Beiträge von janus

    1. Lest ihr auf Deutsch, Englisch oder beides?

    Beides. Primär Englisch lese ich seit Beginn des Jahres, weil ich einfach nicht mehr länger auf eine Übersetzung hoffen wollte – z.B. für Kearneys „Macht“-Reihe.


    2. Lest ihr in Deutschland abgebrochene Serien/Reihen auf Englisch weiter? Lest ihr nicht übersetzte aber interessante Titel auf Englisch?


    Ja und ja.


    3. Wenn ja, lest Ihr trotzdem auch noch deutsche Titel bzw. Übersetzungen?

    Ja, allein schon nicht-englischsprachige Autoren wie Sapkowski oder die Strugatzkis lese ich weiterhin in deutscher Übersetzung.


    4. Wer liest nur noch auf Englisch? Und warum?

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    5. Wer liest weiterhin ausschließlich auf Deutsch? Seit ihr mit dem Angebot zufrieden?

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    6. Wie seht ihr die aktuelle Lage auf dem Fantasybuchmarkt?


    Mein SUB wächst und wächst, von daher habe ich keinen Grund zur Klage. Es gibt noch mehr als genug Klassiker, die ich lesen will, und dank des Forums finde ich auch immer wieder interessante Neuerscheinungen.

    Ryan schreibt recht einfaches, leicht verständliches Englisch. Sollte also kein Problem sein, wenn du mit Martins Schreibe klar gekommen bist.

    Anthony Ryan - Blood Song

    Eine sehr packend erzählte Geschichte und ich kann die guten amazon-Bewertungen schon nachvollziehen. Richtig begeistert bin ich aber nicht. Denn zum einen hapert es wie hier bereits mehrfach erwähnt an Originalität. Zum anderen mangelt es für meinen Geschmack stellenweise auch an Konsequenz.


    Da entwirft der Autor eine betont martialische und intolerante Kultur, aber der Protagonist grenzt sich von Beginn an ab und hat Respekt vor dem Leben und Andersgläubigen verinnerlicht – dank des Einflusses seiner verblichenen Mutter. Selbst die von Kindesalter an erfolgende Ausbildung zum Glaubenskrieger vermag daran nichts zu ändern. Diese wird zwar als äußerst brutal beschrieben, aber bei den psychischen Auswirkungen konzentriert sich Ryan auf das positive Gemeinschaftsgefühl zwischen den Kindern, wohingen Verrohung und Indoktrinierung ausgeklammert werden. Schließlich konfrontiert der Autor den Helden mit moralischen Dilemmata, macht es ihm dann aber zu leicht, indem wiederholt doch noch ein Ausweg eröffnet wird.


    Mir hätte das Buch vermutlich besser gefallen, wenn der Hauptcharakter zumindest einen Tick weniger sympathisch und ehrenhaft dargestellt worden wäre und mehr Lernprozesse durchlebt hätte.

    Stichwort Vorhersehbarkeit. Fremdl und ich haben uns gestern „Das finstere Tal“ angeguckt und wir waren leider auch nur bedingt überzeugt. Das Setting ist wirklich gelungen, die Bilder der Alpen und des entlegenen Dorfes beeindrucken und die Atmosphäre innerhalb der isolierten, unfreien Gemeinschaft ist stimmig wiedergegeben. Gegen Ende des Filmes sorgten aber ein wenig plausibler Showdown und insbesondere die extrem generische und vorhersehbare weitere Handlung, in der kaum ein Klischee ausgelassen wird, für Enttäuschung. Die Schnecke meinte noch, ihn habe gestört, dass die Dorfbewohner kein tirolerisch, sondern einen leichter verständlichen gekünstelten Dialekt gesprochen hätten. Ich war da ganz dankbar für, denn ansonsten wäre ich wohl tatsächlich auf Untertitel angewiesen gewesen oder hätte Fremdl um eine Übersetzung bitten müssen. ;)


    Das Kino war übrigens auch bemerkenswert. Wir waren im Berliner Zoo Palast und die Bücherregale an den Seiten des kleinen Kinosaals sowie die nach hinten kippbaren Sessel sorgten für ein besonderes Ambiente. In der ersten Reihe gab es zudem Fußableger, sodass man sich richtig hinfläzen konnte. Irritierend war allerdings, dass ein Kinoangestellter bis unmittelbar vor Filmbeginn in Habachtstellung im Gang stand, einen Butler mimte und bereit war, Bestellungen aufzunehmen.

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil (und verirrt sich nicht in youtube-Abgründe). Van Canto ist nicht Canto. Irgendwie hatte ich auch Schwierigkeiten mir vorzustellen, wie der Höllenfürst mit einer Gruppe von pubertären Möchtegern-Gangsta-Rappern einen begeisternden Abend verbringt. ;)

    @ Seyra: Das verwundert mich auch, wenn ich bedenke, dass mehrere meiner liebsten „klassischen“ Fantasy-Titel von Autorinnen stammen.


    @ Kah: Und eine davon ist J.V. Jones. Ich bin zwar nicht der Jedi-Meister, aber „Schwert der Schatten“ spielt mMn in der ersten Liga episch-düsterer Fantasy-Reihen. Wenn du die Autorin aufgrund ihres Erstlingswerks abschreibst, entgeht dir vermutlich etwas. Ich schreibe vermutlich, weil ich „Das Buch der Worte“ als nicht so grauenhaft in Erinnerung habe und möglicherweise stimmt die Chemie zwischen euch einfach nicht. ^^ Allerdings liegt – im Gegensatz zum „Sword of Shadow“ - meine Lektüre ihrer ersten Reihe mittlerweile fast zwei Jahrzehnte zurück und vielleicht gibt es tatsächlich einen so drastischen Qualitätsunterschied zwischen den Werken.


    Apropos: Gibt es eigentlich irgendwelche Neuigkeiten bez. der Fortsetzung von „Sword of Shadows“?

    Paul Kearney - Corvus


    Dekaden sind seit dem Marsch der 10.000 vergangen. Rictus ist in seine Heimat zurückgekehrt und beteiligt sich mit seiner Söldnerkompanie an den endlosen Kleinkriegen der Macht-Poleis. Nun aber droht die althergebrachte Ordnung zerstört zu werden, denn ein mysteriöser junger Kriegsfürst, erobert einen Stadtstaat nach dem anderen und strebt danach, König aller Macht zu werden.


    Der zweite Band der Macht-Trilogie. Wieder ein gutes Buch, auch wenn es mir nicht ganz so gefallen hat wie der Auftaktband. Zum Teil liegt das sicher daran, dass es ein Zwischenband ist, der den Grundstein für den Höhepunkt im dritten Band legt. Mehr als Alexanders/Corvus Unterwerfung Griechenlands interessiert halt der Persienfeldzug. Trotzdem hat auch die Hintergrundgeschichte von Corvus Potential, wobei meinem Empfinden nach Kearney dieses nicht voll ausschöpft – insbesondere in Bezug auf dessen Beziehung zu Rictus. Statt Rictus „ewig“ im Dunkeln tappen zu lassen, was besonders aufgrund der für die Leser eindeutigen Hinweise nervt, hätte er mMn schon früher die Identität von Corvus erkennen und eine intensivere Bindung zu ihm aufbauen sollen. Dass der Autor durchaus Charaktere entwickeln kann, beweist er mit der Schilderung des gealterten Rictus und dessen Verhältnis zu seiner Familie. Weniger gelungen und insgesamt überzeichnet fand ich hingegen Corvus Gegenspieler Karnos, der grob an Demosthenes orientiert zu sein scheint, und als begnadeter Redner und Anführer der größten Macht-Polis eine Allianz gegen den Tyrannen zu schmieden sucht. Schließlich sind mir mehrere kleinere Unstimmigkeiten negativ aufgefallen:


    Ich packe schon mal meine Sachen für die lange Schiffsreise nach Persien im dritten Band! :pirate2:

    Das in E-Bookreadern integrierte Wörterbuch empfinde ich auch als ungemein hilfreich und macht für mich den Wechsel zu englischen Büchern um vieles einfacher. Während ich bei Fachartikeln über die meisten unbekannten Wörter einfach hinweglese oder sie mir aus dem Kontext erschließe, finde ich das bei Belletristik unbefriedigend, da es mir beim Lesen gerade um die Nuancen der Schreibe geht, die mir dann entgehen würden. Früher musste ich dann den Lesefluss unterbrechen, das Buch bei Seite legen und zum Wörterbuch greifen, was natürlich ein echter Stimmungskiller war.


    Allerdings schlage ich auch jetzt mit dem Ebookreader nicht alles nach und ich glaube, dieser Vorgang des Erschließens macht für die nicht mit perfekten Sprachkenntnissen gesegneten Leser einen Teil des Reizes beim Belletristik-Lesen in fremder Sprache aus. Man übersetzt nicht unbedingt korrekt und erlebt die Geschichte 1 zu 1 wie vom Autor intendiert, dafür findet man aber die am ehesten den individuellen Vorstellungen entsprechenden Worte und erzählt sich in gewissem Maße die eigene Fassung der Geschichte.

    Paul Kearney – The Ten Thousand


    Seit Urzeiten leben die „Macht“ in ihren autonomen Stadtstaaten, beugen sich keinem Herrscher, kämpfen untereinander und werden in aller Welt für ihre Kriegskünste gefürchtet. Nun versammeln sich die ruchlosesten und gefährlichsten ihrer Krieger in nie dagewesener Zahl, verdingt von einem fremdländischen Prinzen, für den sie im fernen „Empire“ den Thron des Großkönigs erstreiten sollen.


    Die Welt der „Macht“-Trilogie ist deutlich am Antiken Griechenland und Persien orientiert, wobei Kearney durchaus Abweichungen auch hinsichtlich des geschichtlichen Verlaufs in seine Geschichte einarbeitet, sodass man als Leser nie sicher sein kann, ob ein vertraut wirkendes Ereignis auch wirklich den erwarteten Ausgang nehmen wird. Stärker noch als „Die Königreiche Gottes“ handelt es sich um ein Schlachtenepos und diesbezüglich muss sich Kearney hinter keinem Autor verstecken. Dass die beschriebenen Kämpfe so atmosphärisch und packend wirken, liegt auch an den Charakteren, mit denen man von Beginn an mitfiebern kann. Erstmal nur grob skizziert, wirken sie doch lebensecht und in ihrer Entwicklung gewinnen sie auch an Tiefe. Obwohl die Grausamkeiten des Krieges und die verschiedenen Auswirkungen auf die Charaktere gezeigt werden, beweisen diese doch ihre Fähigkeit zum Guten und es gibt immer wieder Momente der Menschlichkeit. Als gelungen empfand ich, dass nicht nur die Seite der „Griechen“ mit Feldherren und einfachen Soldaten als Protagonisten abgedeckt werden, sondern wir ebenfalls die Seite der „Perser“ kennen lernen und auch dort ein differenziertes Bild gezeichnet wird.


    Ich habe das Buch in zwei Tage ausgelesen und umgehend den zweiten Band begonnen. Wer schon immer mal etwas über die Perserkriege bzw. den Alexanderfeldzug im Fantasy-Gewand lesen wollte oder an schlachtenreichen Geschichten Gefallen findet, sollte unbedingt zugreifen.


    4,5 von 5 Schwert-verachtenden Phalanx-Streitern

    Hey Dornischer,


    Elliotts "Sternenkrone", Keyes "Die verlorenen Reiche" und Kearneys "Die Königreiche Gottes" liegen auf deutsch komplett vor und könnten dir vielleicht gefallen.


    Darüber hinaus findest du sicher weitere Empfehlungen, wenn du hier im Thread blätterst. [IMG:wcf/images/smilies/wink.gif]

    Zum Klingen-Finger-Thema: Meine Mutter berichtete mir vorhin, wie sie vor etlichen Jahren während ihrer Arbeit in einem Fleischergeschäft die Wurstschneidemaschine verwendet habe und dann plötzlich ohne Fingerkuppe samt Nagel dastand, die irgendwo auf dem Aufschnitt gelandet sei. Da konnte ich natürlich nicht mithalten. ;)

    Daniel Hanover - Dolch und Münze 2

    Wie schon im ersten Band sind die Charaktermomente die größte Stärke des Buches. Abraham beweist wieder, was für ein scharfsichtiger Beobachter er ist und vermag mit nur wenigen Worten, Charakteren Leben einzuhauchen und nuancierte zwischenmenschliche Beziehungen darzustellen. Beeindruckend fand ich insbesondere die Beschreibung der Kalliam-Familie. Neben dem aufrichtigen, aufbrausenden Reaktionär Dawson erhält nun auch seine ausgleichende Gattin Clara mehre POV-Kapitel. Darin beleuchtet Abraham nicht nur das komplexe Verhältnis dieser ungleichen Naturelle, sondern auch die Bedeutung und die subtilen Einflusswege adliger Ehefrauen. Ich bin sehr gespannt, welche Entwicklung Clara im nächsten Band machen wird. Geder, mein Favorit aus dem ersten Band, bleibt Geder und seinen Erlebnissen zu folgen hat etwas davon, einem Geisterfahrer auf der Autobahn zuzusehen. Es mag zwar eine Weile gut gehen, aber letztlich ist es nur eine Frage der Zeit bis zum Crash und trotz dieser Gewissheit oder gerade deswegen ist es unmöglich den Blick abzuwenden. Aber auch die übrigen POV-Charaktere sind weiterhin packend und ich hatte nie das Bedürfnis, zu den Lieblings-Chars vor zu blättern, wie es ja bei manch anderen Geschichten mit multiplen POVs der Fall ist. Sehr schön fand ich, dass wir im Anhang in Form eines spekulativen Traktats – wie auch sonst – weitergehende Informationen über die 13 Rassen der Menschheit bekommen und u.a. anderen beantwortet wird, warum die Erstgeborenen so mächtig sind und nicht die gezüchteten Krieger-Rassen die Welt beherrschen. Alles im allen: Eine exzellente Fortsetzung, die den durch den ersten Band geweckten hohen Erwartungen gerecht wird. Ich wäre für Band 3 bereit? :dog:


    4,5 von 5 mit Schalltrichtern ausgerüstete Belagerungstürme

    Ohne weiteres Wissen über die Hintergründe des Films war mein Eindruck beim Schauen des Trailers: Für die Religiösen zu viel Fantasy, für die Übrigen zu altbacken.


    Ich habe aber vermutlich auch eine spezielle Einstellung zum Umgang mit biblischen Themen, da ich sowohl dem „bibeltreuen“ als auch „respektlosen“ Umgang unentspannt gegenüber stehe. Zurückzuführen ist das darauf, dass ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bin und mehrere meiner engsten Verwandten im Gegensatz zu mir gläubige Christen sind. Daher habe ich sowohl mit der Verherrlichung von mir nicht geteilter religiöser Ansichten als auch mit der Verhöhnung des Glaubens mir wichtiger Menschen Schwierigkeiten.