Beiträge von McClane

    Miles Cameron - The Fell Sword


    Eine Weiterentwicklung auf vielen Ebenen, wenn auch nicht immer in eine Richtung, die mir zugesagt hatte.


    The Fell Sword setzt eigentlich fast genau da an, wo The Red Knight aufgehört hatte und legt ein ziemlich schnelles Tempo vor. Die ersten paar hundert Seiten machen richtig Spaß, erweitern die Welt und Mythologie und führt ein paar tolle neue Charaktere ein. Alles gut, bis Cameron dann in der Tat mächtig auf die Bremse drückt, abgesehen von neuen Charakteren und PoVs, die Fluten ein, als wäre ein Damm gebrochen.


    Den Red Knight und seine Bande an Söldnern verschlägt es ins benachbarte Morea (Griechenland?), denn, wie schon Ende von Band 1 verkündet, der Imperator wurde gekidnappt. was es genau damit auf sich hat klärt sich direkt in den ersten 10 Seiten, sodass die Fronten schnell klar sind.


    Eigentlich muss man das Buch in zwei grobe Teile gliedern: Den Plot um den Red Knight in Morea um die Rettung des Imperators und den Plot um "The Wild", der hier in diesem Band noch mehr die Lupe aufgesetzt bekommt und man die Dynamik der Widersacher aus Teil 1 viel enger miterlebt. Dazu gesellen sich unzählige PoVs von Königen und neuen "besten Rittern aller Zeiten", die mir eigentlich im großen extrem auf die Nerven gegangen sind. Besonders die Gallen (Gallier?...die Franzosen, quasi) sind eigentlich unausstehlich; morden, vergewaltigen und rauben was das Zeug hält, einfach "weil sie das gottgegebene Geschenk an die Welt und alle andere Menschen eh nur Insekten sind". Dass dann der eigentliche König, der sie widerwillig engagiert nichtmal was unternimmt, wenn sie im offen drohen und sogar seine Frau/Hofdamen bedrohen macht dann nur wütend und lässt einen frustriert das Buch zu Seite legen. Als hätte das nicht gereicht wird noch ein neuer Charakter eingeführt - der Black Knight. Der dem französischen Recken sogar noch eins drauf setzt und nur in der dritten Person mit anderen redet und das nur durch seinen Pagen. Er ist allerdings der Charakter der die "Menschen"Menschen in Verbindung mit der Wildnis bringt und somit sehr interessante neue Geschehnisse aufdeckt - ein PoV bei dem ich extrem zwiegespalten war.


    Die Plotstränge um die Wildnis waren für mich, neben den ersten 150 - 200 Seiten des highlight des Buches, haben viel mehr Spannung und vertiefen den Blick in die zugrundeliegende Mythologie und auch was eigentlich hinter den Kulissen vorgeht, woran man schnell erkennt, dass alles was eigentlich mit dem Red Knight, den Königen und anderen Charakteren passiert alles nur Ränkespiel von ganz anderen Mächten ist. Der Teil des Buches hat mir wirklich mehr Spaß gemacht als alles um die Söldnertruppe, da dieser Teil doch sehr an tempo verliert, sich durch unzählige politische und wirtschaftliche Spielchen auszeichnet und so viele neue Charaktere und Länder eingeführt werden, sodass man schnell mal den Überblick verliert wer jetzt eigentlich zu wem gehört, vor allem weil sich das alle paar Seiten durch sehr fadenscheinige Gründe zu ändern scheint, man einen Plot im Plot erwartet, der dann aber doch nicht geschieht. Hmm...hatte mir nach dem Einstieg mehr erhofft.


    Die alten Protagonisten unter der Söldnertruppe werden allerdings recht gut ausgefleischt und werden etwas dreidimensionaler, wobei andere, die einige eigene PoVs hatten in Band 1, recht stark an die Seite gedrängt werden - auch schade, aber die erfüllen ihren Zweck irgendwie im Hintergrund, was mir auch bis Ende des Buches noch nicht 100 % klargeworden ist, aber irgendwo steckte da ein "genialer" Schachzug in allem was über 450 Seiten in der Mitte passiert aber am Ende nicht wirklich entscheidend war, wie ich finde.


    Was Cameron wieder am besten macht sind die Kampf- und Schlachtszenen, wenn auch einige Charaktere plötzlich extrem stark wurden aus dem Nichts, zum Teil sogar fast totgeglaubte wieder schnell zurück ins Leben rufen mit ihrer Macht, was für mich, nach Band 1 und effektiv vielleicht 1 Jahr Dauer zu schnell geht. Zu einfach. Merkwürdig fand ich auch, dass alle Kämpfe eigentlich so geschrieben sind, dass Red Knight immer klar die Oberhand hat und alle Probleme beseitigt, nur um dann in einem Satz später von ihm gesagt zu bekommen "wenn der andere jetzt was macht, sind wir erledigt" - das kommt allerdings vom eigentlichen Geschehen nicht rüber. Hat mich oft etwas verwirrt.


    Als wäre das nicht alles häufen sich hier in diesem band gravierende Editing-Probleme. Viele Charaktere ändern ihre Namen (Gawin zu Gavin, Ser Jehannes zu Ser Jehan, Edward zu Edmund und Bogglins werden Boggles), zumindest sind das die, die mir aufgefallen sind; würde mich aber nicht wundern, wenn bei den 250 Charakteren mindestens 15 neue Namen bekommen haben und ich es nichtmal gemerkt habe.


    Was mir aber aufgefallen ist, dass ein Charakter gestorben, und einige Kapitel später einfach wieder rumgelaufen ist, als wäre nichts gewesen. Es gab einige Fälle bei denen Charaktere tödlich verwundet waren und mit Magie geheilt wurden und mit etwas Schmerzen ein Kapitel später wieder im Kampf waren, aber der einge Charakter war wirklich toter als tot und dann einfach wieder da...ohne Kommentar. Glaube, da hat Cameron etwas übersehen.


    Also alles in allem: die Welt wird größer, die handelnden Personen noch mehr (und zum Teil nicht sympathischer) und das Tempo wird besonders im sehr langen Mittelteil stark ausgebremst - das sind meine Negativpunkte, zusammen mit den Editingproblemen, die mich einfach sehr gestört hatten.


    Die Kämpfe sind wieder atemberaubend und die Mythologie wird tiefer, was mir beides sehr sehr gut gefallen hat; schade nur, dass ich mich an einer gewissen Zeit mehr über die Wild-Plotstränge gefreut habe, als über die des Red Knight. Ich hoffe in Folge ändert sich Camerons Fokus wieder und merzt die Probleme dieses Bandes aus, vor allem da sehr viel Potential für eine klasse Geschichte da ist, die aber irgendwie im großen Mittelteil des Buches verloren geht.


    Es fühlt sich etwas an wie ein sehr großes Set-Up, als wäre Band 3 das große Finale, für das hier viele Charaktere in Position gebracht werden müssen, auf der anderen Seite ist der Plot dieses Bandes eigentlich abgeschlossen, die Mächte im Hintergrund haben noch zu viel zu tun für einen Showdown und mittlerweile weiß man ja, es kommen noch 3 Bände, daher ist der Band für mich einfach schwächer als Teil 1. Eben aufgrund der starken Pacingprobleme.


    5/10

    In der Tat, der Stil gefällt mir auch richtig gut! Mal etwas anderes...


    Kannst du auch was zum Inhalt der Reihe sagen?

    Miles Cameron - The Red Knight (wie versprochen jetzt mein Review)


    Phuu, ja, also wem Action nicht so zusagt, der hält sich von dem Buch hier lieber fern. The Red Knight haut auf den Putz was das Zeug hält.


    Die Story ist recht schnell umrissen: The Wild ist eine Bezeichnung für alle Kreaturen der Wildniss, die nicht gerne in Eintracht mit der Menschheit leben, sondern eher in feindseeliger Nachbarschaft, abgeschottet hinter einem Wall und eigentlich dort auch in Zaum gehalten von einem mächtigen Wyrm. Das umfasst alles von sehr intelligenten, goldenen Bären, Trollen, Goblin, Elfen- und Ork-artige Monster, magische Baumwesen, Drachen, Wyvern und vieles mehr sowie Überläufer von Menschen, die sich an der Aristokratie rächen wollen - ich sag "artige", da diese definitiv etwas Eigenes sind und nicht nur von den bekannten Fantasywesen kopiert wurden. Übergriffe auf die Menschen besonders hoch im Nordwesten gibt es immer mal wieder, doch plötzlich wird eine kleine Farm angegriffen, in der sich eine Nonne vom hießigen Kloster befindet und den Tod findet. Schnell zeigt sich, dass the Wild näher an der Zivilisation ist als gedacht - und es auf das Kloster abgesehen hat. der Red Knight und seine Bande an Söldnern und Halsabschneidern sind die Einzigen, die das Kloster (gegen teuer Geld) beschützen können...


    Ich habe im Vorhinein vieles über Miles Cameron und den Traitor Son Cycle gelesen und war mir aufgrund diverser negativer Kritiken nie sicher, ob ich mir die Reihe zulegen sollte, schlussendlich kann ich viele der Kritiken verstehen, bin aber dennoch froh mir die Reihe gekauft zu haben, denn das Positive überwiegt für mich das Negative.


    Ich weiß gar nicht so genau wo ich anfangen soll, denn es gibt viele Punkte die positiv auffallen aber auch viele Baustellen. Zu allererst vielleicht Cameron's Stil, der von Seite 1 an direkt merklich Wirkung zeigt. Für mich ist seine Schreibe sehr...hmm..clunky? holprig? Auf jeden Fall sehr ungewohnt, in Wortwahl und Satzbau, sodass ich oft Sätze neu lesen musste um sie zu verstehen (oft mals habe ich auf einen Punkt, ein komma oder eine Überleitung zu einer anderen "Szene" gewartet, wobei diese allerdings nie merklich kam, bis mir dann 4 bis 5 Zeilen später bewusst wurde, Cameron war gerade wo ganz anders wie ich, gedanklich. Das hat mich oft aus dem Lesefluss gerissen - definitiv ein Punkt, der mir recht negativ auffiel. ich kann nicht wirklich einen Finger auf etwas Konkretes legen, aber irgendwie war für mich der Stil nicht rund und erforderte nicht unbedingt höchste Konzentration aber eher mehrmaliges Lesen in einigen Fällen, da die zweite Hälfte von Sätzen und Gedanken manchmal sehr schwer mit dem ersten Teil des Satzes zu verknüpfen waren...ganz komisch, ich weiß nicht wie ich es besser beschreiben kann...sperrig, holprig, unrund.


    Auf der anderen Seite schreibt Cameron Kämpfe sehr gut - was katastrophal wäre, wenn nicht, denn mehr als 75 % des Buches sind gefühlt Kämpfe: entweder große Schlachten, Einzelduelle mit Schwert, Hellebarte u.Ä., magische Duelle, Belagerungen, Stürmung von Gebäuden, Straßen, etc. oder sogar magische Gruppenkämpfe. Cameron haut wirklich raus was geht, aber selbst da verliert man sich immer mal wieder in seinem Stil, wenn er auch nicht so stark auffällt als in den "ruhigeren" Szenen. Nicht selten hab ich mir das richtig gut vor dem inneren Auge, bzw. auf der großen Leinwand vorgestellt - für mich definitiv Filmmaterial!


    Ein anderer Punkt der eher negativ ins Gewicht fällt sind die 100 PoVs von denen viele (noch) nicht wirklich schlüssig sind. Kommt vielleicht noch, aber aktuell hätte man das Buch gut um 100 Seiten kürzen können, indem man 4 - 5 Charaktere und PoVs rauskürzt, die eigentlich keinen eigenen PoV brauchen oder selbst in der Story nicht notwendig sind. Einige der Charaktere sind auch sehr austauschbar und sorgen zum Teil sogar für Verwirrung aufgrund sehr ähnlicher Namen oder sogar mehreren Namen, die anfangs nicht erklärt werden, bis man später herausfindet, der zwei Spitznamen zum selben Charakter mit Geburtsnamen XYZ gehören. Teilweise macht es sich Cameron mit den Namen leicht, in anderen Fällen glaube ich großen Einfluss von Cook und Erikson zu lesen "Sauce", "Bad Tom", "Long Paw" und mein absoluter Favorit: "Wilfull Murder". Einige der Charaktere machen einen guten und bleibenden Eindruck und haben auch etwas mehr character building erfahren, andere sind wirklich nur stand-ins und Pappmänner. Eine Sache, die mir dabei etwas aufgestoßen ist, ist die Doppelmoral des Protagonisten, die zwar als solches menschlich erscheinen könnte, aber für mich nicht stringend ist. Als hätte sich Cameron ab einem gewissen Teil des Buches in der Charakterisierung umentschieden. Aber Cameron hat ja noch 4 Bände, das alles zu verbessern. Manche Charaktere waren mir allerdings so unsympatisch, dass ich sie echt gar nicht gebraucht hätte, die dann sogar trotz großen Aufbau irgendwie nicht sonderlich viel gerissen haben...hmm, naja. Wichtiger: es gibt einen PoV eines Bären...schau an. Sogar sehr empathisch.


    Das Worldbuilding an sich fand ich interessant. Auf der einen Seite erkennt man ein antikes Europa (Albia ist England (albion) , Galle ist Frankreich (Gallien) und Morea ist wohl...Griechenland? Mazedonien? die Ecke jedenfalls...außerdem gab es Jesus und die christliche Bibel, etc. auf der anderen Seite ist the Wild doch nochmal ein anderer, interessanter Ansatz der "bösen", wenn auch nicht bahnbrechend neu, aber die Analogie zum Hang des Menschen, die Natur für seine kurzsichtigen Zwecke zu zerstören und das Aufbegehren der Natur ein schönes Thema. Auch das Magiesystem für mich ist etwas ganz Neues, das ich so wirklich noch nie gesehen habe. Es wird schön beschrieben, aber nie wirklich in sich erklärt, was für mich aber schon völlig reicht. Es ist anders, es ist neu, es funktioniert für mich und die magischen Kämpfe sind erste Sahne.


    Das pacing generell war für mich etwas unausgeglichen. Ich habe nie so etwas wie battle fatigue gespürt, allerdings ging der Übergang von hektisch zu langsam, zu hektisch manchmal etwas zu abrupt, was auch der Vielzahl an PoVs geschuldet ist, besonders derer, die eigentlich bislang unnötig sind.


    Die Deus Ex Machina, die es gegen Ende aufs Papier geschafft hat war für mich dann ein Schritt zu viel des Guten - bislang noch nicht wirklich erklärt warum dies passieren musste, mMn völlig unnötig, da die betroffenen Charaktere zwar namhaft waren, aber keinen Einfluss auf die Geschichte hatten/haben. Da will ich definitiv noch eine bessere Erklärung als der fadenscheinige Grund, den man bislang erfahren hat.


    Aber alles in allem für mich ein durchaus solider Auftakt mit merklichen Schwächen, die aber ausgebügelt werden können. Außer vielleicht der Schreibstil, hier bezweifle ich ein wenig, dass Cameron den ändert.


    6,5 / 10 - ich hatte mir mehr erhofft, aber ich freue mich wirklich auf den nächsten Band.

    Tolle News!


    Ich hab die ersten beiden Büher seit Übersetzungs-Release im Regal stehen aber noch nicht gelesen. Trotzdem freu ich mich für Lynch, dass er diesen Schritt nun geschafft hat.


    Anfangen zu lesen wage ich mich zwar erst, wenn abzusehen ist, dass die Reihe auch fertig wird, aber toi toi toi für Scott.

    Ich erinnere mich, dass mir damals irgendwas an Echoes of Empire gefehlt hat. Die Charaktere waren sehr stark gut und böse glaube ich und wenig plastisch für mich. Nicht wirklich tiefe und zu sehr gut und böse. Charakterentwicklung ist mir damals nicht wirklich aufgefallen.


    Schreiben konnte Barnes, aber wo der erste Band für mich noch gut war aber irgendwie auch nicht in Erinnerung geblieben ist, ist der Rest der Reihe für mich immer schwächer geworden. Mir hat es damals sehr an signifikanter, äußerer Handlung gefehlt, bzw. immer wenn etwas hätte passieren können wurde es irgendwie ausgebremst - aber das mag auch an falschen Erwartungen gelegen haben; ich glaube die Trillogie ist sehr politisch angehaucht und war evtl nicht das, was ich damals zu der Zeit erwartet oder gebraucht habe...


    Es hatte sich eine interessante Welt angedeutet, die für mich aber nie zur vollen Entfaltung kam. Glaube aber ich war damals auch einer der wenigen, dem die Reihe nicht wirklich zugesagt hatte :)

    Kay ist ein Autor, dessen Name ich schon seit meinen Anfängen kenne, aber noch nie wirklich ein Buch von ihm in den Händen gehalten oder mal reingelesen habe. Ich weiß nicht woran es liegt, aber irgendwie hat mich noch kein Titel oder Inhaltsangabe so wirklich überzeugt.


    Was mögt ihr an Kay, was ihn von anderen so abhebt?

    Uff, da ich letztes Jahr um die Zeit der letzten Posts im Urlaub war, hab ich wohl ganz verschwitzt, meine nötigen Infos bereitzustellen :batsch:


    Gut, dass ich nochmal aus wachsender Vorfreude reingeschaut und nach dem genauem Datum gesucht habe...


    (fast auf den Tag genau, nur noch 4 Monate -> der Countdown startet hiermit :tschaka:)


    P.S.: Keiler : PN geht raus

    Andrzej Sapkowski - Baptism of Fire


    Die Reise geht weiter und setzt in diesem Band mehrere Wochen nach dem Vorgänger an. Geralt erholt sich von seinem letzten Aufeinandertreffen in der Sicherheit von Brokilon, die magische Conclave leckt seine Wunden und regruppiert sich und Ciri macht da weiter wo sie ganz am Ende von Time of Contempt aufgehört hat.


    Tja, was kann ich zu diesem Band sagen - er ist definitiv eine klare Verbesserung zum Vorgänger, aber so wirklich überzeugen konnte auch dieser Band nicht. Ich habe so das Gefühl, Sapkowski hatte keine wirkliche Story im Sinn als er begonnen hat zu schreiben, außer "Ciri ist besonders und wird von verschiedenen Gruppierungen gejagt. Geralt ist irgendwie mit ihr verbunden." Joa, und genau deswegen scheint es wohl, dass der Band kein Schritt vorwärts kommt. Verschiedene Parteien suchen Ciri schon seit Band 1 - keine Partei ist auch nur einen Schritt weitergekommen, nur Ciri befindet sich mittlerweile wo anders als in Band 1 und ist etwas besser mit dem Schwert. 90 % dieses Bandes beschäftigten sich damit, dass Geralt eine immer größer werdene Gruppe an Gefährten ansammelt, schlecht gelaunt ist und einen nach dem anderen vergrault, aber dann doch wieder zu ihnen zurück findet. Die restlichen 10 % teilen sich zwischen der neuen Zauberinnenkonklave (5 % --> der für mich schwächste Teil des Buches), Ciri (2,5 % und den bösen Nilfgaardern (2,5 %).


    Das klingt jetzt sehr negativ und ich muss zugeben, der quasi anhaltende Plot ist auch für einige Punktabzüge verantwortlich, sowie Geralts immer noch anhaltende Entwicklung weg vom Witcher hin zum unnachvollziehbar agierenden Schmollmund oder erneut des nervigen Nebenplots um die Zauberinnen. Sapkowski hat es mal wieder geschafft eine ganze Seite damit zu füllen, wie sich eine Zauberin vorstellt, das Treffen der Frauen, zu dem sie geht, sowieso nur aus nackten oppulenten Brüsten, Drogen und Orgien zwischen Nymphomaninnen und Sexsklaven besteht. Eine Seite detaillierter Beschreibung, um dann in einem Sastz zu sagen "ach nee doch nicht". Da dies einen Großteil des Vorgängerbandes gefüllt hatte habe ich hier vielleicht etwas allergischer reagiert als sonst, aber ich finde diese Repititionen von Verhaltensmustern, Sätzen, Ticks, etc. extrem nervig (spätestens seit "she was furiously tugging on her braid" Wheel of Time).


    Was hat das Buch für mich also besser gemacht als den Vorgänger? In der Tat die neuen Charaktere, die wesentlich mehr Tiefe haben als noch die 20 neuen aus dem Vorgängerband. Geralts neue Gefolgschaft ist bunt und macht Spaß zu lesen. Geralt und Dandelion kamen hier für mich sogar noch als Spaßbremsen rüber, da Geralt immer nur schmollt und Dandelion anscheinend zum hirnlosen Tunichtgut mutiert, der immer wieder den gleichen Fehler macht. Regis, Milva, Zoltan und Gefolge, Cahir,...einige interessante Charaktere, die einen schönen Lesefluss erzeugen, sodass das Buch sehr kurzweilig vorkommt. Zwischenzeitlich vergisst man sogar, dass eigentlich auf 340 Seiten gar nichts passiert. Hätte ich das Buch gestern direkt nach Beenden bewertet und nicht erst noch eine Nacht darüber geschlafen und alles nochmal durchdacht wäre es sogar besser davon gekommen, aber bei genauem Überlegen fallen dann doch die gravierenden Probleme auf.


    Von Ciri habe ich jetzt gar nicht gesprochen, einfach weil es auch hier nichts wirklich beizutragen gibt. Den Weg, den sie momentan einschlägt ist für mich gleichzusetzen mit rebellierendem Teenager ohne klare Verbindung zum Hauptplot, außer dem gewählten Namen und der Hintergrundgeschichte ihres Stammbaumes. Diese Aspekte sind nicht uninteressant, gehen aber leider in vielerlei Belanglosigkeit verloren.


    Hmm...ich bin definitiv hin und hergerissen. Der Band zuvor war definitiv weniger unterhaltsam und die Charaktere haben wesentlich weniger Spaß gemacht. Hier heben es vor allem die neuen Charaktere hoch und zu einem recht unterhaltsamen Lesevergnügen bei. Sapkowski muss jetzt aber Geralt wieder zum Witcher machen und vor allem die Hauptstory weiter vorantreiben um nicht rückwärts zu gehen.


    Gut gemeinte 6/10

    Auch ich habe die letzten Wochen trotz oder vielleicht wegen einer recht starken Nebenhöhlen- / Mittelohrentzüngung + Angina ein paar Bücher lesen können.


    Andrzej Sapkowski - Time of Contempt

    Während Ciri weiter lernt sich mit ihrer magischen Seite auseinanderzusetzen nimmt der Druck auf die verschiedenen Königreiche von außen durch Nilfgaard immer weiter zu. Politische und magische Intrigen nehmen weiter zu, während Geralt etwas weiter in den Hintergrund rückt.


    Time of Contempt ist für mich der schwächste Band bislang. Nicht nur, weil ich kein richtiges Witcher-Feeling bekommen habe, wie noch in den 3 Bänden zuvor, u.a. weil Geralt immer weiter in den Hintergrund rückt, aber auch weil die Unmengen an neuen Charakteren (allen voran weiblich) absolut kein Differenzierungsmerkmal haben, außer der Kleider oder Haarfarbe und Länge, und da die sogar in der Regel so gut wie gar nichts tragen um ihren perfekten Körper zur Schau zu stellen, ist die Unterscheidung sowieso redundant. Während Ciri ihren eigenen Kopf und Charakter hat und auch Yennefer eine klare Person zu sein scheint, sind 95% der anderen weiblichen Charaktere schlichtweg gestörte Nymphomaninnen und dass ein Großteil des Bandes sich lediglich um politische und magische Intrigen dreht, bei denen Geralt nur blöd nebendran steht oder kaum eine Rolle spielt, hilft dem Lesegenuss des Buches eigentlich gar nicht.


    Hier und da kommt wieder etwas Witcher-Feeling zurück, besonders wenn Geralt mit Dandelion zusammen ist oder wenn die mysteriöse Hintergrundgeschichte angesprochen wird, aber diese Stellen sind einfach zu selten, sodass auch irgendwann Ciri's PoV, der sich dann zum Teil auch einfach etwas im Kreis dreht nicht mehr helfen.


    Das Buch ist keineswegs langweilig, aber für den Hauptteil der Story hätte man wesentlich weniger Seiten gebraucht, ohne etwas relevantes außer Acht zu lassen...so sind mir schon wieder viele Szenen einfach entfallen, aber wohlwissend, dass sie für den nächsten Teil keine Rolle mehr spielen werden. Auch die quasi sozialkritischen Diskussionen, die man in den Bänden zuvor noch erleben konnte scheinen hier wirklich überhaupt keine Bühne mehr zu finden, ganz zum Vorteil der vielen Zauberinnen, die eh nur Geralt an die Wäsche wollen und jeder jeden hintergeht.


    Schade, ich hoffe der nächste Band (den ich morgen beginnen werde) wird wieder besser und Sapkowski findet zu alter Stärke.


    5/10


    Gene Wolfe - Epiphany of the Long Sun (Caldé & Exodus from the Long Sun)


    Da mir die ersten beiden Bände wirklich gut und wesentlich besser gefallen haben als noch Books of the New Sun hab ich mich richtig auf diese beiden Bände gefreut.


    Wie schon erwähnt spannte sich der Plot der ersten beiden Bücher nur über wenige Tage und hatten am Ende sogar einen bemerkenswerten Twist parat und Band 3 macht auch genau in dieser Spur weiter. Ich will nicht wirklich auf den Plot der Reihe weiter eingehen, da dieser zu viele Spoiler für die vorherigen Bände beinhalten würde, demnach belasse ich es bei der reinen Bewertung.


    Hohes Tempo, interessante, unterschiedliche Charaktere und eine interessante Welt. Bis ca. Mitte des Buches, wenn diverse Charaktere in die "Tunnel" eintreten - ab hier nimmt das Buch für mich in Qualität etwas ab, da Wolfe wieder sehr stark in sein Muster von "New Sun" verfällt, viele Dinge nur sehr vage beschreibt, die eigentlich sehr relevant sind, absolute Verwirrung in Dialogen und Geschehnissen erschafft und sich vieles plötzlich eher im Kreis dreht anstelle weiter voran zu schreiten. Manche Charaktere agieren meiner Meinung nach auch z.T. stark out-of-character, nur um dem Plot plötzlich anderweitig vorwärts zu bewegen oder eine "Überraschung" einzubauen. Das fand ich schon ziemlich schade, vor allem da mir der Band bis zu diesem Zeitpunkt von allen 3 sogar am besten gefallen hat.


    Ein weiteres Problem, dass ich besonders ab Band 3 hatte waren 2 Charaktere, die mit ihrer Art zu reden und Wolfes Hang zu Kursivschrift bei zufälligen Wörtern im Satz meine innere Lesestimme immer und immer wieder durcheinander gebracht hat. Da habe ich dann teilweise nur noch den Kopf geschüttelt, weil es doch sehr nervtötend wurde. Die Einführung mancher neuer Charaktere hat dann auch nicht geholfen, die Story wieder zu straffen, bis diese dann zum Ende hin doch wieder in die richtige Bahn gekommen ist.


    Band 4 war insgesamt eine gemische Erfahrung. Einstieg gut, Ende sehr interessant, Mittelteil bleibt stet auf einem konstant ok-guten Niveau, wenn man auch vieles hätte bleiben lassen können. Besonders das große Konfliktelement, das erst in diesem Band hinzukommt und in seiner Natur als Verbündete, Feinde, unparteiische dritte Instanz, Feinde, etc. absolut unklar fluktuiert empfand ich dann doch als eher unnötig und auch für das große Ganze und dem eigentlichen Ziel der Story nicht relevant.


    Der Band endet wo man ab Band 2, vage und ab Band 3 definitiv von ausgeht und die Brücke zur nächsten Reihe ist definitiv geschafft. Hätte es einen großen Unterschied gemacht, wenn man 1/3 des Bandes einfach weggelassen hätte? Vielleicht für 2-3 Charaktere, aber ansonsten nicht. Und die letzte Seite lässt vermuten, dass selbst dieser Einfluss vielleicht gar nicht so groß war.


    Alles in allem machen viele Charaktere eine große Entwicklung durch (bei manchen sehr plausibel, bei anderen sehr merkwürdig und nicht nachvollziehbar - leider auch beim Hauptcharakter). Und nicht nur hier sondern auch in der weiteren Mythologie oder diversen Nebencharakteren wurde viel Potential verschenkt, was ich sehr schade finde, aber da diese Reihe anscheinend näher mit der letzten Trilogie verknüpft sein soll, erfahr ich vielleicht dort etwas mehr dann.


    Etwas enttäuschend, allerdings keinesfalls wirklich schlecht und defintiv besser, als der letzte Witcher-Band und eindeutig besser als die 2. Hälfte von Band 3, etwas schwächer allerdings als die erste Hälfte von Band 3 und demnach insgesamt nur minimal besser.


    Final verdict: 6,5 / 10


    Dennoch freue ich mich schon ziemlich auf die 3. Reihe des Solar Cycle, den ich nach dem nächsten Witcher-Band anfangen werde.

    Auch von mir mal wieder ein Lebenszeichen. Nach Rückkehr aus dem Urlaub Mitte Januar hab ich inzwischen einige Bücher beendet:


    Andrzej Sapkowski - The Last Wish & Sword of Destiny


    Die zwei Kurzgeschichtensammlungen vom Schöpfer des Witchers stellen einen guten Einstieg in die Welt des Hexers da und führt viele (wie ich vermute) später wichtigen Personen ein. Für mich als Fan der Spiele gab es tolle Wiedererkennungsmomente mit einigen der Charakteren und ich hatte durchaus Spaß mit ihnen.


    Insgesamt sind allerdings keine Kurzgeschichten meiner Meinung nach besonders stark oder besonders schwach, sodass sich alles ganz gut lesen lässt, manch eine jedoch mit einem etwas schwächeren, abrupten Ende den Gesamteindruck mildern. Der ganze Fokus liegt natürlich immer auf Geralt, wobei mir viele Nebencharaktere sogar mehr Spaß gemacht haben (diverse Zwerge oder Halblinge oder ganz besonders Dandilion, der in den Geschichte bislang eine sehr auflockernde Companion-Rolle / Sidekick-Rolle einnimt, die gegenüber Geralts stoischer Stille wirklich strahlt.


    Interessant auch, dass man die ein oder andere Geschichte fast genauso in einem der Spiele wiedergefunden hat, wobei andere Geschichten leicht abgändert Erwähnung finden. Mir macht sowas ziemlich Spaß...


    Immer noch einiges an Luft nach oben, aber dennoch für eine Kurzgeschichtensammlung durchaus solide 6,5/10


    Gene Wolfe - Litany of the Long Sun (Nightside the Long Sun & Lake of the Long Sun)


    Nachdem ich die erste Reihe im Solar Cycle beendet hatte und The Books of the Long Sun schon gekauft hatte war ich mir nicht sicher, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, vorzukaufen. Dennoch, trotz aller Schwierigkeiten und Unzufriedenheiten mit der ersten Reihe, besonders am Ende, war ich angetan genug vom Setting der Welt, dass ich mit positiver Erwartung an Long Sun gegangen bin. Schließlich wusste ich auch, dass der Protagonist wechselt und der Stil ein anderer sein wird.


    Insgesamt muss ich sagen hat mir die erste Hälfte des Long Sun Quartetts besser gefallen als die gesamte New Sun Reihe. Der Protagonist ist sehr angenehm zu verfolgen, die Tiefe der Welt, die ähnlich wie in New Sun sehr sporadisch einfließt, oder oft in Nebensätzen erweitert wird gefällt mir auch richtig gut - und da ich ohne Spoiler reingegangen bin wurde ich in Band 2 am Ende sogar ziemlich stark vom Hocker gehauen, das hatte ich schon länger nicht mehr. Im Nachhinein hab ich dann festgestellt wie wenig im Detail ich mir tatsächlich das Cover angeschaut habe (zu meinem Glück - ich kann allen nur abraten).


    Und auch verschiedene cross-references fallen dem aufmerksamen Leser auf, wenn sie auch nicht viel zum Inhalt beitragen, aber es macht Spaß gewisse Hinweise auf andere Werke zu erkennen. Immer wieder überrascht war ich auch, wie wenig Zeit während der Geschichte eigentlich vergeht. Es passieren viele kleine Dinge, wenig weltbewegende Ereignisse aber man ist ziemlich im Geschehen, sodass man erstmal überrascht ist wenn es in Band 2 heißt "vorgestern ging alles los".


    Insgesamt finde ich ist die Reihe bislang richtig gut, natürlich ausbaufähig in den weiblichen Charakteren, so wirklich gut schreiben kann Wolfe die nicht, wie ich finde, und auch die Story könnte hier und da weniger sprunghaft sein (Nebensächlichkeiten totgetreten, wobei Kernelemente im Off passieren oder nebenbei sehr kryptisch erwähnt werden, dass es einem schwer fällt, das eigentlich Geschehene in mentale Bilder zu formen. Die ein oder andere Szene musste ich in der Tat mehrfach lesen, bevor ich halbwegs verstanden habe, was Wolfe gerade beschrieben hat (vielleicht liegts auch einfach an mir).


    Dass dann zum Ende von Band 2 hin einige Dinge wieder zu glatt und problemlos laufen (sogar zum Unwillen des Protagonisten) war dann einer der größten Punkte, an dem ich wie immer etwas auszusetzen habe. Ich kann mir schon denken, warum die Dinge gerade passiert sind, wie sie passiert sind, aber dennoch ist es etwas zu einfach ohne Widerstand, denn entgegengesetzte Fraktionen, die Interesse an einem anderen Ablauf hätten, gibt es durchaus.


    Weiterhin hat Wolfe auch Szenen eingebaut, die bis dato absolut nichts relevantes zur Story beitragen. Der große tie-in mag ja noch kommen, aber nach 1,5 Bänden, in denen diese Szenen enthalten sind, ohne wirklich sinnvolle Verknüpfung ist dann doch etwas spät, denn an sich sind die Szenen fad und uninteressant.


    Alles in allem bin ich dennoch sehr positiv übeerrascht und hoffe es geht so weiter! Bin sogar schon so weit, dass ich mich freue wenn ich ein weiteres Witcher-Buch beendet habe um hier weiterzulesen (aktuell bin ich an Blood of Elves, das mir von allen Witcher Bänden bislang jedoch am besten gefällt).


    Litany of the Long Sun - 7,25 - 7,5/10

    Auch von mir frohe Weihnachten! Auch wenn es bei euch jetzt schon der 26. ist. Bei mir noch nicht, also gehts hoffentlich noch als 'leicht' verspätet durch-:)


    Habt eine schöne Zeit, alle zusammen und lasst das Jahr ruhig ausklingen!