Buchgedanken...

  • Auch ich habe die letzten Wochen trotz oder vielleicht wegen einer recht starken Nebenhöhlen- / Mittelohrentzüngung + Angina ein paar Bücher lesen können.


    Andrzej Sapkowski - Time of Contempt

    Während Ciri weiter lernt sich mit ihrer magischen Seite auseinanderzusetzen nimmt der Druck auf die verschiedenen Königreiche von außen durch Nilfgaard immer weiter zu. Politische und magische Intrigen nehmen weiter zu, während Geralt etwas weiter in den Hintergrund rückt.


    Time of Contempt ist für mich der schwächste Band bislang. Nicht nur, weil ich kein richtiges Witcher-Feeling bekommen habe, wie noch in den 3 Bänden zuvor, u.a. weil Geralt immer weiter in den Hintergrund rückt, aber auch weil die Unmengen an neuen Charakteren (allen voran weiblich) absolut kein Differenzierungsmerkmal haben, außer der Kleider oder Haarfarbe und Länge, und da die sogar in der Regel so gut wie gar nichts tragen um ihren perfekten Körper zur Schau zu stellen, ist die Unterscheidung sowieso redundant. Während Ciri ihren eigenen Kopf und Charakter hat und auch Yennefer eine klare Person zu sein scheint, sind 95% der anderen weiblichen Charaktere schlichtweg gestörte Nymphomaninnen und dass ein Großteil des Bandes sich lediglich um politische und magische Intrigen dreht, bei denen Geralt nur blöd nebendran steht oder kaum eine Rolle spielt, hilft dem Lesegenuss des Buches eigentlich gar nicht.


    Hier und da kommt wieder etwas Witcher-Feeling zurück, besonders wenn Geralt mit Dandelion zusammen ist oder wenn die mysteriöse Hintergrundgeschichte angesprochen wird, aber diese Stellen sind einfach zu selten, sodass auch irgendwann Ciri's PoV, der sich dann zum Teil auch einfach etwas im Kreis dreht nicht mehr helfen.


    Das Buch ist keineswegs langweilig, aber für den Hauptteil der Story hätte man wesentlich weniger Seiten gebraucht, ohne etwas relevantes außer Acht zu lassen...so sind mir schon wieder viele Szenen einfach entfallen, aber wohlwissend, dass sie für den nächsten Teil keine Rolle mehr spielen werden. Auch die quasi sozialkritischen Diskussionen, die man in den Bänden zuvor noch erleben konnte scheinen hier wirklich überhaupt keine Bühne mehr zu finden, ganz zum Vorteil der vielen Zauberinnen, die eh nur Geralt an die Wäsche wollen und jeder jeden hintergeht.


    Schade, ich hoffe der nächste Band (den ich morgen beginnen werde) wird wieder besser und Sapkowski findet zu alter Stärke.


    5/10


    Gene Wolfe - Epiphany of the Long Sun (Caldé & Exodus from the Long Sun)


    Da mir die ersten beiden Bände wirklich gut und wesentlich besser gefallen haben als noch Books of the New Sun hab ich mich richtig auf diese beiden Bände gefreut.


    Wie schon erwähnt spannte sich der Plot der ersten beiden Bücher nur über wenige Tage und hatten am Ende sogar einen bemerkenswerten Twist parat und Band 3 macht auch genau in dieser Spur weiter. Ich will nicht wirklich auf den Plot der Reihe weiter eingehen, da dieser zu viele Spoiler für die vorherigen Bände beinhalten würde, demnach belasse ich es bei der reinen Bewertung.


    Hohes Tempo, interessante, unterschiedliche Charaktere und eine interessante Welt. Bis ca. Mitte des Buches, wenn diverse Charaktere in die "Tunnel" eintreten - ab hier nimmt das Buch für mich in Qualität etwas ab, da Wolfe wieder sehr stark in sein Muster von "New Sun" verfällt, viele Dinge nur sehr vage beschreibt, die eigentlich sehr relevant sind, absolute Verwirrung in Dialogen und Geschehnissen erschafft und sich vieles plötzlich eher im Kreis dreht anstelle weiter voran zu schreiten. Manche Charaktere agieren meiner Meinung nach auch z.T. stark out-of-character, nur um dem Plot plötzlich anderweitig vorwärts zu bewegen oder eine "Überraschung" einzubauen. Das fand ich schon ziemlich schade, vor allem da mir der Band bis zu diesem Zeitpunkt von allen 3 sogar am besten gefallen hat.


    Ein weiteres Problem, dass ich besonders ab Band 3 hatte waren 2 Charaktere, die mit ihrer Art zu reden und Wolfes Hang zu Kursivschrift bei zufälligen Wörtern im Satz meine innere Lesestimme immer und immer wieder durcheinander gebracht hat. Da habe ich dann teilweise nur noch den Kopf geschüttelt, weil es doch sehr nervtötend wurde. Die Einführung mancher neuer Charaktere hat dann auch nicht geholfen, die Story wieder zu straffen, bis diese dann zum Ende hin doch wieder in die richtige Bahn gekommen ist.


    Band 4 war insgesamt eine gemische Erfahrung. Einstieg gut, Ende sehr interessant, Mittelteil bleibt stet auf einem konstant ok-guten Niveau, wenn man auch vieles hätte bleiben lassen können. Besonders das große Konfliktelement, das erst in diesem Band hinzukommt und in seiner Natur als Verbündete, Feinde, unparteiische dritte Instanz, Feinde, etc. absolut unklar fluktuiert empfand ich dann doch als eher unnötig und auch für das große Ganze und dem eigentlichen Ziel der Story nicht relevant.


    Der Band endet wo man ab Band 2, vage und ab Band 3 definitiv von ausgeht und die Brücke zur nächsten Reihe ist definitiv geschafft. Hätte es einen großen Unterschied gemacht, wenn man 1/3 des Bandes einfach weggelassen hätte? Vielleicht für 2-3 Charaktere, aber ansonsten nicht. Und die letzte Seite lässt vermuten, dass selbst dieser Einfluss vielleicht gar nicht so groß war.


    Alles in allem machen viele Charaktere eine große Entwicklung durch (bei manchen sehr plausibel, bei anderen sehr merkwürdig und nicht nachvollziehbar - leider auch beim Hauptcharakter). Und nicht nur hier sondern auch in der weiteren Mythologie oder diversen Nebencharakteren wurde viel Potential verschenkt, was ich sehr schade finde, aber da diese Reihe anscheinend näher mit der letzten Trilogie verknüpft sein soll, erfahr ich vielleicht dort etwas mehr dann.


    Etwas enttäuschend, allerdings keinesfalls wirklich schlecht und defintiv besser, als der letzte Witcher-Band und eindeutig besser als die 2. Hälfte von Band 3, etwas schwächer allerdings als die erste Hälfte von Band 3 und demnach insgesamt nur minimal besser.


    Final verdict: 6,5 / 10


    Dennoch freue ich mich schon ziemlich auf die 3. Reihe des Solar Cycle, den ich nach dem nächsten Witcher-Band anfangen werde.

    "See ya in anotha life brotha!"
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    I can see your soul in the edges of your eyes. It's corrosive. Like acid.

  • A Crown for Cold Silver - Alex Marshall


    Einst hatte Zosia das Crimson Empire erobert und versucht, die soziale Ungerechtigkeit abzuschaffen, wobei ihr die Bürokratie und die Kirche aber so viele Steine in den Weg legten, dass sie aufgab, ihren Tod vortäuschte und sich zur Ruhe setzte.

    20 Jahre später kommen Soldaten in ihr Dorf und schlachten die Bevölkerung und ihren Mann ab. Überzeugt davon, dass die Königin dahinter steckt, zieht Zosia los um ihre fünf Villans (Captains) wieder zu versammeln und groß Rache zu nehmen.


    Das ganze ist nicht nur eine Rachegeschichte, es gibt noch eine übergeordnete Handlung die sich aber erst gegen Ende zeigt.

    Es dauert auch 25-30% bis (fast) alle Handlungsstränge eingeführt sind und bis die Verbindungen zwischen den Handlungssträngen klar werden.

    Der Strang von Sullen und Grandfather fällt da aber etwas ab, da braucht es am längsten bis die Verbindung klar wird und auch danach hat Sullen vergleichsweise wenig eigenantrieb.

    Das Buch hat auch ein ehr langsames Tempo und streng genommen passiert auch nicht übermäßig viel, teilweise gibt es aber von einem Kapitel zum nächsten gewaltige Zeitsprünge. Das Buch sind allgemein sehr charakterzentriert. Die Handlungsstränge laufen dann alle in einem Finale zusammen.

    Es gibt auch nicht alzu viel Action und die wird manchmal sprunghaft beschrieben.

    Was es aber viel gibt ist Humor, der ist teilweise ehr subtil, teilweise aber auch brachjal, besonders bei Maroto und seinen Dandys.


    Das Buch ist ja teilweise ziemlich schlecht weggekommen, was aber auch zu einigen Widersprüchen führt, wenn man positive und negative Kritiken vergleich.

    In der Welt spielt das Geschlecht keine Rolle und alle sind Bisexuell. Die positiven Kritiken sprechen davon, dass sie noch nie natürlicher Dargestellte LGBT Charaktere und Geschlechtergleichheit gelesen haben. Die negativen reden davon, dass Männer nur Looser und Hausmänner sind die dauernd von bärtigen Powerfrauen runtergemacht werden und regen sich darüber auf, dass Zosia angeblich bergeweise Frauen angäbt.

    Also es gibt nur einen Hausmann und der ist mit einem anderen Mann verheiratet, es gibt auch nur eine bärtige Frau, und es wird niemand diskriminiert, weil es ein Mann ist. Zosia macht sich auch nur an zwei Frauen ran und Erfolg hat sie bei keiner. Allerdings sind die wichtigsten Charaktere Frauen und es gibt keine männliche Zosia.

    Ich frag mich da wirklich ob die Leute alle das selbe Buch gelesen haben, aber das sind auch sehr emotionsgeladene Themen, hat aber trotzdem was von verzerrter Wahrnehmung.


    Mir hat das Buch ziemlich gut gefallen.

  • Andrzej Sapkowski - Baptism of Fire


    Die Reise geht weiter und setzt in diesem Band mehrere Wochen nach dem Vorgänger an. Geralt erholt sich von seinem letzten Aufeinandertreffen in der Sicherheit von Brokilon, die magische Conclave leckt seine Wunden und regruppiert sich und Ciri macht da weiter wo sie ganz am Ende von Time of Contempt aufgehört hat.


    Tja, was kann ich zu diesem Band sagen - er ist definitiv eine klare Verbesserung zum Vorgänger, aber so wirklich überzeugen konnte auch dieser Band nicht. Ich habe so das Gefühl, Sapkowski hatte keine wirkliche Story im Sinn als er begonnen hat zu schreiben, außer "Ciri ist besonders und wird von verschiedenen Gruppierungen gejagt. Geralt ist irgendwie mit ihr verbunden." Joa, und genau deswegen scheint es wohl, dass der Band kein Schritt vorwärts kommt. Verschiedene Parteien suchen Ciri schon seit Band 1 - keine Partei ist auch nur einen Schritt weitergekommen, nur Ciri befindet sich mittlerweile wo anders als in Band 1 und ist etwas besser mit dem Schwert. 90 % dieses Bandes beschäftigten sich damit, dass Geralt eine immer größer werdene Gruppe an Gefährten ansammelt, schlecht gelaunt ist und einen nach dem anderen vergrault, aber dann doch wieder zu ihnen zurück findet. Die restlichen 10 % teilen sich zwischen der neuen Zauberinnenkonklave (5 % --> der für mich schwächste Teil des Buches), Ciri (2,5 % und den bösen Nilfgaardern (2,5 %).


    Das klingt jetzt sehr negativ und ich muss zugeben, der quasi anhaltende Plot ist auch für einige Punktabzüge verantwortlich, sowie Geralts immer noch anhaltende Entwicklung weg vom Witcher hin zum unnachvollziehbar agierenden Schmollmund oder erneut des nervigen Nebenplots um die Zauberinnen. Sapkowski hat es mal wieder geschafft eine ganze Seite damit zu füllen, wie sich eine Zauberin vorstellt, das Treffen der Frauen, zu dem sie geht, sowieso nur aus nackten oppulenten Brüsten, Drogen und Orgien zwischen Nymphomaninnen und Sexsklaven besteht. Eine Seite detaillierter Beschreibung, um dann in einem Sastz zu sagen "ach nee doch nicht". Da dies einen Großteil des Vorgängerbandes gefüllt hatte habe ich hier vielleicht etwas allergischer reagiert als sonst, aber ich finde diese Repititionen von Verhaltensmustern, Sätzen, Ticks, etc. extrem nervig (spätestens seit "she was furiously tugging on her braid" Wheel of Time).


    Was hat das Buch für mich also besser gemacht als den Vorgänger? In der Tat die neuen Charaktere, die wesentlich mehr Tiefe haben als noch die 20 neuen aus dem Vorgängerband. Geralts neue Gefolgschaft ist bunt und macht Spaß zu lesen. Geralt und Dandelion kamen hier für mich sogar noch als Spaßbremsen rüber, da Geralt immer nur schmollt und Dandelion anscheinend zum hirnlosen Tunichtgut mutiert, der immer wieder den gleichen Fehler macht. Regis, Milva, Zoltan und Gefolge, Cahir,...einige interessante Charaktere, die einen schönen Lesefluss erzeugen, sodass das Buch sehr kurzweilig vorkommt. Zwischenzeitlich vergisst man sogar, dass eigentlich auf 340 Seiten gar nichts passiert. Hätte ich das Buch gestern direkt nach Beenden bewertet und nicht erst noch eine Nacht darüber geschlafen und alles nochmal durchdacht wäre es sogar besser davon gekommen, aber bei genauem Überlegen fallen dann doch die gravierenden Probleme auf.


    Von Ciri habe ich jetzt gar nicht gesprochen, einfach weil es auch hier nichts wirklich beizutragen gibt. Den Weg, den sie momentan einschlägt ist für mich gleichzusetzen mit rebellierendem Teenager ohne klare Verbindung zum Hauptplot, außer dem gewählten Namen und der Hintergrundgeschichte ihres Stammbaumes. Diese Aspekte sind nicht uninteressant, gehen aber leider in vielerlei Belanglosigkeit verloren.


    Hmm...ich bin definitiv hin und hergerissen. Der Band zuvor war definitiv weniger unterhaltsam und die Charaktere haben wesentlich weniger Spaß gemacht. Hier heben es vor allem die neuen Charaktere hoch und zu einem recht unterhaltsamen Lesevergnügen bei. Sapkowski muss jetzt aber Geralt wieder zum Witcher machen und vor allem die Hauptstory weiter vorantreiben um nicht rückwärts zu gehen.


    Gut gemeinte 6/10

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  • A Blade of Black Steel - Alex Marshall


    Es ist echt schwer etwas über den Inhalt des Buchs zu schreiben, denn im ersten Drittel sitzen die Hauptpersonen eigentlich nur rum, planen, verhandeln und streiten sich.

    Aber, der offizielle Klappentext ist irreführend, denn die Jex Toth starten nicht gleich einen Großangriff, sondern werden sehr langsam und indirekt durch Dinge wie Klimaveränderungen eingeführt.


    In dem Buch passiert wieder nicht viel, vielleicht sogar weniger als im Vorgänger und es ist eindeutig eine Überleitung zum 3. Teil.

    Das merkt man besonders am Ende, bzw. den 4 Enden, die alle ehr so wirken, als hätte man eine Zwischenstation erreicht und sind dementsprechend sehr offen.

    Es kommen aber mehr Magie, Monster und mysteriöse Figuren vor.


    Das klingt jetzt vielleicht negativ, aber es hat spaß gemacht, das Buch zu lesen und es hat mir nicht schlechter gefallen als der erste Teil, aber auch nicht besser.

  • Ah, der zweite Band... Gibt es den eigentlich auch irgendwann auf Deutsch? Geht das weiter? Hatte ich doch sehr gerne gelesen...

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


    Glen Cook - Garret takes the case

  • Hm, aber ich will doch nicht schon wieder umsteigen müssen... :( Schade, schade, wenn das nciht weitergeführt wird. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass es langweilig gewesen wäre im ersten Band... :nixweiss:

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