Beiträge von EX-MITGLIED (molosovsky)

    Bei einem potentiell sooo heiklem Thema wie der Darstellung von Sex, Geschlechterrollen, -beziehungen und -kämpfen ist es durchaus verständlich, wenn ein Teil der Beitrage daraus besteht, dass jemand seine Nichtbeteiligung verkündet.
    Freilich ist das — leider — auch ein wenig entmutigend. Ich kann aber verstehen, wenn man vorsichtigerweise ( oder aus anderen Gründen) vermeiden will, in Fettnäpfchen zu treten, oder sich in Auseinandersetzungen zu begeben, die als unangenehm empfunden werden.


    Grüße
    Alex / molo

    Bin vorgestern irgendwie über den jungen Engländer Felix Gilman gestolpert, habe sein »The Half-Made World« angelesen und gleich als günstiges eBook geangelt. Ganz heißer Tipp für alle, die nach einer kräftigen Mischung aus Wild-West und Fantasy suchen. Ich habe nun ein Viertel hinter mir und bin hin und weg.


    Es stehen sich gegenüber: ›the Line‹ (dienen dämonischen Eisenbahnmaschinen und verbreiten Industrie, Ordnung, Ausbeutung, Pharmazie und gieren nach Treibstoff) und ›the Gun‹ (seltsame Dämonen die sich über den Raum hinweg in Feuer-Beschwörungen bereden und in Pistolen hausen, deren Träger dann über Superkräfte verfügen; allesamt aber ziemlich anachrische und bluthungrige Knilche und Knilchinnen). Zwischen den Fronten haben einst die Leute von der Red Valley Republic versucht, einen dritten Weg zu finden, wurden aber aufgerieben.


    Bisher gibts drei Hauptstränge: eine verwitwete Psychologin aus dem friedlichen Osten mit ihrem großen, starken und etwas zurückgebliebenen Patienten. Ein Gun-Man der Sorte alter verlebter Lebenskünstler der sich einige Jahre aus allem rausgehalten hat um sich Suff, Weib und Kartenspiel hinzugeben. Ein Linien-Beamter der stets seinen Stolz zu zähmen trachtet und von der behüteten Bürowelt an die Front und noch weiter hinaus abbeordert wird. Alle drei sind in Richtung einer unter dem Schutz eines Eingeborenengeistes stehenden Heilanstalt ganz im Westen, zum Rande der Welt unterwegs, wo eben noch Götter und andere höhere Wesen in der ungeformten Frontierlandschaft strotzen. Ein Patient mit zersprungenem Geist hat vermutlich heikle Infos über den Ursprung sowohl von ›Line‹ und ›Gun‹ und wie man beide überwinden kann (oder einfach nur Wissen über eine Superwaffe … bisher weiß keiner genaues).


    Extrem gut geschrieben: stellt Euch eine Mischung aus opulenter Fantasy-Epic mit trockener Western-Lakonik vor. Könnte auch sagen: ›grim und gritty‹ ist die grobe Richtung, jedoch mit feiner weiblicher Hauptfigur, so manchem deutlichem politischen Unterton und frei von Sex- und Gewalt-Effekthascherei. Aber derb geredet und gedacht wird ab un an.


    Auch die andere Reihe von Gilman — die ›Ararat‹-Romane — klingt interessant.


    Grüße
    Alex / molo

    Ich finde das Thema auch interessant und freue mich, dass es einen eigenen Thread dazu gibt.
    An dem unglücklich verlaufenen PingPong im anderen Thread habe ich mich nicht beteiligt, war aber (wieder mal) erstaunt, wie schnell die Mischung aus verbal gallopierenden Erregungen und mangelndem kühlem Lesen selbiger dazu führt, dass nix Gescheites und Interessantes besprochen werden kann. — ( <-- Abgesehen von meinem Zeitmangel ein Nebengrund, warum ich mich hier nur noch selten und wenn, dann kurz melde.)


    Die Sache an sich — Darstellung von Sex, Erotik Geschlechterbeziehungen, -rollen, -kämpfe, usw in der Fantasy — wäre es wert, dass die Leuz sich genauer darüber austauschen.


    Folgendes als Anregungen.


    Über ›Goodreads‹ habe ich Felicia Days ›Vaginal Fantasy Bookclub‹ entdeckt und finde es als Mann sehr amüsant, lehrreich und bezaubernd, wie dort einmal im Monat vier kluge Frauen über romantische Fantasy-, SF-, Horror- und Paranormal-Bücher klönen. Bücher werden da unter anderem ganz pragmatisch danach bewertet, wie viel gute ›sexy times‹ in ihnen vorkamen. — Kann die Hangout-Videos empfehlen. Bisher gibt es:
    1 — Kaylana Price: »Grave Witch«
    2 — Deanna Raybourn: »Silent in the Grave«
    3 — Nalini Singh: »Slave to Sensation«
    4 — Meljean Brooks: »The Iron Duke«
    5 — Linnea Sinclair: »Gabriel’s Ghost«
    6 — Jacqueline Carey: »Kushiel’s Dart«
    7 — Eloisa James: »Desperate Duchess«
    8 — Rachel Caine: »Ill WInd«
    9 — Carrie Cuinn (Hrsg): »Cthulhurotica«
    10 — Maria Snyder: »Poison Study«
    (Es gibt jeden Monat auch noch einen alternativen Titel, die hier aufzulisten mir nun zu viel Arbeit war.)


    Bei Goodreads habe ich mich zudem im Sommer unter den Büchern der Genre-Schublade ›Vaginal Fantasy‹ umgesehen, und mir dann als englisches Kompletthörbuch »Magic Lost, Trouble Found« von Lisa Shearin (Band 1 der Raine Benares-Serie) besorgt. (Könnte auch auf dem deutschen Markt gut gehen, könnt ich mir vorstellen).


    Fand ich sehr amüsant, vielleicht auch, weil es laaaaange her ist, dass ich derartige Prosa verkostet habe. Da aber Shearin eben keine reine Schmachtschnulze liefert, sondern einen mit Fantasy-Magie-Thriller-Intrigen-Äktschn vermischten Schmachtfetzen, macht das ganze ordentlich Laune, liest sich flott weg, und war zumindest für mich als Männchen eine erfrischende Abwechslung. — Richtige ›sexy times‹ gibts im ersten Band noch noch nicht, aber immerhin weibliche Voyeursblicke auf schlafende nackte Magierelfen, sowie mancherlei ›lustvolle‹ Gedankenspiele beim Betrachten diverser Männerkörper (es werden halt unterschiedliche Arten von ›Hengsten‹ begutachtet: der der edle aber langweilige Beschützer, der zwielichtige aber charmante Ganove usw).




    Ich persönlich finde es sehr spannend, zu verfolgen, wie gerade auf dem Gebiet der populären Phantastik-Genre mittlerweile viele (wenn nicht mehr als Männer-orientierte) Frauen-orientiere Sex- & Romantik-Stoffe gibt.
    Mal frech polemisch: Für jede geile Fee eines Rothfuss’ gibt doch derzeit mindestens zwei Edwards :-)
    Oder?


    Grüße
    Alex / molo

    Schande über mich! Ich hab den Smilie vergessen.
    Da aber die Rückblenden mit Ich-Erzählerstimme geschildert werden, und nahegelegt wird, dass das der Text ist, der ›diktiert‹ wird, nehme ich mir die Freiheit die Proportionen der Konstruktion zumindest fragwürdig zu finden.


    Grüße
    Alex / molo

    Die Königsmörder-Chroniken kann man doch allein schon wegen ihrer Länge nicht ernst nehmen.
    Da sind die Bände aufgeteilt in die Tage, welche eine Figur braucht, die ganze Geschichte zu erzählen.
    Guck ich dann auf die englischen Komplett-Hörbücher seh ich, dass Band 1 um die 28 Stunden lang ist, und Band 2 sogar um die 44 Stunden.
    Nee-nee, die Rechnung geht so gar nicht auf.


    Grüße
    Alex / molo

    Mir ist schon klar, dass Serienwerke für Am-Stück-Leser zuweilen mit lästigen Infowiederholungen nerven.
    Ich lege deshalb die kleine Mühe des Darüber-Hinweg-Lesens auch nicht dem Autor zur Last, sondern mokkiere mich ganz allgemein über diese Eigentümlichkeit, die ja eine Form-konvention ist.


    Grüße
    Alex / molo

    So, feddich mit Durhams »Acacia 2: The Other Side« und seit Vorgestern gehts bei mir weiter mit Band 3 »The Sacred Band«.
    Zu Beginn von Band 3 zum ersten Mal Ermüdungserscheinungen, weil mir in den ersten paar Kapiteln doch einige Redundanzen auf den Wecker gingen. Habe also, was ich sonst bei Romanen nicht mache, schon mal Absätze nur überflogen und quergelesen. — Doch abgesehen von dieser für Serienwerke typischen Konventionen (Infos zu wiederholen) finde ich die Trio weiterhin sehr gelungen.


    Grüße
    Alex / molo

    Irgendwas macht der David Anthony Durham richtig, denn mit "Acacia 1: The War of the Mein" bin ich durch und lese nun direktemang "Acacia 2: The Other Lands" weiter (und bin schon halb durch).
    Jetzt fetzt auch mehr Magie (und mehr Monster) durch die Story und den Weltenbau, als in Band 1. Und weiterhin gefällt mir ausgesprochen gut, wie nüchtern und (für Epic- / High-Fantasy) gerafft Durham erzählt. Da passiert viel, fühlt sich aber gar nicht so an. Werde wohl bis zu meinem nächsten geplantem Buch (Jesse Bullingtons "The Folly of the World" im November/Dezember) mit der "Acacia"-Trio fertig werden.



    Außerdem nach langer Zeit mal wieder gewagt, mit etwas von Tad Williams anzuschaffen, und zwar den ersten Band seiner neuen "Bobby Dollar"-Reihe, als Komplett-Hörbuch auf Englisch. Gefällt mir bisher ganz gut, den Williams versucht sich hier an soetwas wie einem (für seine Verhältnisse) Hard Boiled-Urban Fantasy-Krimi. Sprich: er wandelt auf den Pfaden von z.B. John 'Hellblazer' Constantine. Entsprechend derb ist die Sprache zum Teil (für Williams'sche Verhältnisse), was mir taugt. Zudem ist der Roman nicht so dick, und ich darf also hoffen, dass "The Dirty Streets of Heaven" frei ist von den Geschwätzigkeits- und Weichspühl-Eigenheiten, die mich bei den *großen* Williams-Werken wie "Drachenbeinthron" und "Otherland" no genervt haben.


    Grüße
    Alex / molo

    Ich war brav und habe auf Geros Rat vom BuCon gehört und mir David Anthony Durhams »Acacia I: The War With The Mein« als eBook besorgt und bin mittlerweile muntere 200 Seiten weit drin.
    In der Tat: groß angelegte Fantasy ohne Larifari-Faktor. Gefällt mir ausgesprochen gut.


    Grüße
    Alex / molo

    Mal kurz vorbeischauen, um zwei frische Buch-Empfehlungen zu verlinken.


    Lawrence Norfolk: »Ein Nashorn für den Papst« — Historischer Roman, der aber stellenweise so ungewöhnlich gemacht ist, dass er schon fast als Phantastik durchgehen könnte. Braucht aber viel Geduld. — Nebenbei: Wer neugierig ist auf Lawrence Norfolk, dem rate ich, sich seinen bald auf Deutsch erscheinenden vierten Roman anzuschauen. Der ist am zugänglichsten.


    G. Willow Wilson: »Alif the Unseen« — Gibts derweil nur Englisch. Autorin ist Amerikanerin, die zum Islam konvertierte. Schreibt die Comic-Serie »Air« für Vertigo DC. »Alif the Unseen« ist ihr Roman-Debüt. Dolle Verquickung von Urban Oriental Fantasy mit Hacktivist/Computer-Thriller. Locker, flockig, geistreich, politisch wach und außerdem auch noch romantisch (so mit Augen-Erotik wegen Schleier).


    Grüße
    Alex / molo

    Heisser Tipp für die »Game of Thrones«-Freunde. Wer die DVDs (oder Blue Rays) hat sollte sich den Audiokommentar zu Folge 3 (»Lord Snow«) gönnen. Die beiden jungen Darstellerinnen der Stark-Töchter, und der Bub, der den kleinen Stark-Sohn spielt, brillieren im Mitdudeln der Titelmusik.


    Grüße
    Alex / molo

    Wie so oft, pflege ich auch beim Western eine ziemlich weite Genre-Sicht (gibt ja immerhin Leute, für die "40 Wagen Westwärts" KEIN Western ist, oder für die auch Italo-Western nicht wirklich kanonisch sind).
    Also für mich gehören auch solche Stoffe wie "No Country for Old Men", "From Dusk Till Dawn", "Brokeback Mountain" (und die anderen Wyoming- & Panhandle-Geschichten von Proulx) zum Western-Genre.
    Auch die Clockwork-Century-Romane von Cherie Priest reihe ich bei Western ein (auch wenn der erste Roman "Boneshaker" in San Francisco spielt).


    Wegen Erhältlichkeit von Lansdales "Jonah Hex".
    Dert zweite Fünfteiler, "Riders of the Worm and Such" ist derzeit z.B. bei amazon.co.uk für schlappe 5 Pfund zu haben.
    Von der ersten Quintologie, "Two Gun-Mojo", gibts ein Trade, auch wenn dafür zum Teil horrende Preise verlangt werden.


    Grüße
    Alex / molo

    Kurz gestöbert, folgendes (vieles davon hier) gefunden:


    »Zeppelins West« von Joe R. Lansdale (Buffalo Bill mit Steampunk).
    »Territory« von Emma Bull (Western mit Magie).
    Die ›Mad Amos‹-Geschichten von Alan Dean Foster.
    Die ›John the Balladeer‹-Geschichten von Manly Wade Wellman (auch ein wichtiger Einfluss für ›Hellboy‹).
    »The Complete Chronicles of the Jerusalem Man« von Dabid Gemmell.
    »Rapunzels Revenge« von Shannon Hale (Rapunzel im Wilden Westen).
    »The Devil's Engine« und »The Devils Tower« Mark Sumner.
    »Shadow on the Sun« von Richard Matheson (Western-Horror-Fantasy).



    Comic:
    »Jonah Hex«, ich beschränke mich auf die von Joe R. Lansdale geschriebenen Stories.
    »Preacher« von Garth Ennis & Steve Dillon.
    Ein Trailer zur »Caliber«-Reihe von Sam Sarker und Garrie Gastonny.


    Nützlich ist auch dieser englische Wiki-Eintrag zum Lemma »Weird Western« (zu dem Genre gehört laut dortigem Eintrag auch sowas wie »Zurück in die Zukunft III«).


    Grüße
    Alex / molo

    "Buecherwyrm" schrieb:

    @Sis:
    Wo gibt es denn bei "Blade Runner" eine Virtual Reality? Der Film atmet natürlich Cyberpunk, aber VR sucht man da vergebens (gibt es ja auch nicht in der Vorlage "Do androids dream of electronic sheep?").


    Wenn Du mir erlaubst, dass ich den Begriff ›Virtuell Reality‹ ein klein wenig dehne, dann kann man die künstlichen Erinnerungen der fortgeschrittenen Androiden durchaus als ›künstliche (Erinnerungs)Wirklichkeit‹ auffassen. Aber ›VR‹ im ›klassischen Sinne‹ einer gibt es in »Blade Runner« in der Tat nicht.


    Grüße
    Alex / molo

    Elric :
    Es sei Dir verziehen :-)


    Als Skeptiker der streng zwischen weltlich-realistischen Verblendungszusammenhängen und individueller existenzieller Geworfenheit unterscheidet plädiere ich freilich dafür, die eigene Spiritualität möglichst solide am (möglichst) nüchternen philosophischem Zügel zu führen. Was das Verhältnis des Menschen zu den großen, transzendentalen Dingen angeht, sind die Grenzen zwischen Spiritualität, Mystik, Philosophie, Aberglauben, Gut- & Leichtgläubigkeit, Vorurteil, Wunschdenken, Autosuggestion, Religion Ideologie ect pp ff ziemlich unscharf. Deshalb lohnt es sich auch, wenn man sich mal die ganzen Begriffe genauer anschaut und prüft, wie man sie voneinander abgrenzen kann.


    Grüße
    Alex / molo

    molo : Jap, du hast es genau so beschrieben, wie ich das sehen würde! :D Es geht komplett ohne Religion (im weiteren Sinne - also Spiritualität mit eingerechnet) nicht!


    Das ist freilich eine groteske Verdrehung meiner privaten Ansichten.
    Es geht durchaus ohne Religion.
    Aber es geht nicht ohne Spiritualität.
    Grüße
    Alex / molo

    Spannender Thread.
    Ich nähere mich der Frage nach der Bedeutung, dem Sinn und Unsinn von Religion in der Fantasy so, dass ich erstmal ein paar Begriffe für mich kläre und meinen Standpunkt ausdeute.


    Unter Religion verstehe ich organisierte Formen von Spiritualität. Genauer: in den Religionen werden spirituelle Lehren, Erzählungen und Übungen kultiviert und organisiert.
    Spiritualität bezeichnet für mich die Art und Weise, mit der sich Menschen mit dem Transzedenten in Gedanken, Wort und Handlung auseinandersetzen. Transzendent sind grob gesagt für mich jene Dinge, die sich unserem *normalen* Erleben und Bewußtsein entziehen, oder es durchzucken wie Blitze das Firmament. Transzendent sind die großen Zeiträume und Entfernungen jenseits dessen, was vom einzelnen Menschen direkt erlebt wird; transzendent ist unser Verhältnis zu allem, was jenseits der Grenzen unserer Existenz liegt (oder liegen mag); transzendent sind *unsichtbare* oder chaotische Kräfte deren Wirken wir aber bemerken oder erahnen können (ob die nun in der äußeren oder der inneren Welt liegen); in jedem Verhältnis zur Welt, das mehr auf Glauben und Vertrauen beruht, statt auf Wissen und Berechnung, steckt ein Keim des Transzendenten und des Spirituellen.


    Als Atheist mit ausgeprägtem Faible für alle möglichen Spielarten des Phantastischen sitze ich bisweilen zwischen den Stühlen. Einerseits soll jeder *spinnen* dürfen, wie es beliebt, solange keine anderen darob geschädigt werden. Manch einer meiner atheistischen Kollegen hört nicht gern, wenn ich darauf beharre, dass auch der trockenste und verkopfteste A-Religiöse Mensch m.E. nie ganz frei von spirituellem Regungen sein kann. Andererseits bin ich ein heftiger Gegner der Religiösen, wenn es um ihr Wirken in gesellschaftlichen und politischen Belangen geht. Hier verlange ich, das Absichten und Argumente klar und nachvollziehbar verhandelt werden, und nicht mit wundersamen Trümpfen, die nur von Gläubigen verstanden werden können.


    In der Literatur, wie überhaupt in den Künsten, ist für mich was Spiritualität und Religiösität angeht, erstmal alles erlaubt. Ob mir etwas gefällt oder nicht, hängt vor allem von ästhetischen Gründen ab. Der innige Katholizismus eines Tolkien oder Mosebach ist nicht so mein Ding, aber der Katholzismus von G. K. Chesterton oder Baltasar Gracian erfreut auch mich.


    Eine der Stärken von Fantasy (und der verwandten Phantastik-Genre) liegt darin, dass hier Transzendentes zur Anschauung gebracht wird. Statt in der meist nicht so leicht zugänglichen Sprache der hohen Philosophie oder Theologie, treten urtümliche Kräfte als Wesen, Artefakte oder sogar Orte auf. Dank dieses Wunderkabinetts der Magie (oder in der SF: des Novums) kann man in zugänglicher Form die komplexesten transzendentalen Angelegenheit darstellen und verhandeln, auf eine Art, die sowohl Religiösen wie Nicht-Religiösen erkenntnisbringende Kurzweil zu bereiten vrmag.


    Grüße
    Alex / molo

    Demnächst kann man den hundersten Geburtstag von Mervyn Peake feiern (9. Juli).
    Der Guardian bietet auf seiner Website schon mal »A celebration of the writing and art of Mervyn Peake«.
    Michael Moorcock portatiert vor allem den Menschen Peake, seine Wiederentdeckung bei Penguin Modern Classics;
    Hilary Spurling preist das zeichnerische Werk von Peake;
    China Miéville beschäftigt sich mit den »Gormenghast«-Büchern;
    und AL Kennedy schreibt über Peaks Verhältnis zu der Insel Sark.


    Grüße
    Alex / molo

    Ich habe mit »The Hobbit« oder »Silmarillion« deutlich mehr Freude, als mit LOTR (den ich mehrmals gelesen habe, allein der verschiedenen Übersetzungen wegen).
    Ich teile vieles von Tolkiens Weltbild nicht, schätze aber gerade »Hobbit« und »Silmarillion« künstlerisch sehr. LOTR allerdings bereitet mir mehr Missfallen als Freude.


    »Dunkle Turm« ist mir schlicht zu viel. Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, Serien nur noch ausnahmsweise fertig zu lesen (bzw. neue zu beginnen … bin ein bekennender Serien-Verachter und mag lieber Einzelromane oder Kurzgeschichten). — »Dunkle Turm« hat mir zwar so lala gefallen, aber eben nicht genug, um die weiteren Bände weiterlesen zu wollen.


    Wohl dann kaum noch überraschend, dass ich die beiden (dicken) »Königsmörder«-Bände nur im Laden angelesen habe und nicht interessiert an ihnen bin.


    Grüße
    Alex / molo