Talkin' 'bout a revolution - der Politik-Thread

  • @ Motte: Das wär auch nix für mich, kann dich vollkommen verstehen!! :alright:


    Weil es grad zum Thema paßt: Heut Mittag kam in den Nachrichten, daß der Entführer und Mörder von dem kleinen Jungen - ich weiß den Namen nicht mehr, is schon ne Weile her - auf Schadensersatz klagt (20.000,-- € glaub ich), weil er durch die Folterandrohung der Polizei nachts nicht mehr schlafen kann, Angstzustände hat und sich in seiner Persönlichkeit angegriffen fühlt.


    Hat er nach der Angst des kleinen Jungen gefragt????


    Wo leben wir eigentlich?


    (Hab allerdings nur noch den Rest der Nachrichten gehört, kommt aber bestimmt heut Abend noch in der Tagesschau)

    Stell dich immer etwas dümmer an als du bist - aber sei es nicht ;)
    - und -
    wer lesen kann ist klar im Vorteil :lesen2:
    Im Moment: Prinz Eisenherz (bin mal wieder hin und weg  :D

  • Zitat

    Original von Wulgaru
    Grundsätzlich stimme ich Kaeferl auch zu, nur in der Opfer/Täterfrage kann man meiner Meinung nach mehrere Meinungen haben...
    Und wenn man über das Niveau des Speigels lästert...Alternativen? ;)


    Da hat Wulgaru nicht ganz unrecht. Es gibt immer ein Für und Wider. Lieber Institutionen, die den Tätern helfen, ihre psychischen Probleme zu erkennen und bestenfalls zu überwinden oder doch eher die Bootcamp Variante oder härteres? Das mit der Kastration ist natürlich übertrieben -wenn auch in gewissem Maße eine verständliche Reaktion - da müsste man auch Dieben die Hand abhacken, o.Ä. und solche Praktiken gehören nunmal nicht mehr in unsere moderne Zeit. Fest steht für mich, dass sich tatsächlich etwas ändern muss, denn die Zahl der (Sexual-)Straftaten steigt kontinuierlich und dass, obwohl wir die Dunkelziffer nur erahnen können. Die Wurzel all dessen liegt allerdings nicht in der Justiz -mMn-, sondern wie Minkov schon sagte, auch in gewissen gesellschaftlichen Problemen.


    Und dass das Niveau der Presse im Allgemeinen ganz schön gesunken ist.. je nun, das ist nichts neues. Ich lese meist "Die Zeit" oder informiere mich im >seriösen< Internet. ;)


    Und meine Welt ist ganz banal schlecht. Weil ich entweder in letzter Zeit überempfindlich bin oder gewisse Leute besonders grausam.

    Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen.


    Hermann Hesse

  • Zitat

    Original von NebelvonAvalon
    Weil es grad zum Thema paßt: Heut Mittag kam in den Nachrichten, daß der Entführer und Mörder von dem kleinen Jungen - ich weiß den Namen nicht mehr, is schon ne Weile her - auf Schadensersatz klagt (20.000,-- € glaub ich), weil er durch die Folterandrohung der Polizei nachts nicht mehr schlafen kann, Angstzustände hat und sich in seiner Persönlichkeit angegriffen fühlt.


    Hat er nach der Angst des kleinen Jungen gefragt????


    Sorry, aber das ist nunmal das Prinzip eines Rechtsstaates...wenn ein Verbrechen geschieht, dann muss der Verbrecher bestraft und das Opfer entschädigt werden...egal, wer oder was Verbrecher und Opfer sind.


    Das bedeutet einerseits, dass der Entführer/Mörder für die Entführung und den Mord bestraft wird (wie das da mit Schadensersatz ist weiß ich nicht).
    Andererseits bedeutet es aber auch, dass die selbe Person ihr Recht einfordern kann, wenn ihr Unrecht geschieht...und Foltern und auch ihre Androhung ist nunmal ein Verbrechen, sogar ein Verbrechen gegen die Menschenrechte!
    Nicht ohne Grund lautet der erste Artikel unserer Verfassung schließlich "Die Würde des Menschen ist unantastbar"

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Schon richtig - aus juristischer Sicht. Aus der Sicht der Eltern aber bestimmt nicht.


    Nur, hat der Mörder und Entführer sich über die unantastbare Würde des kleinen Jungen sich Gedanken gemacht? Und jetzt soll das Land Hessen 20.000 € zahlen!


    Ich weiß, was du sagen willst, maschine!!!


    Eine Bekannte von mir ist Richterin am Strafgericht. Und sie sagt selbst: Mir sind manchmal die Hände gebunden, weil ich so urteilen MUSS und nicht wie es sein sollte.

    Stell dich immer etwas dümmer an als du bist - aber sei es nicht ;)
    - und -
    wer lesen kann ist klar im Vorteil :lesen2:
    Im Moment: Prinz Eisenherz (bin mal wieder hin und weg  :D

  • Aber wie es sein sollte ist nunmal, dass JEDER wegen an ihm begangener Verbrechen vor Gericht ziehen kann ;)


    Und wenn im Namen des Landes Hessen Verbrechen begangen werden, dann muss das Land dafür auch geradestehen :nixweiss:


    Und wieviel bzw ob überhaupt er etwas bekommt, ob er also wirklich ein langfristiges Trauma davongetragen hat, dass müssen ja dann eh erstmal die Gutachter klären.
    Aber das hat NICHTS damit zu tun, es DARF NICHTS damit zu tun haben, was dieser Mann sonst getan hat

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Zitat

    Original von maschine
    Sorry, aber das ist nunmal das Prinzip eines Rechtsstaates...wenn ein Verbrechen geschieht, dann muss der Verbrecher bestraft und das Opfer entschädigt werden...egal, wer oder was Verbrecher und Opfer sind.


    Sorry, maschine, aber dass das ein höchst theoretischer Ansatz ist, kann man schon daran erkennen, dass im vorliegenden Fall das ursprüngliche Opfer nicht entschädigt werden kann. Oder wie willst du einen Toten entschädigen?


    Zitat

    Original von maschine
    Das bedeutet einerseits, dass der Entführer/Mörder für die Entführung und den Mord bestraft wird (wie das da mit Schadensersatz ist weiß ich nicht).
    Andererseits bedeutet es aber auch, dass die selbe Person ihr Recht einfordern kann, wenn ihr Unrecht geschieht...und Foltern und auch ihre Androhung ist nunmal ein Verbrechen, sogar ein Verbrechen gegen die Menschenrechte!
    Nicht ohne Grund lautet der erste Artikel unserer Verfassung schließlich "Die Würde des Menschen ist unantastbar"


    Ach - und ein Kind zu ermorden ist kein Verbrechen gegen die Menschenrechte?


    Natürlich haben wir einen Rechtsstaat mit seinen Prinzipien - und das ist im Prinzip auch gut so. Aber rechtsstaatliche Prinzipien sind genauso ein Abstraktum wie Gerechtigkeit. Und wenn abstrakte Prinzipien anfangen, mehr zu zählen als die Menschen, zu deren Schutz und (Rechts-)Sicherheit sie eigentlich geschaffen wurden, dann stimmt etwas nicht.


    Aber dieses Beispiel beweist mMn sehr schön die Crux, die eine - nochmal: grundsätzlich absolut sinnvolle - Rechtsprechung nach unseren rechtsstaatlichen Prinzipien mit sich bringen kann. Denn ein abstraktes Prinzip fragt nicht nach dem, der es anwendet oder auf den es angewendet wird. Für mich sind aber Opfer, Verdächtige und Täter sehr unterschiedliche Personengruppen - und von meinem moralischen Standpunkt aus betrachtet sind die Alpträume des Täters eher eine "gerechte" Strafe als ein Grund, dem Burschen Schadenersatz zuzusprechen.


    Das Problem bei der vielbeschworenen Resozialisierung ist mMn, dass man so tut, als gäbe es da etwas, das wiederhergestellt werden kann. Das mag manchmal der Fall sein, manchmal aber auch nicht. Denn unsere Sozialisierung findet schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt statt, und die Denkstrukturen, die wir im Rahmen besagter Sozialisierung entwickeln, begleiten uns ein Leben lang - es sei denn, wir versuchen sie bewusst und aktiv und mit je nach dem beträchtlichem Aufwand zu verändern. Letzteres wird man jedoch nur tun, wenn man erkennt, dass die alten Denktrukturen falsch waren und in eine Sackgasse geführt haben. Bloß ... was passiert, wenn die falsche Sozialisierung zu einem Zeitpunkt oder auf eine Weise stattgefunden hat, dass Strukturen entstanden sind, die es unmöglich machen, sie als falsch zu erkennen? Wie resozialisiert man jemanden, der entweder nicht erkennen will oder erkennen kann, dass sozusagen in seiner Grundprogrammierung etwas grundlegend falsch ist? Und wie unterscheidet man die eine Gruppe von der anderen (denn diese Unterscheidung wäre wichtig für die weitere Vorgehensweise)?


    Was den o.e. Erpresser/Mörder angeht, hätte ich mal eine Frage, Cherry: Hat der Mann ein Unrechtsbewusstsein? Und wenn nein - kann man ihm dann überhaupt Unrecht tun?


    Grüße
    Gerd

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Zitat

    Original von gero
    Aber dieses Beispiel beweist mMn sehr schön die Crux, die eine - nochmal: grundsätzlich absolut sinnvolle - Rechtsprechung nach unseren rechtsstaatlichen Prinzipien mit sich bringen kann. Denn ein abstraktes Prinzip fragt nicht nach dem, der es anwendet oder auf den es angewendet wird. Für mich sind aber Opfer, Verdächtige und Täter sehr unterschiedliche Personengruppen - und von meinem moralischen Standpunkt aus betrachtet sind die Alpträume des Täters eher eine "gerechte" Strafe als ein Grund, dem Burschen Schadenersatz zuzusprechen.


    Das wäre es höchstens, wenn die Alpträume seiner Tat, seiner Verhaftung oder ähnlichem entspringen.
    Wenn die Alpträume aber daher kommen, dass ihm Folter angedroht wurde, dann ist das keine "gerechte Strafe" mehr, sondern dann resultiert das aus einem Rechtsbruch des Polizisten.
    Sonst kannst du auch den Gefangenen in Abu Ghreib sagen, dass sie kein Recht haben für die Folgen der an ihnen begangenen Folterungen Schadensersatz zu fordern, da sie ja schließlich mit Grund im Gefängnis waren und somit alles was fortan mit ihnen geschieht Teil ihrer Strafe ist...

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • *seufz*


    Es wäre möglicherweise sinnvoller (allein schon, um das Thema nicht endlos aussufern zu lassen), wenn wir bei einem Fall bzw. einer Art von Rechtsstaatlichkeit blieben. Abu Ghreib ist in diesem Zusammenhang ein Totschlag-Argument - das weißt du selbst mindestens so gut wie ich.


    Außerdem habe ich eine konkrete Frage gestellt, auf die mir eine Antwort lieber gewesen wäre als auf eine ausdrücklich auf mein moralisches Empfinden bezogene Aussage. ;)

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Bitte, bitte nicht streiten!!! Diskutieren ja, is ok. Au weia, da hab ich ja was angezettelt 8o

    Stell dich immer etwas dümmer an als du bist - aber sei es nicht ;)
    - und -
    wer lesen kann ist klar im Vorteil :lesen2:
    Im Moment: Prinz Eisenherz (bin mal wieder hin und weg  :D

  • Zitat

    Original von NebelvonAvalon
    Bitte, bitte nicht streiten!!! Diskutieren ja, is ok. Au weia, da hab ich ja was angezettelt 8o


    Aber Nebelchen... eine Streitkultur in diesem Forum ist doch völlig normal!
    Nur keine Panik, maschine und Gerd gehen sich so schnell nicht an die (virtuelle) Gurgel. :D

  • Es sind aber meiner Meinung nach die gleichen Prinzipien...jemand verliert nicht seine Rechte, nur weil er selber ein Verbrechen begangen hat :nixweiss:


    Und deine Frage geht in meinen Augen am Thema vorbei...es ist egal, ob der Kerl ein Unrechtsbewusstsein besitzt, die Gesellschaft muss eines besitzen, um jedes Verbrechen an einer Person zu ahnden


    Und wie gesagt, WENN seine Alpträume auf diese Folterandrohung zurückgehen, dann hat er durchaus ein Recht auf Schadensersatz, genauso wie auch die Eltern des getöteten Jungen (Jakob von Metzler hieß er, oder?) das Recht haben sollten Schadensersatz zu fordern (für Psychiaterkosten etc.)

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • @ Nebelchen:


    Ich weiß, was ich tue - und maschine normalerweise auch. ;)

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Zitat

    Original von gero
    @ Nebelchen:


    Ich weiß, was ich tue - und maschine normalerweise auch. ;)


    Irgendwie habe ich jetzt plötzlich das Gefühl, als wolltest du mir eine Falle stellen ^^

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Zitat

    Was den o.e. Erpresser/Mörder angeht, hätte ich mal eine Frage, Cherry: Hat der Mann ein Unrechtsbewusstsein? Und wenn nein - kann man ihm dann überhaupt Unrecht tun?


    Hat ein geistig behinderter Mensch eine Vorstellung von Menschenwürde? Wenn nein, macht es dann etwas, sie ihm zu nehmen?
    Sorry, manche Dinge sind zurecht unantastbar und bleiben es hoffentlich auch. Und man kann sie nicht verlieren und verwirken. Wenn man den bösen Männern jetzt Folter androhen darf und das ganz in Ordnung ist, muß man nur mal ein wenig an der Definition von "böse Männer" schrauben, und man ist an einem Punkt, an dem man womöglich nicht sein wollte.
    Daß jemand kein Unrechtsempfinden hat, darf nicht Recht und Unrecht im Staat aushebeln können.



    Rufe nach Gerechtigkeit und Frust, weil einem das, was der Staat dazu bietet, nicht zu reichen scheint, sind im Einzelfall schon nachvollziehbar. Und ich weiß auch nicht, wie ich in diversen Fällen reagieren würde; das sind Extremsituationen und da war ich noch nicht und traue mir kein Urteil zu.


    Aber erstens finde ich eben widerlich, wie diese Fälle von der Presse aufgebauscht werden und Emotionen schüren und ein völlig falsches Bild entstehen lassen. Denn meines Wissens ist die Kriminalität in Deutschland, vor allem auch in den schwereren Delikten, seit Jahren eher rückläufig - aber dank der Berichterstattung haben die Leute einen gegenteiligen Eindruck.
    Link
    Außerdem wird meines Erachtens andauernd Scharfmacherei betrieben, als hätten wir eine allzu schlappe Gesetzgebung - das dauernde provokante Vortragen von Extremfällen führt zu dieser Meinung und den entsprechenden Stammtischparolen.
    Ob das wirklich der Fall ist, weiß ich nicht - ich bezweifle es aber. Fakt ist, über einen Resozialisierten bzw. jemanden, der seine Zeit absitzt und das war's schreibt sich halt keine gute Story.


    Und zweitens werden immer zwei Sachen durcheinander geworfen: Das, was man persönlich in Einzelfällen für richtig halten würde (gerechte Strafe und so) und das, was der Staat tun sollte (da finde ich sehr gut, daß das von theoretischen Konstrukten und nicht von emotionsgeladenen adhoc-Reaktionen bestimmt wird). Manchmal tue ich mich recht schwer, zu unterscheiden, ob man mit "Schwanz ab" meint "ich kann nicht garantieren, daß ich als Betroffener nicht mit dem Messer antreten würde" oder "der Staat soll mal gefälligst die Messer wetzen, ist ja viel zu lasch hier".


    Was den (Un)sinn von Resozialisierung angeht - das sehe ich eigentlich nicht anders. Ich bin davon überzeugt, daß gerade in den krassen Fällen oft nicht irgendein wieder aufhebbarer "Zwang" aus Umständen irgendeiner Natur dahintersteht, sondern daß den Leuten nicht zu helfen ist.
    Trotzdem: Was soll man mit ihnen machen? Das ist das Problem eines Staates, der sich von rabiaten Lösungen verabschiedet hat. In dem Augenblick kosten auch die schrecklichsten Typen gutes Geld, und das geht unseren moralischen Vorstellungen entgegen. Das ist mir aber lieber als ein Staat, der von Anfang an ethischen Prinzipien entgegen steht.
    Gruß vom Käferl

  • Zitat

    Original von maschine
    (Jakob von Metzler hieß er, oder?)


    ja, genau!! Und der Polizeipräsident wurde suspendiert und vor Gericht gestellt, weil er durch die Folterandrohung das Leben des Jungen retten wollte.


    Der Erpresser/Mörder hatte die Lösegeldforderung gestellt, obwohl er den Jungen schon längst getötet hatte.


    So, ich sag jetz nix mehr dazu :(

    Stell dich immer etwas dümmer an als du bist - aber sei es nicht ;)
    - und -
    wer lesen kann ist klar im Vorteil :lesen2:
    Im Moment: Prinz Eisenherz (bin mal wieder hin und weg  :D

    Einmal editiert, zuletzt von NebelvonAvalon ()

  • Zitat

    Original von maschine
    Es sind aber meiner Meinung nach die gleichen Prinzipien...jemand verliert nicht seine Rechte, nur weil er selber ein Verbrechen begangen hat :nixweiss:


    Das ist schon klar. Deswegen müsste ja auch der Polizist bestraft werden / ist bestraft worden (ich weiß das nicht mehr, sorry). Wenn der jetzt Alpträume kriegt, weil ihm ins Gewissen geredet und erst dadurch klar wurde, was er getan hat - an wen wendet der sich dann? ;)


    Wir sind uns doch wohl einig, dass es unterschiedlich schwere Verbrechen gibt, oder? Und ganz generell würde ich "Mord" für ein schwereres Verbrechen als "Androhung von Folter" halten. Problematisch wird die Sache dadurch, dass besagte Androhung durch ein ausübendes Organ unseres Rechtsstaats erfolgt ist. Das war von dem Mann nicht so richtig gut durchdacht ...


    Aber ob die Alpträume des Erpressers/Mörders jetzt wirklich von der Androhung der Folter her rühren, oder ob sich sein schlechtes Gewissen meldet - das dürfte je nachdem auf einen Gutachterstreit hinauslaufen. (Und das "gerecht" war in meinem Posting deshalb in "", weil es eben nach meinem moralischen Empfinden eine gerechte Strafe wäre, im Sinne einer wie auch immer gearteten höheren (und nicht rechtsstaatlichen Prinzipien folgenden) Gerechtigkeit.)


    Zitat

    Original von maschine
    Und deine Frage geht in meinen Augen am Thema vorbei...es ist egal, ob der Kerl ein Unrechtsbewusstsein besitzt, die Gesellschaft muss eines besitzen, um jedes Verbrechen an einer Person zu ahnden


    Autsch. Das erinnert mich an die Verfechter der Kräfte des Marktes. Die Gesellschaft - das sind wir alle. Insofern kann das Unrechtsbewusstsein der Gesellschaft niemals etwas scharf Umrissenes, rechtsstaatlichen, in Paragraphen festgelegten Prinzipien Folgendes sein, sondern eher ein amorphes Etwas, das - wodurch auch immer gerade gesteuert - hierhin und dahin wabert.

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Ok, dann sagen wir der Staat muss eines besitzen (das aber halt auf Dauer nur bestand hat, wenn "die Gesellschaft", dh wir alle, es auch stützen...denn wenn sich niemand mehr findet, der der Meinung ist, man müsse die Nichteinhaltung bestimmter Gesetze verfolgen, dann werden irgendwann diese Gesetze auch verschwinden (oder zumindest nicht mehr angewandt))


    Zitat

    Und ganz generell würde ich "Mord" für ein schwereres Verbrechen als "Androhung von Folter" halten.


    Da widerspreche ich dir ja auch nicht, aber egal wie schwer die Verbrechen sind, geahndet müssen beide werden...und genauso sollte man auch für die Folgen beider Verbrechen (die Folgen (!), nicht die Verbrechen selbst) Schadensersatz verlangen dürfen :nixweiss:

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Zitat

    Original von mistkaeferl


    Hat ein geistig behinderter Mensch eine Vorstellung von Menschenwürde? Wenn nein, macht es dann etwas, sie ihm zu nehmen?
    Sorry, manche Dinge sind zurecht unantastbar und bleiben es hoffentlich auch. Und man kann sie nicht verlieren und verwirken. Wenn man den bösen Männern jetzt Folter androhen darf und das ganz in Ordnung ist, muß man nur mal ein wenig an der Definition von "böse Männer" schrauben, und man ist an einem Punkt, an dem man womöglich nicht sein wollte.
    Daß jemand kein Unrechtsempfinden hat, darf nicht Recht und Unrecht im Staat aushebeln können.


    Nur ganz kurz dazu, weil das eine Antwort ist, mit der ich eigentlich schon von maschine gerechnet hatte:


    Erst noch eine kleine Vorbemerkung: ich weiß, warum man solche Diskussionen normalerweise eben nicht in Foren führen sollte, weil da leicht Missverständnisse entstehen. Und man mit Verkürzungen leben muss. So what ... :nixweiss:


    Was den konkreten Fall angeht, wollte ich eigentlich von maschine - der ja logisch argumentiert - eine logische Lösung.


    Besagtes Sekundäropfer (nennen wir es mal so) hat ein Unrecht begangen, da dürften wir uns einig sein. Hat er gewusst, dass er ein Unrecht begeht? Wenn ja - sollte man dann nicht darüber nachdenken (nicht hier, und nicht ich oder sonstwer, sondern Leute mit deutlich größeren Köpfen), ob es sinnvoll ist, Leuten, die wissentlich und willentlich Unrecht begehen, die gleiche "Hilfe, Hilfe, mir geschieht ein Unrecht"-Tafel zugestehen wie Leuten, die kein Unrecht begehen/begangen haben? (Ich weiß um viele der Implikationen, die diese Frage mit sich bringt - und ich habe auch keine allgemeine - oder allgemein-gesellschaftliche - sondern nur eine persönliche Antwort ... :nixweiss: )


    Ich glaube allerdings, dass eine Gesellschaft, in der es zuviel gefühltes Unrecht (oder Ungerechtigkeit) gibt, irgendwann ein Problem bekommt. Nicht zuletzt deshalb wäre eine ergebnisoffene Diskussion gewisser Fragen in bestimmten Kreisen mMn sinnvoll.


    Grüße
    Gerd

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.