Fantasy und abgesägte Äste...

  • Auf das Interview, bzw. den Couch-Talk habe ich ja schon hingewiesen.
    Interessant die Antwort von Frank Weinreich im Phanta-Couch Forum.
    Ein Auszug:


    Zitat

    Aber der Fantasy die Äste absägen wird es nicht. Dann eher schon den Verlagen selbst! Warum das? Ich halte es für möglich - und dies besonders, wenn der Druck im Kreativitätskessel weiter steigt -, dass innovative Fantasy bald nicht mehr in den großen Verlagen stattfindet. Und das könnte das quo vadis für die deutschsprachige Fantasy werden.


    Wo innovative Fantasy dann stattfindet? In kleinen Verlagen und als Solonummer, so wie es die Musik gerade vormacht. Genauso wie Sängerinnen und Bands durch die grassroots des Internets bekannt werden, kann das auch in der Literatur geschehen.


    Ich brauche drei, vier gute Kurzgeschichten und Glück (okay - viel Glück), dass die effizient kommuniziert werden. Aber wenn diese Geschichten in molosovkys und drei, vier anderen Blogs sowie in einem Forum wie der Bibliotheka Phantastika gut besprochen werden, gerät eine Bekanntheitslawine in Gang. Dann brauche ich nur noch - bei gleichbleibend hoher Qualität und innovativer Kraft natürlich nur - einen ersten Roman zu schreiben und den bei BoD für 500 Euro herauszubringen.


    Naja, und das Frank auf molos Blog und uns hinweist, find ich schon toll.


    Aber davon ab, er hat Recht meines Erachtens. Ein bisschen jedenfalls.
    Das Fandom (Die Blogs /Foren) können schon ein bisschen ändern. Allerdings bezweifele ich, dass dies soviel ausmacht, wie Frank da vermutet.


    Eure Meinung?
    Können wir durch unsere kleine Propaganda viel ändern?
    Wird sich z.b. an einem Verkauf von Acacia viel ändern? Oder eines SRD?

  • Ich muss ja gestehen, dass ich mich ziemlich falsch platziert wähne, auch wenn ich es sehr nett finde, dass Frank an mich denkt und mein Blog erwähnt.


    Ansonsten: Meine Haltung zu Schablonen-Fantasy lang und breit auszuwalten erspare ich Euch.


    Grüße
    Alex / molo, der Kai Mayers Meinung am meisten abgewinnen konnte.

  • Ich glaube schon dass BP eine Rolle spielt. Allerdings wird es wohl von dem Leser an sich abhängen, ob er überhaupt erst bis dahin kommt. Wer schon immer nur gekauft hat was auf den Bestseller Listen steht oder am protzigsten aufgemacht ist, der wird wahrscheinlich nicht ins Internet marschieren um sich weitere Informationen über ein Buch zu holen. Geschweige denn eins, dass nicht so bekannt ist.


    Andererseits ist BP eine unheimliche Hilfe für alle die eben die Nase voll haben von diesen 08/15 Sachen und sich auf die Suche nach neuem begeben. An dem Punkt glaube ich tatsächlich, dass Seiten wie BP einem Buch gut tun können, auch wenn es nicht so starke Auswirkungen haben dürfte, dass dieses Buch auch plötzlich auf der Bestseller Liste landet. Wenn man sich allerdings mal die "muss ich noch kaufen" Listen mancher Forumos hier anguckt, dann steigert es den Umsatz wohl doch hier und da. ;)

  • Ich meine, daß ganz allgemein "das internet" mit seinen speziellen Foren und Seiten wichtig geworden ist und viel zum Konsumverhalten der "modernen" Menschen beiträgt. In einem anderen Thread haben wir ja neulich bereits diskutiert, daß Verlage einen großen Teil der Werbung, die eigentlich von ihnen gemacht werden sollte, gleichsam sehenden Auges auslagern und Autoren oder uns überlassen. Denn natürlich sind "wir" Werbende, wenn wir unsere Meinungen zu einem Buch oder einem Autor austauschen. Wir machen uns dann zu Multiplikatoren.
    Wie groß diese Rolle ist und inwieweit das wirklich quantifizierbar an Verkaufszahlen ist? Keine Ahnung. Zu unterschätzen ist das sicher nicht...


    Andererseits spiegelt dieses Forum oftmals nur einen speziellen Teil der Leserschaft dar. Um das mal sehr verallgemeinernd zu sagen: wir haben hier deutlich mehr Leute (die auch mehr posten), die sich eher darin gefallen, ausgefallene, experimentelle oder schlaue Fantasy zu lesen, als wir hier etwa jüngere Fans von Hohlbein, den Völker-Büchern oder ähnlichen Büchern haben. Das wiederum spiegelt mit Sicherheit nicht das hochgerechnete Konsumverhalten unserer Gesellschaft dar.
    Das ist natürlich nicht schlimm. Es wird nur dann problematisch, wenn es elitär wird, und sobald etwas in den Verdacht gerät, zu mainstreamig zu sein, verteufelt wird, samt der dazugehörigen Leserschaft. Ansätze zu solchen Diskussionen (auch mit Autoren, die sich leicht angegriffen gefühlt hatten) gab es hier ja bereits.
    Und ich denke auch, daß hier (und auch in der provokanten Ausgangsfrage der "Couch-Diskussion) der "mainstream-Völker-Literatur" Unrecht getan wird: mag sie sich auch nicht mit den Lieblingswerken der meisten von uns vergleichen lassen, in Tiefe, Sprache, Aufwand, die der Autor betrieben hat, was auch immer: wenn sie jungen Menschen quasi als "Einstiegsdroge" in das Fantasy-Genre dient, ist doch alles prima! Ich habe auch mit Hohlbein, der Drachenlante und Terry Brooks angefangen und diese Sachen entsprechen heute nicht mehr meinen Lesegewohnheiten - aber sie sind deshalb nicht "schlecht".
    Und ein ganz klein wenig konnte ich den Vorwurf, diese Völker-Sachen seine eben nicht so "schlau" usw wie unsere Heldenautorenwerke aus der Eingangsfarge vom Couch-Talk heraushören. Und das ist Quatsch! Insofern kann ich die etwas kürzer angebundene Reaktion von Herrn Busch nachvollziehen...


    Hm - vielleicht sollte ich jetzt erstmal aufhören... zuviel Infos in einem Beitrag sind meist wenig sinnvoll...


    [IMG:http://www.comicforum.de/comicforum/images/smilies/dvvico.gif]


    „Wenn wir so weiter machen, dann kommen neue Selektionsmechanismen zwischen Staaten, zwischen Rassen, zwischen Religionen, zwischen berechtigten Menschen und unberechtigten, zwischen wertvollen und nicht wertvollen Menschen, dann wird der monetäre Wert des Menschen irgendwann in den Vordergrund geschoben und dann beginnt ein neues Zeitalter der Barbarei. Das ist unausweichlich.“ Hermann Scheer in "Let's make money"

  • Zitat

    Original von TeichDragon
    Eure Meinung?
    Können wir durch unsere kleine Propaganda viel ändern?
    Wird sich z.b. an einem Verkauf von Acacia viel ändern?


    Wenn BP einen großen quantitativen Einfluss auf breite Leserkreise hätte, dann hätte wohl mittlerweile Steven Erikson die Völker-Romane von jedem Fantasy-Präsentationstisch geschubst. ;)


    Nein, ganz ernsthaft: Ich glaube, dass die anderen Recht haben, wenn sie darauf hinweisen, dass Foren wie dieses hier nur einen begrenzten Kreis von potentiellen Buchkäufern überhaupt (dauerhaft) erreichen - es gibt etwas über 400 Mitglieder hier, von denen eine beträchtliche Anzahl inzwischen Karteileichen sein dürften, und selbst, wenn man noch einen ganzen Schwung stiller Beobachter und Zufallsbesucher hinzurechnet, bleibt wahrscheinlich die Gesamtzahl von Leuten, die sich hier regelmäßig informieren, doch zu gering, als dass eine "Kauft Acacia!"-Kampagne hier dafür sorgt, dass Durhams Verkaufszahlen in astronomische Höhen schnellen...


    Gerade im deutschen Sprachraum sind Seiten wie BP samt Forum oder Blogs eben eine gute zusätzliche Informationsmöglichkeit für ohnehin schon Interessierte, schaffen aber wahrscheinlich in aller Regel keine überraschenden neuen Trends.

  • Leider muss ich Wulfila da uneingeschränkt Recht geben, auch wenn ich es ziemlich spannend (und gleichzeitig beängstigend) fände, einen solchen Einfluss zu haben. Wenn ich das richtig sehe, sind die Einflüsse zumindest von Blogs in der englischsprachigen Welt ein ganzes Stück größer (in irgendeinem Thread diskutieren wir gerade darüber). Aber hierzulande dauert das wohl noch. Wir könnten allerhöchstens Amazon mit Rezensionen fluten. Wenn jeder von uns eine zu Acacia postet, verkauft sich das Buch vielleicht besser. Aber auch da bin ich mir nicht sicher, ob das so einfach funktioniert.

    Let me tell y'all a story / More or less it's the truth / From the swamps of northern Florida / To the swamps just north of Baton Rouge
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    Lese gerade: Ray Bradbury - Die Mars-Chroniken

  • Ich glaube, ihr unterschätzt den Schneeballeffekt ;)
    Es geht ja nicht darum, aktiv und eindeutig Werbung im klassischen Sinne zu machen. Das können andere besser und es wäre auch nicht glaubhaft und dieses Forum wäre bald eine düstere Wüste. Es reicht, wenn Sachen diskutiert werden und alleine Titel und Autorennamen fallen. Allein die Kenntnis, daß es Autor XYZ gibt, hat schon einen gewissen Wert. Denn es wird kommuniziert.
    Geht man davon aus, daß von den 400 Mitgliedern 200 aktiv sind und von diesen wiederum 20 sehr aktiv, auch in anderen Foren, dann nehmen all diese Leute hier Meinungen auf und tragen diese in andere Foren und andere Kreise weiter, bewußt und unbewußt, als positive Werbung oder auch Kritik. Und natürlich ist Kritik genauso wichtig und kann für die Verkaufszahlen wichtig sein! Und plötzlich ist der Name eines Autoren, eines Buches oder einer Serie nicht mehr ganz so unbekannt und im Buchladen kommt der Wiedererkennungswert und schwupps liegt das Teil im Einkaufskorb (den es in Buchläden zwar typischerweise gar nicht gibt, aber als Metapher sei das hier mal toleriert).


    Nene, unsere Worte hier sind nicht vergebens getippt! :)


    [IMG:http://www.comicforum.de/comicforum/images/smilies/dvvico.gif]


    „Wenn wir so weiter machen, dann kommen neue Selektionsmechanismen zwischen Staaten, zwischen Rassen, zwischen Religionen, zwischen berechtigten Menschen und unberechtigten, zwischen wertvollen und nicht wertvollen Menschen, dann wird der monetäre Wert des Menschen irgendwann in den Vordergrund geschoben und dann beginnt ein neues Zeitalter der Barbarei. Das ist unausweichlich.“ Hermann Scheer in "Let's make money"

  • Kommt wohl darauf an, in welchen Bezügen man so etwas siehst.
    Ich halte es durchaus für wahrscheinlich und im Bereich des Möglichen, daß, durch B&P-Rezensionen/-Diskussionen angeregt, Menschen diesbezüglich tätig werden und sich entsprechende Bücher im Laden, bei Amazon oder wo auch immer besorgen, allerdings dürfte sich dies in für Verlage kaum relevanten Zahlen wiederspiegeln (und wer will diesen Einfluß überhaupt messen). Mit anderen Worten, die durch u.a. unser Forum angeregten Buchverkäufe dürften wohl kaum der Rede wert. Jedenfalls nicht für ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, welches in Größenordnungen von tausenden/zehntausenden Verkaufsexemplaren denkt. Da wird ein komplett andere Maßstab angesetzt.


    Bleibt aber natürlich immer noch die persönliche Genugtuung, einem anderen Menschen zu einer potentiell gelungenen Lektüre verholfen zu haben ;)


    Ich denke auch nicht, daß der unproportional niedrige Anteil der qualitativ hochwertigen (Def. kann sich jeder selbst aussuchen :floet: ) Fantasy hierzulande allein an der falschen Vermarktung bzw. Ausrichtung der Verlage festzumachen ist, die lieber auf z.B. die besser zu verkaufenden HdR-Epigonen setzen.
    Vielleicht gibt es in Deutschland einfach keine so große Leserschaft für Erikson, Durham und Co. Keine Leseratten, die da noch im Dunkeln harren und die man bloß angemessen mobilisieren müßte. Denn irgendwie bezweifle ich, daß Eragon, Harry Potter, Zwerge und Konsorten lediglich die Einstiegsdroge für komplexere Fantasy darstellt, sozusagen die Leserschaft an "erwachsene" Literatur dieser Genres heranführt (auch wenn das sicherlich manchmal der Fall ist). Oftmals wird es aber auch bei genannten Werken bleiben, egal was für ein Werbeaufwand schlußendlich von Seiten der Verlage oder der Community betrieben würde. So etwas ist zu einem gewissen Punkt sicherlich auch eine Frage des spezifischen Leseverhaltens/-geschmacks mancher Gesellschaftsgruppen.
    Ja, steinigt mich für diesen Kommentar, aber mir ist gerade danach...:neenee:


    Ich weiß nicht, aber wer wirklich interessiert an solchen Themen ist, der wird sich mit den ihm zur Verfügung stehenden Mittel schon kundig machen und früher oder später auch fündig werden. Zumal heutige Generationen gerade mit dem Medium Internet von klein auf vertraut sind und nicht erst an diese neue Form der Informationsgewinnung gewöhnt werden müssen, wie das vielleicht noch vor 10 Jahren bei interessierten Menschen der Fall gewesen sein könnte.
    Ich finde den Denkansatz irgendwie falsch, es gebe da draußen zig Menschen, die großen Gefallen an der in Deutschland leider unterrepräsentierten Fantasy aus Übersee haben würden, wenn man ihnen nur den richtigen Weg - durch übermäßige Werbung/Internetaktivität - aufzeigen würde. :nixweiss:


    Nicht, daß das unsereins davon abhalten sollte, weiterhin möglichst aufwendig die Werbetrommeln wo es geht zu rühren, aber man sollte sich da keinen großartigen Illusionen ob der Hundertschaft der unentdeckten Leserklientel hingeben.

    From the fool's gold mouthpiece the hollow horn plays wasted words, proves to warn that he not busy being born is busy dying.

  • Da ich mich gerade mit ein paar anderen Dingen rumschlagen muss, nur so viel:


    Ich stimme Zosos Einschätzung weitestgehend zu. ;)


    Später mehr -


    Grüße
    Gerd

    She struggled ever closer, her breath sleeting out in crackling plumes that sank down in sparkling ice crystals. It reminded her of her youth, the nights out on the tundra, when the first snows came, when clouds shivered and shed their diamond skins and the world grew so still, so breathless and perfect, that she felt that time itself was but moments from freezing solid – to hold her for ever in that place, hold her youth, hold tight her dreams and ambitions, her memories of the faces she loved – her mother, her father, her kin, her lovers. No one would grow old, no one would die and fall away from the path, and the path itself, why, it would never end.

  • Zitat

    Original von Zoso
    Denn irgendwie bezweifle ich, daß Eragon, Harry Potter, Zwerge und Konsorten lediglich die Einstiegsdroge für komplexere Fantasy darstellt, sozusagen die Leserschaft an "erwachsene" Literatur dieser Genres heranführt (auch wenn das sicherlich manchmal der Fall ist). Oftmals wird es aber auch bei genannten Werken bleiben, egal was für ein Werbeaufwand schlußendlich von Seiten der Verlage oder der Community betrieben würde.


    Da ist auf jeden Fall was dran. Sicherlich gibt es Menschen (so mancher hier wird davon ein Liedchen singen können), die Hohlbein, Paolini oder Heitz als Einstiegsdroge erlebt haben. Vor Jahren und Jahrzehnten habe ich auch den einen oder anderen Hohlbein gelesen. Aber die Regel ist das wohl eher nicht. Mein Eindruck ist, dass die Völkerromane das gleiche Lesersegment abdecken, welches früher von Heroic-Fantasy-Endloszyklen à la Salvatore abgedeckt wurde.


    Kai Meyer meint nun in seinem interessanten Beitrag, dass ein von innen kommender Innovator die deutsche Fantasy erneuern müsste, wie das in der angloamerikanischen Fantasy/SF immer wieder geschieht - früher durch Leute wie Moorcock, heute durch New Weird, Grim & Gritty und New Space Opera. Ich muss sagen mir fehlt der Glaube, dass es in Deutschland auch so kommen könnte. Von außen (sprich: von der Mainstream-Literatur) wird die Innovation sicher nicht kommen. Eher ist das Gegenteil festzustellen: Mehr und mehr wird Fantasy von Autoren verfasst, die nicht aus der Fantasy-Subkultur stammen. Stilelemente der Fantasy kommen langsam in der Mainstream-Literatur an, wie bereits Stilelemente des Krimis und des Abenteuerromans dort angekommen sind. In Deutschland äußert sich dies in besonderer Weise so, dass diejenigen Autoren, die nach mehrheitlichem Urteil qualitativ hochwertige Fantasy/SF schreiben (Walter Moers, Cornelia Funke, Akif Pirincci, Dietmar Dath) nicht als Fantasy vermarktet werden. Manche Leser genannter Autoren reagieren nachgerade empört, wenn man ihre Lektüre als Fantasy klassifiziert. Es wird halt in Deutschland nicht nur streng unterschieden zwischen U und E, sondern auch zwischen Genre und Mainstream. Die große Frage ist nun: Was bleibt, wenn soviel Innovationspotential an den Mainstream abgegeben wird, für das eigentliche Genre mit der daranhängenden Subkultur der Leser, Rollenspieler, Blogger und Rezensenten übrig? Noch mehr Völkerromane?

  • Zitat

    Original von Zoso
    Nicht, daß das unsereins davon abhalten sollte, weiterhin möglichst aufwendig die Werbetrommeln wo es geht zu rühren, aber man sollte sich da keinen großartigen Illusionen ob der Hundertschaft der unentdeckten Leserklientel hingeben.



    Jupp,
    meiner Erfahrung nach informiert sich kaum ein Leser irgendwo über Bücher. Die meisten Leute, die ich kenne rennen direkt in den Buchladen und nehmen dann das mit, was sie vom Klapptext oder Cover her anspricht, bzw. die Bücher von Autoren, die sie schon kennen. Vorzugsweise wird dann Material vom Wühltisch oder Aktionstisch mitgenommen.

  • Meint ihr denn nicht, dass es auch da unterschiedliches Leserverhalten gibt? Die einen greifen spontan im Buchladen zu, aber andere informieren sich sehr wohl - schätzungsweise sind es gerade jene, die mehr lesen, die sich informieren.
    Wahrscheinlich ist das Ganze eh eine Spirale: Wer im Internet bestellt und ohnehin mehr dort unterwegs ist, wird sich wohl eher im Internet über Bücher informieren. Aber wer generell nicht am Internet interessiert ist, wird diese Informationsquelle auch kaum nutzen, selbst wenn er/sie sich generell über Bücher informieren wollen würde.


    Wenn ich mich in Buchläden, Zeitschriften über Neuerscheinungen etc. umschaue, dann merke ich, dass zumindest in meiner Umgebung Fantasy generell kaum beworben wird. Da frage ich mich, wie jemand, der z.B. Hohlbein rauf und runter liest und mangels Information bei Altbewährtem bleibt, überhaupt über anderweitige evtl. "hochwertigere" Bücher stolpern soll, wenn kaum welche im Laden ausliegen außer denen, die sich eben gut verkaufen. Die Frage ist halt, ob sich weniger beachtete Bücher nicht besser verkaufen würden, wenn sie besser beworben und in die Läden gebracht werden würden ?(
    Mir jedenfalls geht es so, dass ich als Bücherwurm inzwischen aufs Internet zurückgreife, und von den meisten neuen Bücher, über die ich nicht zufällig (oder über Amazonempfehlungen) stolpere, erfahre ich entweder hier im Forum oder gleich persönlich über Freunde. Sonst säße ich ziemlich auf dem Trockenen ...


    Eine Frage hätte ich da noch: Wahrscheinlich bin ich naiv, wenn ich das glaube, aber sollte es denn nicht die Vielfalt und das Angebot erhöhen, wenn sich mehr Verlage auf dem Markt tummeln, die Fantasy im Programm haben?

  • Zitat

    Original von Seyra
    Wenn ich mich in Buchläden, Zeitschriften über Neuerscheinungen etc. umschaue, dann merke ich, dass zumindest in meiner Umgebung Fantasy generell kaum beworben wird. Da frage ich mich, wie jemand, der z.B. Hohlbein rauf und runter liest und mangels Information bei Altbewährtem bleibt, überhaupt über anderweitige evtl. "hochwertigere" Bücher stolpern soll, wenn kaum welche im Laden ausliegen außer denen, die sich eben gut verkaufen. Die Frage ist halt, ob sich weniger beachtete Bücher nicht besser verkaufen würden, wenn sie besser beworben und in die Läden gebracht werden würden ?(
    Mir jedenfalls geht es so, dass ich als Bücherwurm inzwischen aufs Internet zurückgreife, und von den meisten neuen Bücher, über die ich nicht zufällig (oder über Amazonempfehlungen) stolpere, erfahre ich entweder hier im Forum oder gleich persönlich über Freunde. Sonst säße ich ziemlich auf dem Trockenen ...


    Meiner Beobachtung nach sind die von dier "Mangelinformierten" aber die große Masse.


    Das Problem mit der Werbung ist aus meiner Sicht: Wie an den Mann bringen? Ich sehe im allgemeinen sehr wenig Buchwerbung. mal abgesehen von dem was in den Buchhandlungen auf den Tischen liegt oder an Prospekten rausgegeben wird.
    Selbst mit den Prospekten für Neuerscheinungen ist das so ne Sache: in den meisten Buchhandlungen in Nürnberg liegen die nirgends aus, man muss erst einen Verkäufer fragen.
    Ich hab das Gefühl, dass man Buchwerbung/-empfehlung nur auf Nachfrage bekommt.

  • Zitat

    Original von Bohemé
    Meiner Beobachtung nach sind die von dier "Mangelinformierten" aber die große Masse.


    Das Problem mit der Werbung ist aus meiner Sicht: Wie an den Mann bringen? Ich sehe im allgemeinen sehr wenig Buchwerbung. mal abgesehen von dem was in den Buchhandlungen auf den Tischen liegt oder an Prospekten rausgegeben wird.
    Selbst mit den Prospekten für Neuerscheinungen ist das so ne Sache: in den meisten Buchhandlungen in Nürnberg liegen die nirgends aus, man muss erst einen Verkäufer fragen.
    Ich hab das Gefühl, dass man Buchwerbung/-empfehlung nur auf Nachfrage bekommt.


    Ja, das sehe ich auch so ...
    Wobei diese ganzen Broschüren mit Neuerescheinungen etc. ja schon einmal gut sind (so sie denn im Laden sichtbar ausliegen). Aber es stimmt, außerhalb von Buchläden selbst stößt man kaum auf Buchwerbung - aber warum eigentlich? Aus der Zeitung, die meine Familie liest, fallen täglich Werbung für Autos, Lotto, Kleiderfirmen, Baumärkte, Lebensmittelgeschäfte, Rossmann ... warum nicht hin und wieder eine Buchbeilage?
    Da fragt man sich, ist Werbung für Verlage generell uninteressant? Bringt sie doch nichts ?(


    Davon abgesehen, dass Literatur an sich es verdienen würde, mehr beworben zu werden: Vielleicht denke ich da zu optimistisch, aber ich glaube schon, dass so einige Leser von Völkerromanen etc., was eben gerade so aktuell ist, auch bereit und neugierig wären, etwas anderes auszuprobieren, wenn sie die Gelegenheit hätten, reinzulesen (und zwar nicht übers Internet sondern eben spontan im Laden). Und vor allem, wie soll man etwas kaufen, von dessen Existenz man nicht weiß?

  • Zitat

    Original von Seyra
    Aber es stimmt, außerhalb von Buchläden selbst stößt man kaum auf Buchwerbung - aber warum eigentlich? Aus der Zeitung, die meine Familie liest, fallen täglich Werbung für Autos, Lotto, Kleiderfirmen, Baumärkte, Lebensmittelgeschäfte, Rossmann ... warum nicht hin und wieder eine Buchbeilage?
    Da fragt man sich, ist Werbung für Verlage generell uninteressant? Bringt sie doch nichts ?(


    Wobei es da aber auch auf die Zeitung(sart) ankommt. Zum Beispiel kenne ich das vom Spiegel so, dass dort die großen Verlage durchaus in einer spaltengroßen Anzeige ihre Neuerscheinungen (bzw eine Auswahl) bewerben (und ich meine mich zu entsinnen, dass da auch ab und an Fantasy bei war, zB ein neuer Pratchett - aber ich habe den Spiegel schon länger nicht mehr gelesen), und auch in der Zeit werden eigentlich immer ein paar Bücheranzeigen geschaltet (und auch hier ist ab und an Fantasy mit dabei, wenn auch meist aus den Randgebieten, so dass man es nicht als reine Fantasy verkaufen muss *g*) und diese Woche war sogar ein Jokers-Prospekt mit drin.
    Andererseits haben Spiegel und Zeit natürlich auch andere Zielgruppen als die örtliche Tageszeitung, da lohnt sich das dann vielleicht eher.

    Sometimes it seems like there isn't enough time in the day to not do all the things that need not doing
    Garfield (19.07.10)

  • Zitat

    Original von Seyra
    Eine Frage hätte ich da noch: Wahrscheinlich bin ich naiv, wenn ich das glaube, aber sollte es denn nicht die Vielfalt und das Angebot erhöhen, wenn sich mehr Verlage auf dem Markt tummeln, die Fantasy im Programm haben?


    Jain...


    Zum einen werden die Verlage natürlich auch immer mal den einen oder anderen Versuchsballon starten. Allerdings wird man sich hauptsächlich auf das konzentrieren, was sich verkauft.


    Und das sind nun mal "DIE ORKS", "DIE ELFEN", "DIE OLIFANTEN", "DIE Irgend-Eine-Tolkien-Rasse-Oder-Viecher-Hier-Einfügen". Oder der aktuelle Trend wie "Romantasy" (Siehe Biss zum Abendbrot und ähnliches...).
    Von daher erwarte ich keinen Quantensprung nur weil immer mehr Verlage mehr Fantasy machen. Eher "More same, more same!". Was ja kein neues Phänomen ist.


    Obwohl natürlich trotzdem die Chancen steigen, dass auch das, was abseits des Verkaufserfolges ist, mal aufgelegt/übersetzt ist.


    Zurück zum Thema:
    Ich vermute auch nicht, dass wir durch unser Forum jetzt hunderte/tausende oder mehr an Lesern zu "anderer" Fantasy bringen. Obwohl ich schon ein gewissen darin sehe, wenn sich nur eine Person die hier mitliest/mitmacht, auch mal Sachen liest, die schon alt/unbekannt/nicht-so-beworben ist. Kleine Schritte sind ja auch Erfolge. ;)

  • Fantasy ist im Moment ein Hype und wenn Hypes eine Eigenschaft haben dann dass sie genau so schnell wie sie kamen auch wieder verschwinden.


    Die ganzen "Mitläufer" die jetzt nach HdR, Harry Potter und Eragon die Fantasyauflagen in ungeahnte Höhen treiben werden wenn nicht bald was gerade passendes neues kommt dass die Lücke füllt auch schnell wieder verschwinden. (Und der Markt ist da nicht sehr geduldig)
    Und damit wird auch die Zeit als die Völkerromane erfolgreich waren zu Ende sein.


    Wenn es soweit ist und Fantasy sich wieder in seine Nische zurückzieht dann steigt auch - prozentual gesehen - wieder der Anteil der "Elite"-Fantasy und auch der Einfluss von Szeneseiten und Blogs (wie andere schon sagten glaube ich da auch schon an einen Schneeballeffekt). Hunderttausende sicher auch dann nicht, aber wie gesagt, das Genre als solches wird wieder kleinere Brötchen backen und der Anteil wird eben dadurch höher.


    Naja, das ist meine uninformierte Prognose :D

  • Zitat

    Original von Thjolvar
    Die ganzen "Mitläufer" die jetzt nach HdR, Harry Potter und Eragon die Fantasyauflagen in ungeahnte Höhen treiben werden wenn nicht bald was gerade passendes neues kommt dass die Lücke füllt auch schnell wieder verschwinden. (Und der Markt ist da nicht sehr geduldig)
    Und damit wird auch die Zeit als die Völkerromane erfolgreich waren zu Ende sein.


    Meinst du wirklich, dass die Tolkien-Völker-Romane unbedingt viel mit Harry Potter und Eragon zu tun haben? Das sehe ich eher als zwei gesonderte Phänomene. Einerseits sind da eben diese doch eher an Elementen "klassischer" Fantasy (sprich: Tolkien) orientieren Zwerge, Orks und dergleichen mehr, andererseits gibt es die "All-Ages-Schiene", die durch Eragon & Co. einen guten Schubs bekommen hat. Und "Harry Potter" läuft irgendwo außer Konkurrenz; wenn die Reihe da etwas getan hat, dann vielleicht, Fantasy etwas mehr in den allgemeinen Blickpunkt zu rücken, aber einen direkten literarischen Einfluss auf die Völker-Romane vermute ich eher nicht...

  • Sehe ich ähnlich. Leser von Rowling, Colfer, Pullman, Funke oder auch Paolini werden Fantasy als Genre vermutlich häufig nicht mal wahrnehmen. Es hat schon seinen Grund, warum die im Buchladen meist in einer gesonderten Ecke stehen. Leser von Völkerromanen sind vermutlich eher die, die schon immer Heroic Fantasy gelesen haben.

  • Zitat

    Original von Wulfila
    Meinst du wirklich, dass die Tolkien-Völker-Romane unbedingt viel mit Harry Potter und Eragon zu tun haben? Das sehe ich eher als zwei gesonderte Phänomene. Einerseits sind da eben diese doch eher an Elementen "klassischer" Fantasy (sprich: Tolkien) orientieren Zwerge, Orks und dergleichen mehr, andererseits gibt es die "All-Ages-Schiene", die durch Eragon & Co. einen guten Schubs bekommen hat. Und "Harry Potter" läuft irgendwo außer Konkurrenz; wenn die Reihe da etwas getan hat, dann vielleicht, Fantasy etwas mehr in den allgemeinen Blickpunkt zu rücken, aber einen direkten literarischen Einfluss auf die Völker-Romane vermute ich eher nicht...


    Indirekt - ja.


    Sicherlich haben Harry Potter und Eragon nochmal ihre ganz eigenen Schienen losgetreten bzw laufen im Prinzip losgelöst vom Kreaturenphänomen dass ja ganz klar von dem HdR Boom ausgelöst worden ist.


    Aber - auch wenn viele Leute die die Tolkienwelle toll fanden jetzt mit HP und Eragon selbst nichts anfangen können, der Medienrummel sorgt dennoch dafür dass Fantasy auch bei den Hobbylesern weiter ein fester Begriff im Bewusstsein bleibt. Davon profitieren denke ich schon auch sehr stark die Völkerromane. Wenn Fantasy allgemein aus dem Medienbild wieder verschwindet dann werden die Völkerromane mMn darunter sehr stark zu leiden haben.


    Es kommen dann eben kaum noch neue Leser hinzu. Die Diskussion was mit denen die bei den Völkerromanen einsteigen weiter passiert ist ja nochmal nen Thema für sich^^ Um es kurz zu machen mMn: Da kommt irgendwann ein Punkt der Sättigung und dann wenden diese Leute sich entweder komplett von Fantasy loslösen oder tiefer in die Szene einsteigen. Aber ich denke es ist nicht schwer vorzustellen dass die erste Gruppe deutlich überwiegt.
    Und wie gesagt nochmal zusammenfassend, wenn dann nichts neues nachkommt ist Schicht im Schacht :)