Fern und Filmsehen

  • [url=http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,462032,00.html]Cinestar und Cinemaxx boykottieren Fox-Filme[/url]
    Hoffentlich einigen die sich bis The Last King of Scotland in die Kinos kommen soll...


    Habt ihr eigentlich schon mitbekommen, dass eine Krabat-Verfilmung in der Mache ist?



    Ansonsten war ich am Samstag in Babel.
    Hm, also auf jeden Fall ein interessanter Film, der auch ein wenig zum Nachdenken anregt..allerdings ein wirkliches Meisterwerk war es meiner Meinung nach nicht, dafür fehlte einfach das gewisse etwas :gruebel:

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Ich seh auch nur ein rotes X. Vielleicht muss man erst graben, um den Typen mit dem Baseballschläger zu sehen?
    Aber warum sollte man einen böse guckenden Typen mit Baseballschläger ausgraben? :gruebel:

  • Oder man braucht einen schwingenden Baseballschläger um den böse guckenden Smilie sehen zu können....
    Was vielleicht auch erklären würde, warum Moyashi ihn sieht :D

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Hier noch ein paar Kurzkritiken zu kürzlich von mir besuchten Filmen:


    1. Apokalypto
    Also, man kann vom Menschen und Religionsfanatiker Gibson halten was man will, sein Handwerk versteht er auf jeden Fall. Ich habe selten einen so authentischen (natürlich im Verhältnis zu anderen Filmen , denn, machen wir uns nichts vor, selbst der realistischste Film ist immer noch ein gutes Stückchen von den wahren Begebenheiten, die er schildern will, entfernt) und atmosphärischen Film gesehen. Gut, die Story ist relativ simpel und die Schauspieler durchweg Laien, dafür können aber gerade die Hauptdarsteller mit Leinwandpräsens und eben Authentizität glänzen, die bei Einsatz von Hollywoodschönlingen mit alpinaweißen Zahnreihen sicherlich verloren gegangen wäre.
    Auch die vielzitierte Gewalt fällt eigentlich nicht wirklich negativ ins Gewicht, da sie wie ein natürliches Element in dieser archaischen Welt wirkt. Zumal mal gerade aus dem heutigen Horrorfilm wesentlich härtere und geschmacklosere Szenen gewohnt ist.
    Der Film lässt sich grob in zwei Teile teilen: in der ersten Hälfte wird das alltägliche und überraschend profane Leben der Indianer gezeigt, hingegen im zweiten Teil die Entführung der Dorfbewohner durch einen feindlichen Stamm und der damit verbundenen Kampf im Mittelpunkt stehen.
    Gerade in der zweiten Hälfte dreht der Film mächtig auf. Die gut halbstündige Flucht "Prankes" ist aufregend und spannend inszeniert und die abschließende Schlusspointe funktioniert prima.
    Fazit: Ein wirklich guter, geradliniger Film ohne großartige Effekthascherei, politische oder religiöse Botschaften, dafür mit überzeugenden Akteuren in einer mitreißenden Inszenierung.


    Das Ergibt 3,5 von 5 möglichen Enthauptungen



    2. Departed
    Gleich vorneweg, Departed ist mMn Scorseses bester Film seit Casino.
    Nachdem ich von den letzen beiden DiCaprio/Scorsese Zusammenarbeiten (Gangs of New York, Aviator) nicht sonderlich begeistern war, konnte mich Departed fast komplett überzeugen.
    Das liegt vor allem an der durchweg grandiosen Besetzung: Leonardo DiCaprio und Matt Damon – waren noch nie besser, Martin Sheen – wunderbar abgeklärt, Mark Wahlberg – genial als aufbrausender, emotionaler Cop, Alec Baldwin – so gut wie lange nicht mehr, Jack Nicholson….ja, Jack Nicholson – was soll man dazu noch sagen…… einfach genial. Schon allein wegen Nicholson Interpretation des psychopatischen Mafiapaten lohnt sich der Kinogang.
    Da es sich bei dem Film ja um ein Remake von Infernal Affairs handelt, folgt die Story natürlich der des Originals. Und hier liegt für Kenner des HK-Vorgängers auch der größte Kritikpunkt an Departed. Nach der wunderbaren, zwanzigminütigen Einführung der Charaktere kopiert der Film bis ins kleinste Detail den Handlungsverlauf des Originals.
    Einzig die Dreiecksbeziehung zwischen DiCaprio, Matt Damon und Vera Farmiga wurde neu hinzugefügt, wobei ehrlicherweise gesagt werden muss, dass man auf diese Überschneidung der Charaktere auch locker hätte verzichten können, da diese Liebestragödie doch seltsam oberflächlich bleibt und nicht so recht zu der sonstigen Inszenierung passen will.
    Auch am Ende hat sich Scorsese dann doch noch eine kleine, aber entscheidene Freiheit gegenüber Infernal Affairs herausgenommen. Welche, das sei hier natürlich nicht verraten, nur soviel: Auf den ersten Blick erscheint das Finale von Departet sicherlich drastischer und brutaler, bei genauer Betrachtung aber auch wesentlich moralischer und weniger zynisch als das des Originals. Mir persönlich hat die Hongkong-Variante besser gefallen, aber wie alles Andere ist das natürlich rein subjektiv.
    Positive hervorzuheben ist ebenfalls der stimmige Soundtrack (unter Anderem „Gimme Shelter“ von den Stones), der viel zur unruhigen und gefährlichen Atmosphäre des Films beiträgt.


    Zweifelsohne ist Scorsese mit Departed ein echter Glücksgriff gelungen. Ein Gangsterfilm, den man durchaus in die Nähe solcher Meisterwerke wie Casino und Goodfellas stellen kann (auch wenn er deren Qualität nicht ganz erreicht).


    Ob man nun auf das realistische, harte und breitgefächerte Departed oder doch eher auf das melancholische, ganz auf die zwei Hauptpersonen Tony Leung und Andy Lau zugeschnittene Infernal Affairs bevorzugt, ist schlussendlich reine Geschmacksache. Gesehen haben sollte man aber beide.


    Macht 4,5 von 5 verzwickten Storywendungen



    Und da ich jetzt schon wieder viel zu viel gelabert habe, hier noch ganz schnell:


    3. Little Miss Sunshine
    Über diese kleine Perle ist hier schon viel gesagt wurden und eigentlich kann ich da auch nichts essentielles mehr hinzufügen. Einfach ein schöner Film, den man sich gerade in dieser Jahreszeit nicht entgehen lassen sollte. Punkt. :D


    Macht 4 von 5 schreienden Geburtstagskindern




    Edit: Das ist doch hier der neue Kino- und Filmthread, oder ? :D

    From the fool's gold mouthpiece the hollow horn plays wasted words, proves to warn that he not busy being born is busy dying.

    Einmal editiert, zuletzt von Zoso ()

  • Zitat

    Original von Zoso
    Hier noch ein paar Kurzkritiken zu kürzlich von mir besuchten Filmen:


    1. Apokalypto
    Der Film lässt sich grob in zwei Teile teilen: in der ersten Hälfte wird das alltägliche und überraschend profane Leben der Indianer gezeigt, hingegen im zweiten Teil die Entführung der Dorfbewohner durch einen feindlichen Stamm und der damit verbundenen Kampf im Mittelpunkt stehen.


    Also erste HÄLFTE... du meinst sicher die ersten 15 Minuten, denn die restliche (wie lang ging er? Zwei Stunden oder mehr?) Zeit verbrachten die Darsteller mir bluten, entführt werden, abgeschlachtet und verfolgt werden... Länger kann diese Dorf- und Familiengeschichte unmöglich gedauert haben. Das war jedenfalls kein Film für mich. Ich hab mich zu Tode gelangweilt.

  • Hmm, meine Uhr funktioniert eigentlich ganz gut.
    Zumal schon allein die Jagdsequenz mit anschließender Männerrunde mindestens eine Viertelstunde dauert.

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  • Dann fürchte ich ist die Gefühlte Zeit dieses Film eindeutig zum Nachteil der Bohne. Jedenfalls kam mir der Anfang nur träge, der Rest dafür eeeeeeewig lange vor. Und auf die Uhr hab ich höchstens vor Verzweiflung geguckt um abzuschätzen wie lange ich wohl noch durchhalten muss. ;)

  • Na, wie gut, dass ich nicht bezahlen musste :D



    Stimmt schon, leicht zugänglich ist der Film sicherlich nicht.
    Aber mMn halt doch wesentlich besser, als er von manch einem selbstverliebten Kritiker gemacht wird.
    Apropos, hat jemand diese abstruse "Deutsche-Filmkritiker-Debatte", die aus einem Spiegel-Interview entstanden ist, mitverfolgt?

    From the fool's gold mouthpiece the hollow horn plays wasted words, proves to warn that he not busy being born is busy dying.

  • Naja, nach der "Passion Christi" beweist "Apokalypto" mir nur, dass MG irgendein Problem hat. Ob das nun die typische Verdrängungsnummer erzkatholischer Männchen oder 'ne spezielle MG-Psychose ist, ist mir ziemlich egal. Ich finde diese Blutmatsch-Orgien fragwürdig - noch viel fragwürdiger allerdings ist die Begeisterung, die solchen Filmen von einem bestimmten Publikum entgegengebracht wird (und damit meine ich jetzt ausdrücklich nicht unseren Zoso - der ist noch jung und halt noch nicht so geschmackssicher :D) und sich in "Boah, ey echt voll krass" und ähnlich dezidierten Kommentaren äußert.


    Grüße
    Gerd (der allerdings auch mit "anderen" - soll heißen: richtigen - Splatter-Filmen noch nie viel anfangen konnte ... :nixweiss: )

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Hm, um Apokalypto habe ich vor vornerein einen großen Bogen gemacht..


    Aber um nochmal auf Scorsese zurück zu kommen...vielleicht gewinnt er ja jetzt endlich mal seinen Oscar, aber andererseits...für ein Remake? Irgendwie wäre das schon ein wenig unpassend...


    Und sagen wir mal Departed ist der beste typische Scorsese Film seit Casino, Kundun und Bringing out the Dead fand ich nämlich klasse

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    Garfield (19.07.10)

  • Ich fühle mich geschmeichelt. :D


    Trotzdem, insofern ich nicht eine extrem geschnittene Version gesehen habe (was hierzulande ja gar nicht so unwahrscheinlich ist), bleibt festzuhalten: der Film ist bei weitem nicht so blutrünstig, wie es allerorts verbreitet wird. Tut mir Leid, aber da ist "der letzte Mohikaner" von Micheal Mann brutaler. Wobei ich hier aber keinen qualitativen Vergleich anstellen will. Man kann halt bloß beide Filme grobe in ein zumindest ähnliches Genre stecken.
    Außerdem ist es traurig, dass man allein aufgrund von (vorher medial hochgepuschten) Gewaltszenen einen Film bewertet oder gleich in eine bestimmte Schublade steckt.
    Und im Film wird keinerlei (zumindest nicht oberflächlich, alles andere ist eh Haarspalterei) politische oder religiöse Stellung genommen. Es wird schlichtweg dargestellt wie es war bzw. wie es hätte sein können.
    Und die abschließende Verfolgungsjadg durch den Dschungel ist aus inszinatorischer Sicht schlichtweg großartig. Und das ohne den Einsatz irgendwelche Explosionen oder Maschingewehrsalven. Einfach durch die Kamerafahrten, Blureffekte, den schnellen wilden Schnitt, sowie durch den verstärkten, aus verschiedenen Richtungen kommenden Ton und natürlich der vollkommende Verzicht auf Filmmusik. Das ist professionell gemacht und weit entfernt von der üblichen, verherrlichenden Hollywoodhochglanzoptik jüngerer Actionproduktionen, die bestimmte Publikumsgruppen ansonsten zu Äußerungen ala "Boah, ey echt voll krass" verleiten.


    Außerdem sollte man sich vor Augen halten, dass ein komplett in Fremdsprache gedrehter Film (und ohne biblische Themen) sicherlich nicht von vorneherein als kommender Blockbuster gelten konnte.
    Auch ein ähnlicher Erfolg ist keine Garantie für einen erneuerten Publikumshit (siehe Kevin Kostner: Dances with Wolfes - Waterworld, Postman).


    Was Mel Gibson angeht, ganz ehrlich, mir ist es eigentlich völlig egal, was dieser Herr in seiner Freiziet anstellt oder welches religiöse Verhalten er an den Tag legt. Insofern soetwas seine Filme nicht beeinträchtigt (was zu einem bestimmten Prozentanteil natürlich immer der Fall ist, da Filme nun einmal aus persönlichen Interessen entstehen), kann er von mir aus machen oder glauben was er will. Nur wenn solche Sachen extremen Einfluss auf einen Film haben, stößt es mich auf.
    Aus diesem Grund finde ich "die Passion Christi" auch nahezu unerträglich
    Und wen Mel Gibsons Privatleben interessiert, der muss sich halt an die hiesigen Boulevardblätter halten!



    Na toll, jetzt ist es schon soweit, dass ich den Film vehement verteidige :kopfsch:


    Edit: maschine : Stimmt, das wäre schon ein wenig unwürdig. Aber da ist Hollywood selber schuld, schließlich hatten sie oft genug die Chance (Goodfellas, Hexenkessel, Wie ein wilder Stier, Taxi Driver, Casino, ...)


    Aber der Oscar ist eh kein Indikator für einen guten Film, Schauspieler, Regisseur, etc.


    Man stelle sich bloß einmal vor: "Once Upon a time in America" hat nicht einmal eine einzige Oscarnominierung erhalten!!!


    Spätesten hier sollte man sich doch ernsthafte Gedanken machen.


    Aprospos, Ennio Morricone erhält jetzt einen Ehrenoscar *pah*
    Das ist schon fast eine Beleidigung. Wenn man sich vorstellt, was dieser man schon alles für unvergessliche Scores komponiert hat. :kopfsch:

    From the fool's gold mouthpiece the hollow horn plays wasted words, proves to warn that he not busy being born is busy dying.

    Einmal editiert, zuletzt von Zoso ()

  • Heute nacht kommen übrigens ein paar wärmstens zu empfehlende Filme im TV:


    um 23:55 kommt im MDR "Zug des Lebens", eine Komödie über die Juden eines Dorfes in Osteuropa, die versuchen der Deportation zu entkommen indem sie ihren eigenen Zugtransport organisieren (inklusive verkleideter Nazis) um so unerkannt nach Palästina zu entkommen
    ("Das Jiddische ist dem Deutschen sehr ähnlich, es ist eine Parodie des Deutschen. Du musst dir also nur das Jiddische ohne Humor vorstellen" - "Hm...wissen die Deutschen, dass wir uns über ihre Sprache lustig machen? Denkst du, dass sie uns deshalb angreifen?")


    um 1:00 läuft im WDR dann "Eins, Zwei, Drei" von Billy Wilder, mit Jimmy Cagney als gestresstem Coca-Cola-Manager im geteilten Berlin der 50er Jahre.
    Wer den Film noch nicht kennt: Gucken machen!


    um 1:25 kommt dann auch noch im Ersten "African Queen", in dem Humphrey Bogart in seiner einzigen Oscarrolle als trinkender und fluchender Flusskapitän von der Missionarin Katherine Hepburn dazu gebracht wird mit seinem altersschwachen Kahn ein deutsches Kanonenboot anzugreifen



    Leider überschneiden sich die Filme zeitlich, aber da hat man dann halt die Qual der Wahl

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    Garfield (19.07.10)