Beiträge von Pogopuschel

    Stimmt, man hat natürlich andere Möglichkeiten unter einem großen Dach. Dafür vielleicht auch andere Zwänge, wobei man Letzteres bei dem Programm nur an den Leonhard & Hap-Tb-Ausgaben wirklich festmachen kann.

    Die Zwänge sind, dass jetzt mit dem Programm Gewinn erwirtschaftet werden muss. Vorher war man schon zufrieden, wenn man keinen Verlust mit einem Buch gemacht hat. Denke, das wird schwierig für die neuen Programmmacher, früher haben ja viele für lau aus Freundschaftsdienst für Golkonda übersetzt, gesetzt, Titelbilder gestaltet usw. Jetzt gibt es festangestellte Mitarbeiter.


    Naja, es bleibt Platz und Geld für kleinere Verlage.

    Genau mein Gedanke. Die habe ich bisher eher vernachlässigt. Kann mich deiner Einschätzung zu den Programmen nur anschließen. Blanvalet scheint aufgegeben zu haben, noch was Neues zu versuchen, die haben ja nur noch alte Schinken im Program. Penhaligon zumindest noch ein neues Fantasybuch. Das scheint für mich bzgl. Fantasy der schwächste bzw. uninteressanteste Vorschauenjahrgang seit Jahren zu sein.

    Mir hat der erste Band von "Mortal Engines" richtig gut gefallen. Philip Reeve schreibt vor allem schön auf den Punkt, ohne Längen oder unnötigen Schnörkel, aber doch sprachgewaltig in der Beschreibung der Raubstädte und der postapokalyptischen Welt. Hat sich sehr flüssig gelesen, die Geschichte wird ständig vorantgetrieben, ohne aber gehetzt zu wirken.

    @ Pogo:


    Da ich auch schon diverse Katalogtexte (von denen sich die späteren Klappentexte unterscheiden können und manchmal auch müssten bzw. sollten) verbrochen habe, kann ich mir gut vorstellen, wie sowas passieren kann. :biggrin2:

    Ja, ich habe aus so bestimmte Formulierungen, die ich immer wieder verwende, ohne es zu merken.

    Letzteres gibt es sogar als Kindle E-Book, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie sie das auf akzeptable Weise gelöst haben wollen...

    "Ship of Theseus" habe ich ja auch im Regal stehen. Ganz wunderbares Kunstwerk. Kann mir das auch nciht vorstellen. Finde schon vereinzelte Fußnoten im eBook nervig.


    Eine schöner Ersatz ist das eBook aber für die amerikanischen Mass Market Paperbacks, die billigen Taschenbücher auf grobem Papier mit verschmierbarer Tinte, die man gar nicht richtig aufklappen kann und oft den ersten Buchstaben im Satz erraten muss.

    Zuletzt habe ich aber auch wieder einige gedruckte Bücher sehr genoßen. Allen voran "Der Kanon mechanischer Seelen" von Michael Marrak. Da kostet das eBook 7 Euro, trotzdem habe ich mir lieber das Hardcover für 25 Euro gekauft, dass mir dann mit seinen schönen Illustrationen ein tolles Leseerlebnis bot.

    Die Lesequalität auf dem eReader ist um Welten besser als auf einem Tablet. Auf Letzterem lese ich schon mal Magazine wie Locus oder Kurzgeschichten online, aber ein eBook würde ich darauf nicht lesen wollen.

    Als ich meinen ersten kindle 2010 kaufte, war es für mich noch gar nicht relevant, inzwischen hat es sich für mich zum wichtigsten Grund entwickelt, auf dem eReader zu lesen: die veränderbare Schriftgröße.


    Wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag vor dem Computer mit viel Textarbeit nach Feierabend zu einem Buch greife und lese, verschwimmen mir bei kleiner Schriftgröße irgendwann die Buchstaben vor den Augen. Auf dem eReader ist mir das noch nicht passiert, da kann ich immer entspannt lesen.


    Wenn ich in der Buchhandlung ein Buch in die Hand nehme und beim Aufschlagen sehe, dass die Seiten mit kleiner Schrift (10pt oder kleiner) eng bedruckt sind und eventuell die Buchstaben auch noch eng gesetzt sind, lege ich es direkt wieder weg, weil ich weiß, dass mir das auf Dauer zu anstrengend zum Lesen sein wird. Wenn es sich um ein relativ dünnes Buch handelt, wie zum Beispiel die meisten bei Golkonda, dann geht es noch, dann lese ich immer dann darin, wenn meine Augen noch nicht so erschöpft sind. Aber bei einem dicken Wälzer und allem über 300 Seiten ist das für mich sofort ein Ausschlussgrund.

    Was mir gerade bei den Klappentexten von Bastei Lübbe aufgefallen ist: "Offenbar ist jemand bestens informiert über ihn und sein kleines Hobby" (Opfer von Serienkiller auszubuddeln). (zu "Tiefes Grab". Und eine Seite weiter: "Es scheint, als sei der Killer bestens über Maureens Entdeckungen informiert." (zu "Die Magdalena Verschwörung"). Da spielt wohl jemand Klappentextbullshitbingo. :P


    Und etwas weiter lautet der Name der Autorin "Jessica Clare schreibt als Jessica Sims", wobei der erste Name größer gestaltet ist. Da könnte sie auch gleich als Jessica Clare schreiben.

    Ich finde zumindest die Mark-Lawrence-Reihe einen Blick Wert. Frank Böhmert (der sie übersetzt) schwärmt sehr von ihr. Und "Space Opera" von Catherynne Valente ist auch ein interessanter Titel, da bin ich auf die Übersetzung gespannt, soll sprachlich nicht einfach sein. Für sind noch die weiteren Teile von "Mortal Engines" interessant, Band 1 fand ich super; und der dritte Becky Chambers. "V-Wars" habe ich angefangen, weil ich Artikel dazu geschrieben und ein Interview mit dem Autor geführt habe, ist aber nicht mein Fall gewesen, habe ich abgebrochen.

    Die Titel von Fischer Tor findet man per Suchfunktion (Fischer Tor eingeben) bei Amazon. Ich poste hier auch mal noch keine Links, bis Gerd einen extra Thread für Früjahr/Sommer 2019 aufgemacht hat.


    Bei Randomhouse finde ich aber noch keine Vorschauen. Okay, keine Vorschauen, sondern im Programm suchen.

    Auf meinem Blog schwärme ich ein wenig von Michael Marraks "Der Kanon mechanischer Seelen".


    Zitat

    Michael Marrak ist ein Wandler, der seine Leser mit Worten beseelt, Portale in ihrem Verstand öffnet und ganze Welten durch den Orb aus dem Chronoversum in ihre Köpfe hineintransportiert. Das Buch verschlingt einen, lässt dem Geist Füße wachsen, mit denen er staunend durch eine Welt zu allen Zeiten wandelt, während das Licht längst verloschener Sterne auf einen hinabscheint und in einer melancholischen Zeitendämmerung von der Vergänglichkeit des Seins kündet. Wie Schäume, die in Wogen durch Sphären tosen, bis der Zeitenbrand sie hinwegnegiert hat, dem Sensenmann gleich, der mit scharfer Klinge in knochigen Fingern Seelen sammelt und im undurchdringlichen Schwarz seiner eigenen Existenz verschwinden lässt.


    Brian Catling - The Vorrh


    Der Roman beginnt damit, dass ein namenloser Engländer in einer noch nicht näher definierten Wildnis seine kürzlich verstorbene Gefährtin zu einem Flitzebogen verarbeitet, der ihm, von ihr beseelt, von nun an mit seinen Pfeilen den Weg durch den gefährlichen und mysteriösen Wald The Vorrh weist. Um diesen afrikanischen Wald herum - der wie eine Art grotesker, pervertierter Garten Eden beschrieben wird - und die aus Sachsen 1:1 verschiffte und dort wiederaufgebaute Stadt Essenwald, drehen sich mehrere bizarre Handlungsstränge (in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg) mit originellen Figuren. Aber auch nach London und in die USA führt es einen der Protagonisten. Eine wirkliche Handlung mit Spannungsbogen lässt sich noch nicht so wirklich erkennen, das Buch lebt vor allem von der tollen Sprache und der originellen und schrägen Atmosphäre, die an New-Weird-Werke von Autoren wie J. G. Ballard, Michael Moorcock oder China Miéville.


    Da gibt es einen Zyklopen, der von künstlichen, aus Lehm oder so geschaffenen Wesen in einer alten Villa aufgezogen wird, bis ihn eine Junge Frau entdeckt und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Der Wald Vorrh bringt so manche Absonderlichkeit hervor und raubt jenen, die zu lange in ihm bleiben, die Erinnerungen und schließlich den Verstand, ist aber auch Lebensader für Essenwald. Man merkt dem Buch an, dass es nur der erste Teil einer Trilogie ist, schon früh ist klar, dass die verschiedenen Handlungsstränge nicht in diesem Band zusammengeführt werden, was mich aber überhaupt nicht gestört hat. Anders als erwartet, habe ich das Buch mit viel Genuss jeden Tag in kleinen Häppchen gelesen und mich am eleganten Stil und den faszinierenden Bildern erfreut, die der Autor entstehen lässt. Ich hatte ein viel sperrigeres und weniger zugängliches Buch erwartet. Aber es ist sicher nicht jedermanns Sache. Doch für mich ein Meisterwerk der modernen Phantastik