgehaler verbessern werdend. Außerdem bin ich ganz hijn und weg, weil ich eine CD mit Cthulhu-Weihnachtsliedern ausgeliehen bekommen hab und entsprechend gerührt bin.

  • *mal Molos zwei Grüppchen schnapp und sie ordentlich und sie fein säuberlich als Linie anordne*
    *grübelnd die Linie betracht*
    *die Linie nehm und sie wie ein Rollo nach oben in Richtung der nach Bedeutung suchenden Leser und nach unten in Richtung der nach Unterhaltung suchenden Leser zieh*
    *das Quadrat anguck*
    *es nach vorne und hinten zieh um auch noch die Vorbildung des Leser in Betracht zu ziehen*
    *bedenk, dass der Würfel ja für Molo ist*
    *die Seiten bunt anmal und in einzelne Quadrate unterteil*
    *Molo strahlend seinen Lektüren-Rubikwürfel zurückgeb*


    :P

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

    Einmal editiert, zuletzt von maschine ()

  • @Moya (und auch Threep)
    Ah, danke - das macht es klarer und beruhigt mich damit auch.
    Ich dachte schon,ich hätte Dich (Moya) bisher völlig falsch erlebt...
    *erleichtert die Stirn wisch*
    Huch, auf einmal ist das Buch auf meiner "muss-ich-wohl-mal-lesen"-Liste erschienen... ;)
    .
    .
    .
    *auf maschines Molo-Würfel kuck, ihn zur Hand nehm und einfach ein bisschen dranrumdreh*
    Super, damit sind die Leute nicht mehr fein säuberlich getrennt sonder lustig bunt vermischt - so wie es im wirklichen Leben oft ist... :D
    *den Würfel wieder hinstell*

    Derzeitige Lektüre: G.A.S. - Matt Ruff / Ditte und Giovanni Bandini

    Einmal editiert, zuletzt von elora ()