Historische Romane

  • Bei meiner momentanen Anfrage ging es mir tatsächlich um Geschichten, in denen das Rittertum von zentraler Bedeutung ist. Aber generell interessiere ich mich auch für gute Mittelalter-Romane ohne prominente Stellung von Rittern. Schon mal vielen Dank für die Empfehlungen, Wulfila! :daumen3:

  • meine "historische Phase" dauert länger als gedacht..ich brauche Stoff!
    bisher/in letzter Zeit gelesen und für gut befunden:
    Bernard Cornwell - so gut wie alles, bis auf die Sharpe-Serie. (bei der ich nicht weiß, ob ich den Biss für die +20 Bände haben werde..vielleicht guck ich da nur die Serie)
    Richard Harris- die Cicero-Romane und Pompeij
    Hillary Mantel- Wölfe, und Falken liegt schon auf dem Stapel
    Philippa Gregory- Red Queen/White Queen


    ich hab jetzt mit der Rom-Serie von Simon Scarrow angefangen, SPQR steht auf der Liste- gibt's noch was, was ich unbedingt gelesen haben muss?
    Meine Themen scheinen einerseits Rom, andererseits England/Tudors/Rosenkriege zu sein, falls es da noch was gibt was mir entgangen ist wär ich dankbar für einen Tipp oder zwei :)

  • Bei Römerkrimis könntest du noch die von Steven Saylor probieren, der ein bisschen "sozialkritischer" an die Sache herangeht als John Maddox Roberts (d.h., die Sklavereiproblematik spielt unterschwellig bis offen immer eine ziemliche Rolle, aber die Charaktere sind ganz gut ausgearbeitet, und das Familienleben des Helden entwickelt sich gerade in den späteren Bänden teilweise recht dramatisch weiter). Der gute Mann hat außerdem ein bisschen sehr Spaß daran, auf Cicero einzudreschen, wo er nur kann, aber das ist eben Geschmackssache und erklärt sich eben auch ein bisschen aus seiner Herangehensweise.


    Lindsey Davis dagegen ist etwas speziell (einerseits haben die Falco-Krimis teilweise ihre sehr witzigen Seiten, andererseits kann ich atmosphärisch und von der Art her, wie die Figuren gestrickt sind, beim besten Willen nicht glauben, dass das, was da abgeht, tatsächlich im alten Rom spielt. Das ist eher, als ob ein Raymond-Chandler-Epigone eine Form von rominspirierter Fantasy mit leicht pratchettesken Zügen ohne Übernatürliches schreiben würde - teilweise wie gesagt durchaus ziemlich komisch, aber m.E. nicht unbedingt historisch überzeugend).


    Wenn auch etwas Französisches in Ordnung ist: Ich fand die Marcus-Aper-Serie von Anne de Leseleuc sehr nett (ja, die angedeutete Liebesgeschichte in den späteren Bänden ist etwas kitschig, aber der Held und sein Gehilfe sind einfach ein sehr charmantes Gespann, und vom Historischen her funktioniert die Reihe m.E. ganz gut).


    Wenn du generell Romane über das alte Rom suchst, ist diese Rezensionsseite sehr verlässlich, aber wenn du Spoiler vermeiden willst, mach einen Bogen um die immer bis ins Detail vollständigen Inhaltsangaben. Meine Lieblingsrezension auf der Seite ist immer noch diese hier (über ein Buch, das ich nie gelesen habe und auch nicht lesen möchte - aber sie ist so schön komisch ...).


    Was die Rosenkriege angeht, finde ich immer noch Sharon Kay Penmans The Sunne in Splendour klasse, wenn man damit leben kann, dass die Gute mit Richard III. genau das umgekehrte Problem hat wie Steven Saylor mit Cicero (sprich: Richard ist toll! Seht das ein, Leser!) - aber es ist ein spannend gemachtes Buch. (Von ihr mag ich allerdings eigentlich When Christ and His Saints Slept noch lieber, aber das spielt im 12. Jh. und damit in der falschen Epoche für dich ;)).


    Für das Elisabethanische Zeitalter (he, immerhin späte Tudorzeit!) : Patricia Finney, alias P.F. Chisholm (unter letzterem Namen hat sie eine sehr witzige Krimiserie geschrieben, unter ersterem etwas ernster angelegte Romane).

  • P.S.: Doppelpost, da mir noch eine Warnung eingefallen ist, die ich vor Danila Montanaris Publius-Aurelius-Krimis aussprechen muss. Die sind eigentlich nicht so schlecht, aber die Übersetzung ist insbesondere bei den Namen und Fachbegriffen derart unbeholfen und falsch, dass sie nur von jemandem ohne jeglichen Funken Ahnung von der Antike erledigt worden sein kann, und das nervt beim Lesen gewaltig.


    P.P.S.: Letzte Äußerung zu Römern: Hier.

  • *notier* Danke schonmal :)


    Von den Falco-Krimis hab ich schon mal einen gelesen, war nicht so mein Fall- ich mag's schon, wenn es halbwegs authentisch zugeht. :)


    Was die Epochen angeht- ich bin da relativ offen, Rom und die Tudors waren halt bisher stark vorherrschend (wobei die Tudors langsam eh fad werden, Anne Boleyn geht mir in jeder Fassung einfach nur noch auf den Geist :D die will ich nur noch von Mantel geköpft sehen... ), die Uhtred-Serie(11. Jahrhundert, auch England) von Cornwell fand ich richtig gut.

  • Hast du schon Lawheads Hood/Scarlett/Tuck gelesen? Eine Robin Hood-Trilogie, die er ins Wales des beginnenden 12. Jahrhunderts versetzt hat, fand ich sehr faszinierend.


    Oder falls es mal was ganz exotisches sein darf: Robert van Guliks Richter Di Romane, über einen chinesischen Richter um das Jahr 700 oder so.

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Ich muss einfach mal kurz meiner Begeisterung Ausdruck verleihen: Ich lese gerade "Emperor - The Gates of Rome" von Conn Iggulden und bin hin und weg. Kurzweilig, mitreißend, spannend... Seit James Clavell hat mich kein historischer Roman mehr so gefesselt.


    Allerdings vertraue ich meinem Urteil derzeit eher weniger, da ich ziemlich gestresst bin. Was ist denn eure Meinung zu den Büchern Igguldens?

  • @ Peg:


    Wenn dir das Buch gefällt, ist doch gut. ;)


    Ansonsten ... lass es mich so sagen: Es gibt zwei Ansätze, Igguldens Emperor-Tetralogie zu lesen:


    (1) Man hat ein bisschen Ahnung von den Vorgängen und den wichtigsten Personen in der Spätphase der Römischen Republik (sprich: so ungefähr die Zeit von 100 - 27 v.Chr.). In diesem Fall sollte man Igguldens Romane als Parallelwelt-Romane lesen und hoffen, dass das einem hilft, über den freien bis vollkommen absurden Umgang mit historischen Begebenheiten und Personen hinwegzusehen. (Das ist nicht einfach, kann ich nur sagen. ;))


    (2) Man kennt sich mit der besagten Epoche kaum oder gar nicht aus. Dann kann man Igguldens Romane vermutlich locker flockig weglesen, denn farbig und actionreich sind sie ja. Man sollte sich allerdings immer mal wieder zwischendurch klarmachen: das Rom, das Iggulden beschreibt, ist nicht das historische Rom. Igguldens Gaius Iulius Caesar ist nicht der historische Gaius Iulius Caesar, weder vom Persönlichkeitsprofil her, noch, was seine Lebensumstände oder seine (engere und weitere) Familie angeht. Igguldens Marcus Iunius Brutus ist nicht der historische Marcus Iunius Brutus, etc.pp. Oder, anders gesagt: man kann aus diesen Büchern wenig bis nichts über die Lebensumstände im alten Rom, die historischen Gegebenheiten oder die diese Epoche prägenden Personen erfahren oder gar lernen. (Was nicht heißt, dass alles falsch ist. Aber es gibt in diesen Romanen so viele Dinge, die im Widerspruch zu allem stehen, was wir über diese Zeit und die entsprechenden Personen wissen*, dass die Suche nach wahren Dingen der nach der berühmt-berüchtigten Nadel im Heuhaufen gleicht.)


    * - natürlich kann man sich theoretisch immer über Quellen und ihre Relevanz streiten, aber gerade diese Epoche ist so gut dokumentiert, und die Freiheiten, die Iggulden sich nimmt, haben nichts mit Gegebenheiten zu tun, die man unterschiedlich interpretieren kann, dass ich den Eindruck habe, es war ihm schlicht egal, ob seine Geschichte - von ganz wenigen Eckpunkten abgesehen (und nichtmal da immer) - zur Historie passt. Hauptsache, er konnte sie um einen Typen namens Gaius Iulius Caesar drumrum stricken. :nixweiss:


    Andererseits - wenn dir das Buch Spaß macht, lies weiter. Guilty Pleasures können was sehr Schönes sein. ;)



    @ Sis:


    Ich wollte schon längst auf deine Frage antworten, bin aber momentan ein bisschen durch den Wind. Aber demnächst ...

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • gero : Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Um ehrlich zu sein: Mein Unwissen ist groß genug, um dennoch meine Freude an dem Buch zu haben. :schaem: Es ist aber trotzdem schade, dass die Serie als reine Unterhaltungsliteratur zu betrachten ist. Naja...

  • In der Tat ist es sehr ärgerlich, dass sich Iggulden bei so vielen einfach zu recherchierenden Dingen keine Gedanken gemacht hat. So lässt er die Flotte gen Griechenland von Ostia aus auslaufen, sodass sie Italien einmal umrunden müsste, statt von Brundisium zu starten, wie es historisch war.

  • Ich habe die Serie nie gelesen, aber nach allem, was ich darüber gelesen habe, sind Gedankenlosigkeiten und ehrliche Recherchefehler wohl noch das geringste Problem, da Iggulden sich für einen historischen Roman offenbar zu große dichterische Freiheiten herausnimmt (Stichwort Sulla, oder die Tatsache, dass Caesar und Brutus anscheinend bei ihm gleichaltrig sind, wenn die Inhaltsangaben nicht lügen). Die Sulla-Sache, über die ich in einer englischsprachigen Rezension gestolpert bin, war übrigens einer der Hauptgründe dafür, dass ich die Reihe nie zu lesen angefangen habe. ;)

  • @ Wulfila:


    Es hat schon einen Grund, warum ich da oben von Parallelweltromanen geschrieben habe. ;)

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Ich packe das mal hier rein:
    Everything You Know About Jules Verne is Probably Wrong


    Zitat

    Sadly, once inept translations like these fell into the public domain and could be reproduced free, they became the "standard" translations and can be still found in print today. (On clue that you have the bad old translation of 20K in hand is to look for a chapter titled, " From Latitude 47° 24' to Longitude 17° 28'"—which describes something impossible.)


    Faszinierend...