Lesezirkel Fritz Leiber (1): Adepten-Gambit (Adept's Gambit)

  • In diesem Thread geht es um die Kurzgeschichte Adepten-Gambit (Adept's Gambit) von Fritz Leiber, dem ersten Abenteuer von Fafhrd und dem grauen Mausling, dem wir uns mit unserem Sword-and-Sorcery-Lesezirkel widmen wollen. Ich werde morgen mit dem Lesen anfangen. In meiner Ausgabe hat die Geschichte 80 eng bedruckte Seiten. Wir können ja mal schauen, wie lange alle für die Geschichte brauchen, bevor wir festlegen, wann es mit der nächsten weitergeht. Ich werde versuchen, mir die Lesezeit einzuteilen, um besser über die Geschichte diskutieren zu können. Da wir alle unterschiedliche Ausgaben haben, nutzt es wenig, wenn man angibt, auf welcher Seite man sich gerade befindet (um Spoiler zu vermeiden). Aber zumindest diese Geschichte (Novelle?) ist ja in Kapitel unterteilt.

  • Morgen klingt gut. Ich schätze mal, dass ich knapp eine Woche brauchen werde... aber ich bin gespannt!

    If you fuck the bad guy, remember the bad guy's gonna fuck you back! (Caine)


    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


    Brandon Sanderson - Held aller Zeiten

  • Ach ist das herrlich, ein Lachen vorgesetzt zu bekommen, dass so bildgewaltig beschrieben wird. Der Anfang der Geschichte hat alles, was eine vergnügliche Geschichte benötigt. Witz, Charme und kleine, feine Figurenzeichnungen.

  • Die Lache ist sicher ansteckend, ja! Und sorgt auch dafür, dass alle sich umdrehen und schauen! ;)


    Was mir gut gefällt ist dieser direkte Einstieg: einfach mal drauf los. Trotzdem ist klar, was im Zentrum der Geschichte steht. Gefällt mir gut soweit, doch! :)

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    Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernhard Shaw


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  • Freut mich, dass es euch beiden bislang so gut gefällt. "Adept's Gambit" hat seit jeher einen besonderen Platz in meinem Herzen, und das Eröffnungskapitel spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle. Aus genau den Gründen, die ihr genannt habt.


    Interessant finde ich ja die Erwähnung der "Elder Gods" im Zusammenhang mit Fafhrds Lachen. Leiber war ein großer Bewunderer Lovecrafts, und das könnte eine Anspielung auf dessen Mythos sein. Allerdings erinnert mich die Charakterisierung dieser Götter {"observing their creature man and noting their omissions, miscalculations and mistakes"} eher noch an Lord Dunsanys "Gods of Pegana".


    Elric Der "direkte Einstieg" ist in der frühen Sword & Sorcery eigentlich der Normalfall. Da hast du praktisch nie irgendwelche langwierigen Einführungen der Helden oder des Settings. Allerdings liefert Leiber viele Jahre später dann doch Hintergrundsstories für Fafhrd und den Gray Mouser nach.

  • Hallo! Ich habe jetzt auch angefangen, bin aber noch im ersten Abschnitt.


    Was mich sofort beeindruckt, ist das ungeheuer effektive World Building auf engstem Raum. Direkt auf der ersten Seite. Personen und Personengruppen werden genannt – mit ihrem Beruf, einer Andeutung, die sie räumlich einordnen und eine Qualität oder Handlung. In diesem Absatz fange ich sofort an, im Kopf alle möglichen Verknüpfungen zu ziehen. Ich liebe das.


    Auch wie der Erzähler das Tempo variiert, finde ich toll. Am Anfang geht er schnell voran, später dann verharren wir eine habe Seite lang bei Fafhrds Lachen. Ich vermisse diese Flexibilität heute ein bisschen. Es wird heute so viel in Szenen aufgelöst, und das Verhältnis zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit variiert kaum.


    Laut lachen musste ich an der Stelle, an der Fafhrd den Mouser der „pig-trickery“ verdächtigt und der dann sagt: „And even if I should choose sorcerously to discommode your lechery, […] I do not think it would be the woman that I would metamorphose.“:ltot:

  • 1 Tyrius


    Die Geschichte beginnt, wo so viele große Abenteuer beginnen: in einer Schenke. Mit viel Witz und Wortgewandtheit, flapsig und doch elegant. So einen langen Schachtelsatz würde einem heute kein Lektor eines Publikumsverlages durchgehen lassen - leider. Es tauchen viel mehr Orte und Namen aus unserer Welt auf, als ich es in Erinnerung habe: Ägypten, Libyen, Griechenland, Sokrates.


    P. S. Meine Bestellhistorie zeigt mir, dass ich mir diesen Band mit Adeptengambit, den 2. Band aus der Edition Phantasia im Jahr 2006 bestellt habe, übrigens zusammen mit Die Gärten des Mondes. Welch schöner Kontrast zwischen einem Klassiker der Fantasy und einem modernen Klassiker. Den ersten Band dürfte ich schon früher gelesen haben.

  • Laut lachen musste ich an der Stelle, an der Fafhrd den Mouser der „pig-trickery“ verdächtigt und der dann sagt: „And even if I should choose sorcerously to discommode your lechery, […] I do not think it would be the woman that I would metamorphose

    Das liest sich in der in Übersetzung von Joachim Körber dann leider nicht ganz so elegant verschwurbelt: "Und selbst wenn ich beschließen sollte, deine Lüsternheit vermittels Zauberei abzukühlen" [...], so würde ich wohl schwerlich die Frau verwandeln."


    Und auch "Schweinezauber" klingt nicht so schön wie "pig-trickery".

  • Was mich sofort beeindruckt, ist das ungeheuer effektive World Building auf engstem Raum. Direkt auf der ersten Seite. Personen und Personengruppen werden genannt – mit ihrem Beruf, einer Andeutung, die sie räumlich einordnen und eine Qualität oder Handlung. In diesem Absatz fange ich sofort an, im Kopf alle möglichen Verknüpfungen zu ziehen. Ich liebe das.

    Was mir daran so besonders gut gefällt ist, dass Leiber dabei das Bild einer äußerst bunten, kosmopolitischen Welt heraufbeschwört. Aus gutem Grund denke ich hat er sich als Hintergrund für diese erste Novelle das Kleinasien der hellenistischen Epoche ausgesucht mit seiner wilden Durchmischung von Völkern und Kulturen. Seine Fantasy hat vom ersten Moment an einen "urbanen" Charakter.

  • 2. Kapitel: ich könnte gleich weiterlachen! Der Zauberer is so lustig getroffen... Die 7 Augen, von denen nur 6 je gesehen wurden und dieses Hick-Hack zwischen Mouser und dem Zauberer (sorry, den Namen kann ich mir nicht merken! ;) :P ) Hach ja, Klasse!


    Ich muss irgendwie - ja, ich bin versaut in die Richtung - an Goblin und One-eye von Cook denken... (und die beiden liebe ich doch sehr!)

    Was diese zeitliche Variabilität angeht, so kenne ich hier nur - wieder - Cook, der das für mich auch so hinbekommt!

    Auch dieses "was in den zwei Wochen geschah" ist ja zum Brüllen! Da möchte man doch gerne die Geschichten dazu auch hören/lesen! :D


    Ich hatte vor längerem mal die Comics vom Grauen Mauser und Fafhrd gelesen - und das fand ich schon lustig.

    Das is wirklich ein ganz toller Humor!

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  • Leibers Stil erinnert mich an einen Geschichtenerzähler auf einem Basar, der seine Zuhörer mit möglichst blumigen Umschreibungen in seinen Bann ziehen möchte. Auch in den Dialogen wie mit Ningaubel (heißt der im Englischen auch so?). Ich komme mit dem Lesen allerdings nur recht langsam voran, da meine Ausgabe wirklich klein gedruckt ist und mir am Abend irgendwann die Buchstaben vor den Augen verschwimmen, so dass ich dann zu Lektüre mit größeren Buchstaben bzw. meinem Kindle greifen muss.

  • "the woman who came when she was ready" also eigentlich kein Unterschied zum Deutschen an dieser Stelle... ;)


    Ich musste bei der Verteidigung von Tyre lachen, die Fafhrd erzählt wird... ;)

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  • Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber das mit der Belagerung von Tyros könnte ein Überbleibsel des ursprünglichen Konzeptes der Fafhrd & The Gray Mouser - Geschichten sein. Leiber wollte seine Helden anfangs Abenteuer in unterschiedlichen historischen Epochen erleben lassen, sie also quasi zu Zeitreisenden machen. Die zweite Story z.B. sollte im Rom der julisch-claudischen Dynastie spielen.

  • Ah, das mit dem Plan wusste ich natürlich nicht. Aber okay, das klang mir auch nach Zeitreisen... Wieder was neues gelernt. ;)

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